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Transport : Aktie von Frontline profitiert vom Ölboom

  • Aktualisiert am
Front Ardenne  - Supertanker von Frontline
          3 Min.

          Der steigende Ölpreis dominiert die Schlagzeilen. Die starke Nachfrage aus Asien, die bornierte Unfähig- und wohl auch -willigkeit der Amerikaner, effizient mit dem immer wertvoller werdenden Rohstoff umzugehen und die zunehmende politische Instabilität in wesentlichen Förderregionen hinterlassen Spuren. Sollte sich die Entwicklung nicht wieder abschwächen, dürfte sie zu einem deutlichen Dämpfer für die internationale Konjunktur führen.

          In Amerika dürfte nicht nur der hohe Ölpreis an sich die sowieso schon auf tönernen Füßen stehende Konjunktur dämpfen, sondern auch ein industrielles Defizit des Landes. Sie führen beispielsweise dazu, daß es zu geringe Raffineriekapazitäten gibt. Auf diese Weise wird nicht nur der Benzinpreis nach oben getrieben, sondern es kommt auch zu Benzintransporten von Europa nach Amerika.

          Rekordgewinne bei Frontline...

          Insgesamt hat in den vergangenen Jahren der Transportbedarf deutlich zugenommen. Und davon profitieren über massiv steigende Frachtraten vor allem die Tankerflotten. So ist es wohl kaum verwunderlich, wenn die Aktien entsprechend spezialisierter Unternehmen deutlich zugelegt haben. Beispielsweise die Aktie von Frontline. Die Aktie des auf den Bermudas domizilierten Unternehmens, das eine Flotte von Supertankern besitzt, legte von einem Zwischentief im September des Jahres 2002 bei 25,90 norwegischen Kronen bis zum aktuellen Kurs von 240 Kronen mehr als 800 Prozent zu.

          Das ist wenig verwunderlich, denn die Flotte ist stark ausgelastet und das Unternehmen erzielt gute Gewinne. Im Jahr 2003 waren das 41,88 Kronen je Aktie und für das Jahr 2004 belaufen sich die Gewinnschätzungen auf 48,25 Kronen. Auf dieser Basis lauten die Kurs-Gewinn-Verhältnisse auf 5,74 und knapp fünf. Und das ist nicht alles. Denn das Unternehmen hat die Ausschüttungen an die Aktionäre in den vergangenen Monaten massiv gesteigert. Die Dividendenrendite liegt unter anderem auf Grund mehrer Sonderausschüttungen bei knapp zwölf Prozent.

          Im ersten Quartal des laufenden Jahres erzielte das Unternehmen einen Rekordgewinn mit einem Plus im Jahresvergleich um 19,3 Prozent auf 214,4 Millionen Dollar oder 2,91 Dollar oder 27,5 Kronen je Aktie. Der operative Gewinn hatte bei einem Umsatzanstieg um ein Drittel auf 450,6 Millionen Dollar sogar um 62 Prozent zugelegt und damit alle Erwartungen übertroffen. Kurz- bis mittelfristig scheint eine anhaltend positive Gewinnentwicklung möglich zu sein. Denn das Unternehmen schließt für seine Fahrzeuge nur Kontrakte für einzelne Transportaufträge ab und kann auf diese Weise von den hohen Frachtraten unmittelbar profitieren. Die hatten im ersten Quartal des laufenden Jahres beispielsweise auf der Route vom Persischen Golf nach Japan einen der höchsten Stände seit der Ölkrise im Jahr 1973 erreicht.

          ... kurzfristig mit weiterem Potential

          Frontline operiert mit 35 so genannten VLCCs - also den Very Large Crude Carriers -, die jeweils mehr als zwei Millionen Barrel Öl transportieren können und 27 Suezmax Tankern, die eine Kapazität von einer Million Barrel haben. Im Moment erlöst Frontline für den Einsatz eines VLCCs bis zu 74.900 Dollar pro Tag, vor einem Jahr waren es noch 55.400 Dollar. Die Gewinnschwelle liegt bei knapp 22.000 Dollar. Für das zweite Quartal sind die Kapazitäten der VLCCs zu 89 Prozent ausgebucht, die der Suezmax-Tanker zu 78 Prozent. Auf dieser Basis dürfte auch das zweite Quartal sehr gut laufen.

          Gleichzeitig plant das Unternehmen seine „Schiffsfinanzierungssparte“ abzutrennen und an der New Yorker Börse zu notieren. 25 Prozent der Anteile sollen an die aktuellen Anteilseigner gehen, der Rest soll verkauft werden. Der Erlös ist für Akquisitionen und für weitere Sonderausschüttungen vorgesehen. Die Sparte hat durch die Ausgabe von Anleihen und über Kredite 1,63 Milliarden Dollar aufgenommen, übernimmt damit 47 Tanker von Frontline, welche sie umgehend wieder least. Auf diese Weise soll der Wert gesteigert werden.

          Insgesamt scheint die Aktie im Moment eher günstig bewertet zu sein. Auch der Chart zeigt nach oben und dürfte vor allem dann weiteres Potential eröffnen, wenn die Aktie das bisherige Allzeithoch bei 249,50 norwegischen Kronen überwinden kann. Allerdings dürfte sich eine Absicherung von Positionen anraten. Denn das Geschäft dürfte auf Grund der kurzfrfsitigen Kontrakt des Unternehmens schwankungsintensiv sein. Und bei hohen Frachtraten dürften mittel- bis längerfristig vor allem weitere Kapazitäten auf den Markt kommen und die Preise unter Druck setzen.

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