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Trotz Abgasskandal : VW-Aktie auf Erholungskurs

Lässt sich ganz einfach in Ordnung bringen Bild: dpa

Selten wurde ein Großkonzern so sehr von einem Skandal gebeutelt wie derzeit VW. Doch Anleger sehen mittlerweile wieder mehr Chancen.

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          Die VW-Aktie gibt ein extrem gemischtes Bild ab. Auf Jahresfrist beträgt das Kursminus mehr als ein Drittel. Auf Monatssicht ist es ein Plus von fast 12 Prozent, auf Wochensicht sogar knapp 19 Prozent. Und das obwohl es  Nachrichten gibt, die nicht gerade zum Kauf einzuladen scheinen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So muss der Konzern der kalifornischen Umweltbehörde CARB bis Anfang Januar einen Plan vorlegen, wie er bei den mehr als 15.000 vom Abgasskandal betroffenen Diesel-Fahrzeugen mit 3-Liter-Motor vorgehen will. Südkorea hat den Rückruf von mehr als 125.000 Fahrzeugen angeordnet und verlangt einen Plan bis zum 6. Januar.

          Zudem hat Volkswagen einem Bericht der „Welt“ zufolge Probleme mit der Technik zur Rückgewinnung von Energie, mit der die Autobatterien geladen werden können – eine Software-Fehlfunktion.

          Und auch die Analysten-Urteile sind eher zurückhaltend: Fast jeder dritte empfiehlt den Verkauf der Aktie. Zieht man in Betracht, dass die Empfehlung „Halten“ oftmals eine verkappte Verkaufempfehlung ist, so sind es drei von vier Analysten. In jüngerer Zeit gab es aber auch mehrere neue Kaufempfehlungen, wobei Kursziele von 160 bis 200 Euro genannt wurden. Spätestens das letzte stammt aus dem Bereich: „Alles ist wieder gut“.

          Genau das ist die Frage: Wie viel ist wieder gut oder besser wie schlecht ist die Lage? Dominierte vor einiger Zeit noch die um unvorhersehbare und unkalkulierbare weitere Lasten, so hat sich die Lage hier nunmehr entspannt.

          VW ist mehr als Volkswagen

          Denn allem Anschein nach ist zur Umrüstung nur ein klines Gitternetz und eine Software-Aktualisierung vonnöten. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer schätzt die Kosten der Umrüstung auf wenig mehr als 500 Millionen Euro. Das sind Kleckerbeträge im Vergleich zu dem, was zuvor befürchtet wurde. In dem stark gefallenen Kurs schienen mittlerweile unrealistisch hohe Folgen des Abgasskandals eingepreist zu sein, schrieb UBS-Analyst Patrick Hummel am Dienstag in einer Studie.

          Andere Analysten verweisen auf den Wert von Konzernteilen, die nicht betroffen sein dürften: Porsche, das Lkw-Geschäft China und auch Audi, wo bisherigen Ergebnissen zufolge sich die Manipulationen in Grenzen halten. Auch ohne Volkswagen, Seat und Skoda sei VW mehr wert als die aktuell für die Vorzüge bezahlten rund 125 Euro.

          Die ist auch die Gefechtslage vieler Schnäppchenjäger. Das Investmentportal Feingold Research weist auf die nachbörslichen Kursbewegung hin, die ein Interview mit Dudenhöffer in der Tagesschau ausgelöst habe. Viele kurzfristig orientierte Anleger warten nur auf positive Nachrichten. Kauf-Optionsscheine auf VW sind derzeit gesucht.

          Und auch die Markttechniker sind positiv gestimmt. Die VW-Aktie weise das höchste Momentum der vergangenen vier Wochen unter allen 30 DAX-Werten auf, schreibt HSBC Trinkaus & Burkhart, die kurzfristig ein Kursziel von 132 Euro sehen.

          Allerdings drängt sich bei so viel positiver Einschätzung noch Frage auf. Wenn es so einfach war, die Abgaswerte zu erreichen, warum hat VW dann betrogen? Die augenscheinliche Einfachheit überrascht, mit der die Sache aus der Welt zu schaffen ist, und genau das macht misstrauisch. War die Lösung etwa schon vorhanden? Vielleicht meint UBS-Analyst Hummel ja das, wenn er schreibt, die Restrukturierungsstory aus dem Skandal sei im neuen Kursziel noch nicht berücksichtigt.

          Mit einem einfache Durchlaufen bis auf 160 Euro sollte man indes nicht unbedingt rechnen. Denn kurzfristig orientierte Anleger werden mit steigendem Kurs zunehmend aussteigen und sich somit die Marktverhältnisse ausgeglichener gestalten.

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