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Elektro-Vorreiter unter Druck : Tesla kommt an der Börse unter die Räder

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Ob es Tesla gelingt, mit seinen Elektroautos für den Massenmarkt profitabel zu werden, ist noch lange nicht ausgemacht. Bild: AP

Tesla will die Elektromobilität mit seinem neuen Model 3 für die Masse erschwinglich machen. Nicht wenige zweifeln daran, die Aktie gerät unter Druck. Was bedeutet das für Tesla-Anleger?

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          Zweifel am Wachstumskurs haben den Kurs der Aktie des Elektroautobauers Tesla an der Börse in New York gedrückt. Tesla ist damit nicht mehr der wertvollste US-Autokonzern nach Börsenwert. General Motors (GM) eroberte dies Position am Donnerstag zurück. Tesla war am Donnerstag bei Börsenschluss in New York 50,73 Milliarden Dollar (44,61 Milliarden Euro) wert, GM erreichte einen Wert von 52,13 Milliarden Dollar. Ford steht mit 44,52 Milliarden Dollar abgeschlagen auf Rang drei.

          Anfang April erst hatte Tesla General Motors an der Börse abgehängt und einen Wert von mehr als 51,5 Milliarden Dollar erreicht. Der Unterschied zu GM betrug damals mehr als eine Milliarde Dollar. Am vergangenen Freitag noch betrug der Börsenwert von Tesla 59,4 Milliarden Dollar, der von GM nur 52,04 Milliarden Dollar. Doch seitdem stürzte die Tesla-Aktie ab, allein an drei Handelstagen reduzierte sich der Börsenwert um rund neun Milliarden Dollar.

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          Grund waren eine Reihe schlechter Nachrichten. Am Montag etwa musste Tesla mitteilten, im zweiten Quartal nur 22.000 statt der von Analysten erwarteten mehr als 23.000 Autos ausgeliefert zu haben. Am Donnerstag verfehlte das Model S von Tesla erneut die Bestnote i einem wichtigen amerikanischen Sicherheitstest.

          Model 3 soll es bringen

          Jenseits der Börse ist Tesla im Vergleich mit den Großen der Autobranche ein Zwerg. Die Firma verkaufte im vergangenen Jahr 84.000 Fahrzeuge und erzielte damit einen Umsatz von sieben Milliarden Dollar. GM verkaufte hingegen zehn Millionen Wagen, was Gesamteinnahmen von 166 Milliarden Dollar entsprach. Da an der Börse jedoch auch Zukunftspläne belohnt werden, könnte der Kurs von Tesla wieder steigen:

          Für Tesla beginnt mit der Serienproduktion seines ersten günstigeren Wagens Model 3 am Freitag die bisher größte Bewährungsprobe. Der Firma von Tech-Milliardär Elon Musk gelang es zwar, die Nische teurer Elektroautos für zahlungskräftige Käufer zu besetzen. Jetzt muss sich aber zeigen, ob es dem Vorreiter gelingt, Elektromobilität zu einem Preis von 35.000 Dollar in den Massenmarkt zu bringen - und dabei nachhaltig profitabel zu werden.

          Was die Erfolgsaussichten angeht, gehen die Meinungen der Experten auseinander. Tesla hat seit Gründung im Jahr 2003 zwar beachtliche Popularität erlangt. Ob das reicht, um es vom Nischen- zum Volumenhersteller zu bringen, muss sich aber erst zeigen. Fest steht: Die Herausforderungen sind größer als nur - wie vom ehrgeizigen Chef Musk vorgegeben - binnen zwei Jahren die Produktion von 84.000 auf eine halbe Million Fahrzeuge hochzuschrauben.

          Die junge Firma wird sich in einem deutlich härter umkämpften Marktumfeld beweisen müssen. Noch vor ein paar Jahren war Tesla ein Exot, belächelt von gestandenen Automanagern. Doch auch wenn der Marktanteil von E-Autos bislang noch kaum ins Gewicht fällt - gesetzliche Obergrenzen für den Flottenverbrauch zwingen alle Hersteller über kurz oder lang zu alternativen Antrieben. So wird auf lange Sicht jeder Autobauer zu einem potentiellen Konkurrenten.

          Zwischen, verkaufen, halten und kaufen

          Doch was bedeutet das für die Aktie von Tesla? Die Branchenexperten sind gespalten. Diese Woche senkte Goldman Sachs den Daumen über der Tesla-Aktie und riet Anlegern, das Papier zu verkaufen. Der Absatz im ersten Halbjahr, bei dem gerade so eben die untere Grenze der selbstgesetzten Spanne von 47.000 bis 50.000 erreicht wurde, lasse vermuten, dass das Interesse an den bisherigen teuren Wagen Model S und Model X abflaue. Die Aktie verlor am Mittwoch gut 7 Prozent und weitere 6 Prozent am Donnerstag. Damit fiel der Börsenwert von Tesla wieder hinter den von GM zurück. Im vergangenen Monat hatte der Titel rund 18 Prozent eingebüßt.

          Analyst Max Warburton von der Investmentfirma Sanford Bernstein hält den Kursrutsch für angemessen. Er glaubt nicht an Musks Versprechen: „Das Model 3 wird nicht profitabel sein und der Markt anfangen zu realisieren, dass Tesla nicht in der Lage ist, das erhoffte Wachstum zu liefern“. Die Firma habe mit vielen neuen Rivalen zu kämpfen und keinen klaren technologischen Vorsprung aufbauen können - weder bei Batterien, die sie bislang Zellen von Panasonic beziehe, noch bei selbstfahrenden Autos, wo Teslas Fähigkeiten überschätzt würden.

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          Andere Finanzprofis sind hingegen zuversichtlich. Die Berenberg Bank etwa hob ihr Kursziel für die Tesla-Aktie jüngst an. Analyst Alexander Haissl hält die Elektroauto-Bemühungen der etablierten Branchengrößen für halbherzig und sieht keine ernsthafte Konkurrenz für Tesla. Er geht davon aus, dass die Firma aus dem Silicon Valley in den kommenden fünf Jahren knapp 33 Milliarden Dollar investieren wird - rund 40 Prozent mehr als Daimler und VW zusammen für Elektroantriebs-Projekte in die Hand nehmen wollten.

          Accenture-Experte Schmidt sieht einen wichtigen Wettbewerbsvorteil für Tesla: Die eigene Batteriefertigung. „Zwar sinken die Batteriepreise derzeit, doch könnte sich das Angebot wegen steigender Nachfrage durch Massenproduktion von E-Autos in den kommenden Jahren stark verknappen. Tesla wäre dann mit seiner eigenen Batterieproduktion unabhängiger von nachfragebedingten Schwankungen bei Verfügbarkeit und Preis.“

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