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Trumps Zeitplan stockt : Wall Street verliert die Geduld mit den Bankaktien

  • -Aktualisiert am

JP Morgan wies für das erste Quartal einen Nettogewinn von 6,4 Milliarden Dollar aus. Bild: AFP

Trump will die Regulierung für die Finanzbranche lockern. Das freut die Banken. Bislang ist er mit seiner Agenda aber nicht weit gekommen. Die Anleger werden langsam ungeduldig.

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          Die Börsianer hatten den Bankaktien an der Wall Street nach der Präsidentschaftswahl im November viel Vorschusslorbeer gewährt. Mit der einstigen Schwärmerei für diese Titel scheint es nach den ersten Realitätstests aber nun vorbei zu sein. Die Aktienkurse von Banken gaben am Donnerstag trotz insgesamt robuster Quartalszahlen von drei der größten amerikanischen Kreditinstitute an der New Yorker Börse überdurchschnittlich stark nach. Damit setzte sich der negative Trend des vergangenen Monats auch vor den Osterfeiertagen fort. Der KBW Nasdaq Bank Index, ein vielbeachtetes Branchenbarometer, hatte in den vergangenen vier Wochen um insgesamt 9 Prozent nachgegeben – mehr als viermal so stark wie der breit gefasste Aktienindex S&P 500, der im gleichen Zeitraum nur rund 2 Prozent verloren hat.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die großen Hoffnungen, die Anleger nach der Wahl von Donald Trump in Finanztitel gesetzt haben, sind allerdings noch nicht völlig verpufft. Verglichen mit dem Wahltag, liegt der KBW-Bankenindex immer noch um deutliche 17 Prozent im Plus – in diesem Zeitraum war der Bankenindex fast doppelt so stark wie der S&P 500. Beflügelt wurden die Bankaktien von der Aussicht auf Steuersenkungen und stärkeres Wirtschaftswachstum unter einer Regierung Trump, was zu höherer Kreditvergabe und zu steigenden Zinseinnahmen führen würde.

          Dazu versprach Trump, zu dessen Stab entgegen seiner Wahlkampfrhetorik einige ehemalige Spitzenbanker gehören, der Finanzbranche auch eine deutliche Lockerung der Regulierung. Nachdem Trump mit einigen seiner ersten Initiativen allerdings sowohl an Gerichten als auch am Kongress gescheitert war, wird an der Wall Street in Frage gestellt, ob Trump seinen ambitionierten Zeitplan einhalten kann. „Wenn man einen neuen Präsidenten hat und der loslegt, ist es eine Zeit, in der Wurst gemacht wird“, sagt Jamie Dimon, der Vorstandsvorsitzende von JP Morgan Chase, auf einer Telefonkonferenz mit Analysten.

          Zweifel bleiben trotz guter Zahlen

          Mit diesem in Amerika gebräuchlichen Sprachbild bezieht sich Dimon auf den unschönen Prozess der politischen Konsensbildung in Washington. Es wäre „dumm“, zu erwarten, dass dieser Prozess reibungslos vonstattengehe. Investoren scheinen aber wesentlich ungeduldiger. Fondsmanager Christopher Davis vom Vermögensverwalter Davis Funds, der Anteile an JP Morgan und Wells Fargo hält, berichtet von verkaufswilligen Anlegern mit „juckenden Fingern am Abzug“. Anleger hätten in den vergangenen Wochen vor allem das Wachstumspotential der Kreditvergabe bei den großen Banken in Frage gestellt.

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          Die Ergebnisse des ersten Quartals trugen nicht dazu bei, diese Zweifel zu zerstreuen. Zwar wiesen sowohl JP Morgan als auch die Citigroup, die Nummer vier der Branche, einen gegenüber dem Vorjahr um jeweils 17 Prozent gestiegenen Nettogewinn aus. Aber die Gewinne stammten vor allem aus dem Kapitalmarktgeschäft und weniger aus dem traditionellen Kreditgeschäft mit Firmen- oder Privatkunden. Die Branchendritte Wells Fargo, die im Vergleich zu den Konkurrenten weniger Wertpapiergeschäfte macht, meldete stagnierende Quartalsgewinne. Wells Fargo litt zudem unter den Folgen eines Scheinkontenskandals. Im vergangenen Jahr war bekanntgeworden, dass zahlreiche Mitarbeiter von Wells Fargo ohne Wissen der Kunden Konten und Kreditkarten eröffnet haben, um aggressive Vertriebsziele zu erreichen.

          6,4 Milliarden Dollar Gewinn

          Wells Fargo wies für das erste Quartal einen Nettogewinn von 5,5 Milliarden Dollar aus. Neben gestiegenen Rechtskosten belastete auch der Rückgang des wichtigen Hypothekengeschäfts. Die Citigroup verdiente 4,1 Milliarden Dollar und profitierte vom lebhaften Handel mit festverzinslichen Wertpapieren. JP Morgan wies für das erste Quartal einen Nettogewinn von 6,4 Milliarden Dollar aus.

          Neben dem Anleihegeschäft profitierte die Bank auch vom Emissionsgeschäft, da zahlreiche Unternehmen Anleihen ausgaben, um zu weiterhin niedrigen Zinssätzen Fremdkapital aufzunehmen. Vorstandschef Dimon gab sich optimistisch. „Die amerikanischen Verbraucher und Unternehmen sind insgesamt in gesunder Verfassung“, teilte er mit. Angesichts der „Wachstumsinitiativen und der besser werdenden Zusammenarbeit von Regierung und Unternehmen“ könne sich die amerikanische Konjunktur weiter bessern. Ob sich auch die Geduld der Anleger bessert, kann Dimon in den kommenden Wochen am Aktienkurs seiner Bank ablesen.

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