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Tiefster Kurs seit 2011 : Apple-Aktie verliert in sieben Monaten mehr als 40 Prozent

Apple ist nicht mehr das wertvollste Unternehmen. Bild: dpa

Die Aktie von Apple hat rund ein Prozent verloren. Schon am Mittwoch war der Kurs der Aktien um gut 5 Prozent gefallen. Apple ist damit so billig wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr.

          3 Min.

          Die Apple-Aktie hat am Mittwoch und Donnerstag weiter an Wert verloren. Am Mittwoch gab der Kurs um gut 5 Prozent nach, am Donnerstag nochmals um rund 1 Prozent. An beiden Handelstagen wurden Kurse von weniger als 400 Dollar festgestellt. Das hat es seit Dezember 2011 nicht mehr gegeben. Apple ist damit auch nicht mehr das wertvollste Unternehmen der Welt. Im August 2011 hatte Apple erstmals einen höheren Börsenwert als der Ölkonzern Exxon Mobil aufgewiesen und diese Spitzenposition bis auf kurze Ausnahmen Anfang März und April dieses Jahres verteidigt. Am Donnerstag lag Exxon mit einem Börsenwert von 385 Milliarden Dollar rund 10 Milliarden Dollar vor Apple, das auf 375 Milliarden Dollar kam.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Im September 2012 wies Apple noch einen Börsenwert von 660 Milliarden Dollar auf und lag rund 240 Milliarden Dollar vor Exxon. Der Aktienkurs war auf mehr als 700 Dollar gestiegen. Binnen sieben Monaten hat die Apple-Aktie nun mehr als 40 Prozent an Wert verloren. Der Börsenwert hat sich seither um rund 285 Milliarden Dollar (rund 220 Milliarden Euro) reduziert. Zum Vergleich: alle 30 Dax-Werte zusammen kommen auf einen Wert von rund 800 Milliarden Euro. Der Kursrückgang erfolgte zudem in einem ansonsten sehr positiven Aktienmarktumfeld, in dem der amerikanischen Aktienindex Dow Jones neue Höchststände erreichte.

          Schwacher Ausblick für Apple-Zulieferer Cirrus Logic

          Als Auslöser für den jüngsten Kursrückgang gilt ein schwacher Ausblick des Apple-Zulieferers Cirrus Logic. Marktteilnehmer schlossen daraus, dass die Apple-Geschäftszahlen in der nächsten Woche enttäuschend ausfallen könnten. Doch schon seit geraumer Zeit gibt es Mutmaßungen, der Pioniergeist im Hause Apple habe seinen Höhepunkt überschritten. Seit der Einführung des Tabletcomputers iPad im Jahr 2010 hat Apple keine neue Produktkategorie mehr auf den Markt gebracht. Im für Apple bislang wichtigsten Geschäftsfeld mit internetfähigen Mobiltelefonen hat der koreanische Konkurrent Samsung den Amerikanern den Rang abgelaufen. Samsung erzielt mit seiner Galaxy-Reihe wesentlich höhere Absatzzahlen als Apple mit seinen iPhones. Nach Vorlage der Geschäftszahlen für Oktober bis Dezember hatte der Apple-Vorstandsvorsitzende Tim Cook im Januar noch versichert, die Pipeline mit künftigen Produkten sei zum Bersten gefüllt, ohne allerdings konkreter zu werden.

          Die meisten Analysten halten der Apple-Aktie indes die Treue. Von den 30 jüngsten Analysen im April kamen 25 zu dem Schluss, dass die Apple-Aktie kaufenswert sei. Vier Analysten rieten zum Halten und nur einer, Per Lindberg von ABG Sundal Collier, riet mit einem Kursziel von 400 Dollar Anfang April zum Verkauf. Dabei hat nicht der Kurssturz die Analysten zu der Überzeugung gebracht, dass die Aktie nun wieder attraktiv bewertet sei. Selbst zu Höchstkursen im September von mehr als 700 Dollar rieten die Analysten fast einhellig zum Kauf der Aktie. Christopher Withmore von der Deutschen Bank nannte als Kursziel im September noch 850 Dollar, ging im Oktober auf 800 Dollar und nennt nun 575 Dollar. William Shope von Goldman Sachs näherte sich sukzessive von 810 Dollar demselben Kursziel an. Mark Moksowitz von JP Morgan bekräftigte selbst am Donnerstag noch sein Kursziel von 725 Dollar, was bei aktuellen Kursen einem Aufschlag von mehr als 80 Prozent entspricht.

          Parallelen zu Nokia

          Viele Analysten verweisen bei ihren positiven Einschätzungen auf die hohe Profitabilität von Apple. Im vierten Quartal des Jahres 2012 setzte Apple knapp 55 Milliarden Dollar um erzielte dabei einen Nettogewinn von 13 Milliarden Dollar. Angesichts solcher Gewinne sei ein Börsenwert von 375 Milliarden Dollar nicht teuer. Zudem wuchs Apple in seinen wichtigsten Geschäftsfeldern weiterhin. Der Absatz von iPhones stieg im Jahresvergleich um 29 Prozent auf 48 Millionen. Der iPad-Absatz erhöhte sich sogar um 48 Prozent auf 23 Millionen.

          Gleichwohl ziehen immer mehr Marktteilnehmer Parallelen zum finnischen Mobilfunkunternehmen Nokia. Die Euphorie um die Wachstumschancen im Handygeschäft machten Nokia in den Jahren 1999 und 2000 zum wertvollsten Unternehmen im Euroraum. Hernach stellte sich heraus, dass die Realität weniger ruhmreich wurde als von vielen Anlegern erhofft und Nokia sich immer häufiger mit dem Vorwurf konfrontiert sah, ein schwerfälliger Großkonzern geworden zu sein, der sich in einem schnell verändernden Markt nicht mehr an der Spitze der technischen Entwicklung halten könne. Am Donnerstag enttäuschte Nokia abermals mit seinen Geschäftszahlen. Der Aktienkurs liegt nun 96 Prozent unter seinem Rekord aus dem Jahr 2000. Statt mit 243 Milliarden Euro wird das Unternehmen nur noch mit 9 Milliarden Euro bewertet.

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