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Touristik : Übernahmen treiben Aktie von First Choice

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Bild: FAZ.NET

Die Touristik-Branche befindet sich im Umbruch. Der britische Reiseanbieter First Choice will sich von seinem Pauschalreisengeschäft trennen, expandiert bislang erfolgreich bei Individualreisen und könnte zu den Gewinnern der Entwicklung gehören.

          In der Touristik-Branche findet - wieder einmal - ein großer Umbruch statt. Tui, einst von der Preussag mühevoll in einen Touristik- (und Logistik-)Konzern umgestaltet, muss derzeit sein Haus ordnen und Karstadt-Quelle, einst ein Warenhauskonzern, wandelt sich unter der Regie von Vorstandschef Thomas Middelhoff immer stärker zum neuen Player in der Branche.

          Schon vor Weihnachten gab das Unternehmen bekannt, für 800 Millionen Euro den 50-Prozent-Anteil der Lufthansa an Thomas Cook zu übernehmen und unterzeichnete eine entsprechende Absichtserklärung. Thomas Cook wird dann vollständig zu Karstadt-Quelle gehören. Doch damit nicht genug - auch will der Essener Konzern angeblich das Reisegeschäft in Großbritannien ausbauen und bietet dort für die seit November zum Verkauf stehende Pauschalreisesparte des britischen Veranstalters First Choice.

          Bevorstehender Verkauf des Pauschalgeschäfts treibt Aktienkurs

          Auch wenn es offiziell kein Angebot von Karstadt-Quelle gibt, so weist die Intensität der Berichterstattung über Gebote von Thomas Cook für das Pauschalreisengeschäft der Briten doch sehr stark in diese Richtung. Anfang Dezember hieß es, neben Thomas Cook befinde sich nur noch die britische MyTravel Group im Rennen, während von Tui und dem Schweizer Rivalen Kuoni keine Angebote mehr zu erwarten seien.

          Unter diesen Umständen kann es jedenfalls kaum überraschen, dass der Aktienkurs von First Choice Anfang Oktober zu einem neuen Höhenflug startete, nachdem er in den ersten neuen Monaten des Jahres unter Druck gestanden hatte.

          Damit nahm die Notierung seinerzeit auch ihren Aufwärtstrend auf, den sie zu Beginn des Jahres 2003 eingeschlagen hatte. Damals war der Kurs im Zuge der Baisse sehr stark unter Druck geraten und hatte bei 67 Pence so tief wie seit 1996 nicht mehr notiert. Am Dienstag zeigt sich die Notierung etwas ruhiger, nachdem sie am 29. Dezember mit 288,75 Pence noch auf ein Allzeithoch gestiegen war.

          Expansion im Nischengeschäft

          Nach einem Zeitungsbericht hat Thomas Cook zwar die Citigroup beauftragt, ein 500 Millionen Pfund schweres Angebot auszuarbeiten, was dem von Branchenexperten taxierten Wert der Sparte entspricht, doch bestätigt dies lediglich die Meldungen der vergangenen Wochen, die vom Markt ohnehin offenbar längst als Fakten behandelt werden.

          First Choice will sich aus dem Pauschalreisengeschäft zurückziehen, weil man hier in den vergangenen Jahren aufgrund der verstärkten Konkurrenz von Online-Reisebüros und Billigfliegern Umsatzeinbußen hinnehmen musste. Schon vor geraumer Zeit hat das Unternehmen begonnen, sich verstärkt auf Nischenprodukte und Aktivurlaubspakete wie Bergsteige- und Radtouren zu spezialisieren und hat zudem das Angebot an Urlaubszielen auf über 200 Länder ausgeweitet.

          Ein weiterer Schritt in Richtung Spezialisierung ist dabei die Ende Dezember vollzogene Übernahme von Laterooms. Das Unternehmen ermöglicht es Ferienunterkünften jedweden Niveaus unausgelastete Kapazitäten anzubieten und dabei die Preise laufend der Situation anzupassen.

          Laterooms soll Konzern-Profitabilität verbessern

          First Choice hat große Hoffnungen für die neue Tochter und erhofft sich in den kommenden Jahren ein Wachstum von durchschnittlich 20 Prozent. Laterooms operiere in einem Sektor mit hohem Wachstum. Man sehe beträchtlichen Spielraum, die zukünftige Profitabilität noch weiter zu steigern, sagte Vorstandschef Peter Long.

          108 Millionen Pfund bezahlt First Choice für die Reservierungsseite und ist bereit noch einmal zwölf Millionen draufzulegen, sollte die Entwicklung des Unternehmens den Erwatungen entsprechen. Nach Unternehmensangaben wird das Unternehmen im Jahr 2006 mit 10,8 Millionen Pfund 57 Prozent mehr umsetzen als im Vorjahr. Dabei werde der operative Gewinn um 68 Prozent auf 6,2 Millionen Pfund steigen.

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