https://www.faz.net/-gv6-10e4g

Teva Pharmaceutical : Wieder im Aufwärtstrend

  • -Aktualisiert am

Das israelische Pharma-Unternehmen Teva ist bisher gut auf Kurs: Sitz der amerikanischen Gesellschaft Bild: AP

Der Zusammenbruch von Lehman Brothers könnte den israelischen Pharma-Hersteller Teva treffen, fürchteten viele Anleger zunächst. Doch diese Sorge erweist sich als unbegründet. Außerdem legte das Unternehmen gute Zahlen vor.

          2 Min.

          Die Aktie des israelischen Pharma-Unternehmens Teva Pharmaceutical Industries ist wieder in einem Aufwärtstrend. Zwar ist Teva (Isin: IL0006290147) im Standardwerte-Index TA 25 der Börse Tel Aviv gelistet, doch für deutsche Privatanleger sind die an der Nasdaq gehandelten amerikanischen Aktienzertifikate (ADR) relevant, die auch an der Börse Frankfurt gehandelt werden (Isin: US8816242098).

          Deren Kurs hatte in der ersten Juli-Hälfte dieses Jahres einen Tiefpunkt von 26,24 Euro erreicht. Doch seitdem sind die Notierungen an der Frankfurter Börse auf 34,47 Euro im Handelsverlauf am Freitag gestiegen. Damit hat der Titel auch einen scharfen Kurseinbruch im Oktober auf 28,40 Euro gut überstanden und wieder zu seinem langjährigen Aufwärtstrend zurückgefunden.

          Lehman-Pleite gut überstanden

          Damit hat die Teva-Führung gezeigt, dass sie den Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers gut überstanden hat. Denn das israelische Unternehmen wickelte fast alle Kapitalmarkttransaktionen über die Investmentbank ab, die im 19. Jahrhundert von jüdischen Einwanderern aus Deutschland gegründet wurde und sich ihrer jüdischen Wurzeln stets bewusst war.

          Die Insolvenz von Lehman Brothers traf Teva jedoch weniger hart als befürchtet, weil die Investmentbank zwar auch die 7,5 Milliarden Dollar schwere Übernahme des amerikanischen Generika-Herstellers Barr einfädelte und abwickeln sollte, die Finanzierung aber von anderen Banken bereitgestellt wurde.

          Gewinnprognose angehoben

          Anfang November hob Teva zudem noch ihre Gewinnprognose für das laufende Jahr an. Der Gewinn je Aktie werde in diesem Jahr auf 2,79 Dollar bis 2,85 Dollar steigen. Ende Juli hielt Teva noch einen Gewinn zwischen 2,69 und 2,75 Dollar für realistisch.

          Es folgten weitere Erfolgsmeldungen: Das operative Ergebnis - gemessen am Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) - stieg in den zwölf Monaten bis Ende September um 15 Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar. Dies ist laut cashflownews.com der höchste Stand seit sieben Jahren.

          Entsprechend euphorisch fielen seit Anfang November die jüngsten Analysteneinschätzungen aus. Credit Suisse, Sanford Bernstein und Oppenheimer stuften die Aktie auf „Überdurchschnittlich“ ein und The Buckingham auf „Klarer Kauf“. In den Monaten zuvor setzten Goldman die Aktie auf „Neutral/Kaufen“ und die Deutsche Bank auf „Kaufen“. Damit empfehlen alle elf Analysten, die laut Bloomberg den Titel regelmäßig beobachten, die Teva-Aktie zum Kauf.

          Interesse an Stada

          In Deutschland ist der weltgrößte Hersteller von Nachahmer-Medikamenten (Generika) vor allem deshalb bekannt, weil Teva immer wieder Ambitionen nachgesagt werden, den deutschen Generika-Hersteller Stada übernehmen zu wollen. Bisher wird der deutsche Markt für diese preisgünstigen Kopien von Medikamenten, deren Patentschutz abgelaufen ist, von Stada, Ratiopharm und Hexal, die zu Sandoz gehört, beherrscht.

          Aus historischen Gründen machte die Unternehmensgründung lange einen Bogen um Deutschland. Das dürfte sich unter der neuen Führung unter Schlomo Yanai ändern. 1990 kaufte Teva in Deutschland schon das Unternehmen GRY-Pharm, das heute als Teva Pharmaceuticals Germany GmbH firmiert. Weitergehende Ambitionen werden bisher dadurch gebremst, dass viele Kräfte bei Teva durch die Integration von Barr gebunden werden dürften. Insofern steht eine stärkere Expansion zwar erklärtermaßen auf der Agenda von Teva, dürfte aber derzeit nicht Vorrang haben.

          Intakter Branchenausblick

          Die Generika-Hersteller dürften insgesamt zwar auch getroffen werden, wenn die Verbraucher insgesamt ihre Ausgaben senken und dabei auch auf das eine oder andere nicht so notwendige Medikament verzichten. Doch wird sich die Branche nach Meinung vieler Analysten dennoch als relativ widerstandsfähig in einer Rezession erweisen. Denn von einem größeren Ausgabenbewusstsein im Gesundheitssektor werden die Generika-Hersteller, die kostengünstige Präparate verkaufen, tendenziell profitieren.

          So profitierte ja auch die Stada-Aktie etwas von den positiven Quartalszahlen, die das Unternehmen am Donnerstag vorgelegt hatte. Teva jedoch hat sich in diesem Jahr eindeutig besser positioniert als Stada und spielt in dieser Hinsicht in einer anderen Börsenliga. Insofern wäre Teva klar der Vorzug zu geben.

          Weitere Themen

          Überwach mich!

          FAZ Plus Artikel: Autoversicherung : Überwach mich!

          Autofahrer können bei der Versicherung sparen, wenn eine Box ihre Fahrweise beobachtet. Gerade für Fahranfänger sind solche „Telematik-Tarife“ attraktiv. Nur: Lohnt sich das auch?

          Topmeldungen

          Johnson und der Brexit : Drei Briefe und ein einziges Ziel

          Boris Johnson will weiter versuchen, das Brexit-Abkommen bis Ende des Monats zu ratifizieren. Schon am Montag könnte die Regierung in London eine neue Abstimmung über den Brexit-Vertrag ansetzen – wenn John Bercow das zulässt.
          Kurdisches Fahnenmeer: Demonstranten am Samstag in Köln

          Türken-Kurden-Konflikt : Kurz vor der Explosion

          Der Krieg in Nordsyrien führt auch in Deutschland zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen türkischen und kurdischen Migranten. Das könnte erst der Anfang sein.
          Mit Arte in Oslo: Carola Rackete.

          Carola Rackete bei Arte : Ein ganz persönlicher Kulturschock

          In der Arte-Reihe „Durch die Nacht mit ...“ treffen die Aktivistin Carola Rackete und die norwegische Schriftstellerin Maja Lunde aufeinander. Man meint, sie hätten einander viel zu sagen. Es kommt anders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.