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Teva Pharmaceutical : Die Stimmung ist positiv geworden

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Der Macher und sein Vorgänger: Teva-Chef Shlomo Yanai (links) und sein Vorgänger Israel Makov im Februar 2007 beim Börsendebüt an der Nasdaq Bild: ASSOCIATED PRESS

Der israelische Hersteller von Generika hat angeblich Interesse am deutschen Pharma-Unternehmen Stada. Dieses Gerücht kursierte am Freitag an der Börse. Sicher ist nur: Die Teva-Aktie hat die Kursschwäche der vergangenen Wochen überwunden und wird für Anleger attraktiver.

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          Bei deutschen Patienten ist das Unternehmen, dem Interesse an dem deutschen Generika-Hersteller Stada nachgesagt wird (Generikahersteller Teva will offfenbar Stada übernehmen), weitgehend unbekannt. Das israelische Unternehmen Teva Pharmaceutical hat auf dem deutschen Pharma-Markt einen verschwindend geringen Marktanteil. Doch Anleger sollten sich den Namen gut merken.

          Der deutsche Markt für preisgünstige Nachahmer-Präparate wird von anderen beherrscht, Unternehmen wie Stada, Ratiopharm oder auch Hexal, die zu Sandoz gehört. Generika sind wirkstoffgleiche Kopien eines Medikaments, das schon unter einem etablierten Markennamen auf dem Markt ist, aber viel weniger kostet.

          Ein Schwergewicht an der Börse Tel Aviv

          Dafür ist Teva auf den Aktienmärkten gut eingeführt, zumal die Aktie in den vergangenen Wochen einen steilen Kursanstieg verzeichnen konnte. Obwohl die Heimatbörse Tel Aviv ist, wird der Titel vor allem an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq gehandelt. Das amerikanische Aktienzertifikat (ADR) auf die israelische Aktie (Isin: IL0006290147) wird auch an der Frankfurter Börse unter der Isin US8816242098 gehandelt (Teva-Aktie hat wohl den Abwärtstrend gebrochen).

          Von einem Jahrestief von 40,37 Dollar, auf das die Aktie Mitte Juli gefallen war, hat sich der Titel seitdem um knapp 20 Prozent auf zuletzt 48,20 Dollar erholt. Der scharfe Kurseinbruch, den die Teva-Aktionäre in diesem Jahr hinnehmen mussten, hat die Bewertung stark gesenkt: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 20,5 auf Basis des aktuellen Gewinns je Aktie wird der Titel nun gehandelt. Auf Basis der Gewinnschätzung für das laufende Jahr liegt das KGV bei 17,5. Das erscheint angemessen für ein Unternehmen, das in den vergangenen acht Jahren stetig den Gewinn steigern und zuverlässig die versprochenen Ergebnisse liefern konnte.

          Medikamente auf dem Rücken von Eseln

          Teva steht für den Aufstieg der israelischen Wirtschaft wie wohl kein anderes Unternehmen des Landes. 1901 wurde es als Salomon, Levin and Elstein in Jerusalem gegründet, um die ersten jüdischen Pioniere in Palästina mit Medikamenten zu versorgen. Damals war das Unternehmen eine bescheidene Apotheke, eher eine Boutique, von der aus die Medikamente auf dem Rücken von Dromedaren und Eseln verschickt wurden.

          Nach der Staatsgründung 1948 erlebte das Unternehmen einen raschen Aufschwung und stieg zu einem der weltgrößten Hersteller preisgünstiger Arzneimittel auf, der 2007 auf einen Umsatz von 4,8 Milliarden Dollar kam. 1951 war Teva eine der ersten Aktien, die an der Börse Tel Aviv gehandelt wurden.

          Aus historischen Gründen machte die Unternehmensgründung lange Zeit einen Bogen um Deutschland, was erklärt, dass Teva bisher auf dem hiesigen Markt kaum vertreten und kaum bekannt ist. Das änderte sich erst in jüngster Zeit. 1990 kaufte Teva in Deutschland das Unternehmen GRY-Pharm, das heute als Teva Pharmaceuticals Germany GmbH firmiert.

          Ein Soldat an der Spitze des Unternehmens

          Vor allem unter dem Vorstandsvorsitzenden Schlomo Yanai, der nach einer langjährigen Karriere in der israelischen Armee im März 2007 den Vorstandsvorsitz von Teva übernahm, erhöhte der Konzern noch einmal das ohnehin beachtliche Akquisitionstempo. Derzeit ist Yanai dabei, den amerikanischen Generika-Hersteller Barr zum Preis von 7,5 Milliarden Dollar zu übernehmen. Einschließlich Schulden hat die Transaktion ein Volumen von knapp 9 Milliarden Dollar. Die Größe dieser Akquisition, die Teva nun bewältigen muss, ist das stärkste Argument jener Skeptiker, die nicht glauben, dass eine Übernahme von Stada durch Teva unmittelbar bevorsteht.

          Stada wird an der Börse derzeit mit knapp 2 Milliarden Euro bewertet. Damit müsste Teva nicht nur zwei große Unternehmen in zwei verschiedenen Ländern schultern, sondern auch eine erhebliche finanzielle Belastung meistern: Er müsste eine Finanzierung für fast den doppelten Jahresumsatz finden.

          Interesse am deutschen Markt

          Gleichzeitig machte Yanai jedoch auch stets klar, dass der deutsche Markt für ihn eindeutig im Fokus steht und er dazu auch Akquisitionen ins Auge fasst. Da bleibt die Auswahl für ihn nicht groß. Dies würde für eine Übernahme von Stada sprechen, zumal das Unternehmen derzeit nicht in der besten Verfassung ist und deshalb keine allzu schwer zu fangende Beute wäre (Stada muss sich das Interesse der Anleger wieder erarbeiten).

          Die Stimmung gegenüber Teva hat an den Aktienmärkten in den vergangenen Wochen gedreht. Im Juni schlug dem Titel noch viel Skepsis entgegen. Das änderte sich nach den überzeugenden Zahlen für das zweite Quartal, die deutlich über den Erwartungen der Analysten lagen: Der Nettogewinn erhöhte sich um 5 Prozent auf 539 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar.

          Quartalszahlen versöhnten die Analysten

          „Das war erneut ein solides Quartal für Teva“, wurde Yanai in der Presse zitiert. Neben der Markteinführung neuer Produkte in den Vereinigten Staaten habe der Konzern von Dynamik im internationalen Geschäft und hoher Nachfrage nach seinem Multiple-Sklerose-Mittel Copaxone profitiert. Der Umsatz mit dem Medikament sprang um 29 Prozent auf 563 Millionen Dollar.

          Diese Zahlen versöhnten auch die Analysten mit dem Unternehmen: Ende Juli empfahl David Steinberg von der Deutschen Bank die Aktie zum Kauf und setzte sein Kursziel bei 19.522 Schekel - derzeit liegt der Kurs bei 16.870 Schekel. Auch Credit Suisse, Bank Hapoalim und Goldman Sachs führen die Aktie auf ihren Liste der Kaufempfehlungen. Alle neun Analysten, die den Wert regelmäßig beobachten, empfehlen Teva derzeit zum Kauf.

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