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Trotz Euro-Krise : Auf dem deutschen Aktienmarkt keimt neue Hoffnung

Seit dem 28. Juni hat der Dax um neun Prozent zugelegt Bild: F.A.Z.

Seit dem jüngsten EU-Gipfel Ende Juni stieg der Dax um 600 Punkte und liegt damit bei ungefähr 6700 Punkten. Der amerikanische Aktienmarkt gilt zurzeit - verglichen mit dem europäischen - als teuer.

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          Trotz der nach wie vor sorgenvollen Debatte um die Zukunft der Europäischen Währungsunion haben sich die Börsenkurse seit drei Wochen merklich erholt. Der deutsche Standardwerteindex Dax liegt mit ungefähr 6700 Punkten rund 600 Punkte höher als Ende Juni - das ist ein Kursplus von rund 9 Prozent. Der Euro Stoxx 50 und der amerikanische Leitindex S&P 500 haben, obgleich deutlich weniger als der Dax, ebenfalls zugelegt.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Als Auslöser der jüngsten Rally gelten mehrere Faktoren. Einmal gilt sie mindestens teilweise als technische Gegenreaktion auf den kommunizierten und immer wieder in Anlegerumfragen herausgestellten Pessimismus unter Marktteilnehmern vor dem EU-Gipfel am 28. und 29. Juni. Dafür spricht, dass der Dax alleine am zweiten Gipfeltag, dem 29. Juni, um rund 250 Punkte emporschoss. Die übrigen europäischen Börsen bewegten sich ähnlich.

          Höchste Kurszuwächse stammen aus Europa

          Parallel dazu gab der aus Optionspreisen abgeleitete V-Dax-New, der als Stressbarometer der Börse gilt, deutlich nach. Dieser „Nachholbedarf“ der europäischen Börsen zumal gegenüber dem amerikanischen Aktienmarkt zeigte sich auch mit Blick auf den Dow Jones Global Titans Index. Dieser umfasst die 50 größten multinationalen und an der Börse notierten Konzerne der Welt. Die zehn Aktien des Index, die seit dem 28. Juni die höchsten Kurszuwächse aufweisen, stammen allesamt aus Europa, die besten vier - BASF, Siemens, Sanofi und Total - aus dem Euroraum.

          Ein zweiter Begründungszusammenhang für die aktuelle Hausse an den Aktienmärkten dreht sich um den Wirtschaftsausblick der Marktteilnehmer. „Der Markt glaubt im Grunde daran, dass wir demnächst die aktuelle Wachstumsschwäche überwinden“, sagt Markus Reinwand, Aktienstratege der Helaba. Der Aktienmarkt gilt trotz der Kursturbulenzen während der schwelenden Finanz- und Euro-Krise weiterhin als einigermaßen verlässlicher Konjunkturindikator. Der Rückgang des Dax von 7150 Mitte März bis auf vorübergehend weniger als 6000 Punkte im Juni könnte in diesem Sinne schon die eingetrübten Konjunkturerwartungen und abgeschwächte Wirtschaftsaktivität vorweggenommen haben.

          Erwartungen der Analysten übertroffen

          Sein jüngster Anstieg könnte umgekehrt bereits die nächste Aufschwungbewegung der Konjunktur einpreisen. Vereinzelt gibt es Anzeichen dafür. So verzeichnen seit Ende Juni beispielsweise mit Thyssen, Volkswagen, Daimler, BASF, der Deutschen Lufthansa, Elring Klinger und Dürr viele Unternehmen überdurchschnittliche Kursgewinne auf dem deutschen Aktienmarkt, deren Geschäft stark von der Konjunktur abhängt. In den Vereinigten Staaten legen die bedeutenden börsennotierten Unternehmen im Schnitt mittlerweile offenbar doch bessere Ergebnisse für das zweite Quartal vor als zuletzt gedacht.

          Rund zwei Drittel der gut hundert Unternehmen aus dem S&P 500, die bisher berichteten, übertrafen die Erwartungen der Analysten. Das ist im historischen Vergleich ein solider Wert, kein niedriger. Am Freitag veröffentlichte der Industriekonzern General Electric, der aufgrund des breiten Geschäftsfelds Rückschlüsse auf die gesamte amerikanische Unternehmenswelt ermöglicht, einen etwas höheren Gewinn als erwartet und blieb, was den Umsatz angeht, im Rahmen der Prognosen.

          Dass die jüngste Kursrally an den Börsen weitergeht, halten viele Marktbeobachter für möglich. Zwar verweisen sie auf unkalkulierbare Risiken wie die Euro-Krise oder - mit Blick auf das Jahresende - die Finanzpolitik der Vereinigten Staaten, die immer wieder für Kursrückschläge sorgen können. Teuer seien Aktien gemessen an den erwarteten Unternehmensgewinnen oder -bilanzen allerdings im Schnitt nicht.

          „Was wir am Aktienmarkt derzeit sicherlich nicht haben, ist ein Bewertungsproblem“, sagt Helaba-Analyst Reinwand. Sowohl Peter Oppenheimer, verantwortlicher Aktienstratege von Goldman Sachs, als auch die Anlagestrategen des Vermögensverwalters Blackrock äußerten allerdings, dass sie den amerikanischen Aktienmarkt verglichen mit dem europäischen eher für teuer halten. Sie halten darum für wahrscheinlicher, dass er über die kommenden zwölf Monate schlechter abschneidet, wenn die Euro-Krise nicht abermals eskaliert.

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