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Touristik : Ergebnisse kein Befreiungsschlag für Arcandor-Aktie

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Thomas Cook ist bei Arcandor das Wesentliche Bild: AP

Thomas Cook macht die Musik beim einstigen Karstadt-Quelle Konzern Arcandor. Doch laufende Bilanzierungsänderungen machen die Ergebnisse schwer vergleichbar - und die Kursentwicklung ist nicht eben positiv.

          3 Min.

          Je mehr sich Weihnachten nähert, desto ruhiger geht es im allgemeinen an der Börse zu, und desto mehr Aufmerksamkeit genießen die wenigen unternehmen, die noch Zahlen vorlegen. Zu diesen gehört am Dienstag allen voran der Touristik- und Handelskonzern Arcandor, vielen unter Karstadt-Quelle immer noch erheblich vertrauter.

          Schon am Montag hatte die FAZ berichtet, dass vor allem die Reisesparte Thomas Cook dem Konzern sowohl im dritten Quartal als auch im neun Monate umfassenden Rumpfgeschäftsjahr 2007 einen kräftigen Zuwachs bei Umsatz und Ergebnis verschafft habe und bezifferte das bereinigte operative Ergebnis in den neun Monaten auf mehr als 500 Millionen Euro.

          Primondo verbessert sich

          Am Dienstagmorgen liegen nun die tatsächlichen Ergebnisse vor. Tatsächlich erwies sich Thomas Cook als Gewinn- und Umsatzbringer und tatsächlich entwickelten sich auch Karstadt und die zum Verkauf stehende Primondo rund um Neckermann besser als der Markt.

          Dies ließ das bereinigte operative Ergebnis der drei Bereiche sogar auf 602 Millionen Euro nach einem Minus von 64 Millionen Euro im Vergleichszeitraum klettern und den bereinigten Konzernumsatz um 72 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro steigen.

          Im abgelaufenen Quartal hob Arcandor-Vorstandschef Thomas Middelhoff besonders die Entwicklung des Versandhandelsgeschäfts hervor. Primondo habe sich erneut unerwartet verbessert. So stieg der Umsatz bereinigt um 14,6 Prozent auf eine Milliarde Euro. Das stärkste Wachstum habe man mit 25 Prozent in Mittel- und Osteuropa erzielt, aber auch die Spezialversender hätten um 14 Prozent und der Home-Shopping-TV-Sender HSE24 um 15 Prozent zugelegt. Selbst der Universalversand mit Quelle in Deutschland sei mit 2 Prozent wieder gewachsen.

          Auf der Ergebnisseite verbuchte Primondo laut Unternehmensangaben saisonal bedingt auf Ebene des bereinigten operativen Ergebnisses allerdings einen Verlust von 23 Millionen Euro, verbesserte sich damit aber gegenüber dem Minus von 38 Millionen im Vorjahr um 40 Prozent.

          Schwere Vergleichbarkeit

          Das Warenhausgeschäft verbuchte einen bereinigten Umsatz von einer Milliarde Euro. Bei den Kren-Warenhäusern von Premium Group und Karstadt gingen die Einnahmen um 2,2 Prozent auf 0,8 Milliarden Euro zurück, doch sei der Vorjahresvergleich nur eingeschränkt möglich, hieß es. Die zwischenzeitliche Erhöhung der Mehrwertsteuerung, das 125jährige Karstadt-Jubiläum im Vorjahr und die Schließung unrentabler Häuser verzerrten das Bild. Das bereinigte operative Ergebnis stieg leicht auf 0,9 (Vorjahr: 0,1) Millionen Euro.

          So blieb es vor allem Thomas Cook Group vorbehalten über die Konsolidierung für den Zeitraum vom 1. Juli bis zum 31. Oktober das bereinigte operative Ergebnis um 723 Millionen Euro zu erhöhen.

          Aufgrund des umfassenden Konzernumbaus sind die Vergleiche etwas schwer anzustellen. Zu konstatieren sind tatsächlich Verbesserungen bei Karstadt und Primondo, auch wenn sicherlich beide Bereiche weder hochprofitabel sind, noch ein spektakuläres Wachstum an den Tag legen.

          Thomas Cook macht die Musik

          Thomas Cook verzeichnete nach vorläufigen ungeprüften Pro-forma-Ergebnisse im Geschäftsjahr zum 31. Oktober 2007 einen um 26 Prozent höheren Pro-forma-Betriebsgewinn vor Sonderposten von 375,3 Millionen Euro, allerdings einen um 1,3 Prozent niedrigeren Pro-forma-Umsatz von 11,71 Milliarden Euro.

          Auf dem größten Markt Großbritannien habe der Geschäftsverlauf während des Jahres nicht vollständig den eigenen Erwartungen entsprochen, dies sei aber durch eine Senkung der Gemeinkosten und ein gutes Saisonende überkompensiert worden und so stieg der Pro-forma-Betriebsgewinn vor Sonderposten um 32,3 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr auf 121,5 Millionen. Man habe die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um im laufenden Jahr eine bessere Entwicklung sicherzustellen.

          In Nordeuropa konnte man sich auf einem gesättigten Markt gut schlagen, in Deutschland und Kontinentaleuropa konnte man vor allem aufgrund niedrigerer Kapazitäten und einem erfolgreichen Kostenmanagement ein Ergebnis im Rahmen der Erwartungen erzielen, wohingegen der Pro-forma-Betriebsgewinn vor Sonderposten in Nordamerika nachgab. Alles in allem verzeichnete Thomas Cook demnach zwar kein schlechtes Jahr, sieht sich aber herausfordernden Marktbedingungen gegenüber.

          Ungünstige Kursentwicklung

          Arcandor rechnet weiter damit, im Wirtschaftsjahr 2008/09 ein bereinigtes operatives Ergebnis von 1,3 Milliarden Euro zu erzielen. Das Ergebnis erreiche 2006/2007 pro-forma bereits rund 700 Millionen Euro. Auch bei Händlern gelten die Zahlen als sehr schwer zu beurteilen. „Immer wird etwas anders bilanziert oder ein Zeitrahmen verändert - eine Einschätzung ist da fast unmöglich. Daher schwankt der Kurs auch so“, sagte ein Börsianer.

          Der Aktienkurs hat in den zurückliegenden Handelstagen stark gelitten. Vor allem Zweifel an dem von Arcandor-Chef Thomas Middelhoff geplanten Zustandekommen einer europäischen Allianz im Geschäft mit Luxuswarenhäusern belasteten den Kurs. Am Montag gab die Aktie trotz wieder besserer Branchenmeldungen zum Verlauf des Weihnachtsgeschäftes um 3,15 Prozent auf rund 17,50 Euro und damit ein 14-Monats-Tief nach.

          Auch die am Dienstag vorgelegten Zahlen vermögen nur für begrenzten Auftrieb zu sorgen. Das Plus beträgt lediglich 1,1 Prozent auf 17,69 Euro, so dass der Kurs weiterhin unter dem Augusttief von 17,96 Euro liegt. Damit fehlen auch die charttechnischen Aufwärtsimpulse, zudem warten im Bereich von 19 Euro und 20,50 Euro weitere Widerstände.

          Folgt man den aktuellen Analystenprognosen, so ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,7 für das kommende Geschäftsjahr auch nicht eben günstig bewertet. Zudem lässt sich dies eben schwer beurteilen. Insgesamt scheint Arcandor auf einem positiven Kurs zu sein, doch bevor sich dies in einem Zahlenwerk ausdrückt, das eine einfachere Vergleichbarkeit zulässt, scheint ein Engagement nicht frei von einer gewissen Spekulativität zu sein.

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