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Tesla-Aktie : Ein Aufschneider mit Erfolg

Skizze der „Hyperloop“-Hochbahn Bild: REUTERS

Tesla Motors baut Elektroautos. Jetzt will sein Gründer auch eine Hochbahn mit Geschwindigkeiten über 1000 Kilometern in der Stunde schaffen. Der Kurs von Tesla Motors jedenfalls hat sich im vergangenen Jahr fast verfünffacht.

          Er will zu den Sternen fliegen, lässt sich Arm in Arm mit Film-Schönheiten auf den Partys von Hollywood blicken und glaubt an Mobilität ohne Benzin. Oberflächlich betrachtet könnte man Elon Musk für einen Aufschneider halten. Doch seine großspurigen Ankündigungen der Vergangenheit haben längst den Status von Luftschlössern hinter sich gelassen. Der wirtschaftliche Erfolg des südafrikanisch-kanadischen Unternehmers lässt seine künftigen Ziele als realistische Visionen erscheinen. Deshalb fand Musk auch mit seiner jüngsten Idee viel Gehör. Anfang dieser Woche berichtete er über seinen Plan, die Reisezeit zwischen den kalifornischen Metropolen San Francicso und Los Angeles auf eine halbe Stunde zu verkürzen. Ermöglichen will er das durch „Hyperloop“ - eine Röhre, durch die auf Luftkissen schwebende Kapseln in atemberaubender Geschwindigkeit gejagt werden. Ein Transportmittel, das das Reisen revolutionieren werde, kündigte Musk an.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Das Projekt habe für ihn aber nicht die allerhöchste Priorität, sagte der mehrfach erfolgreiche Firmengründer, der das Online-Bezahlsystem Paypal groß gemacht hatte, später für eineinhalb Milliarden Dollar an Ebay veräußerte und sich mit Space X Milliardenaufträge der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa sicherte.

          Wirtschaftlich am vielversprechendsten dürfte zur Zeit der von ihm gegründete Elektroautohersteller Tesla Motors sein. Die strombetriebenen Limousinen aus Kalifornien sind in Amerika zum Statussymbol der hippen Leute geworden. Nach dem Cadillac XTS ist der Tesla S nach Unternehmensangaben inzwischen die beliebteste Luxuslimousine in Amerika - vor der S-Klasse von Mercedes und dem 7er von BMW. Fast 5000 Stück hat das Unternehmen im zweiten Quartal abgesetzt. Im Vorjahresquartal waren es gerade einmal 90. Zieht man Sondereffekte ab, hat Tesla im Frühjahrsquartal erstmals einen Gewinn eingefahren. 7 Millionen Dollar stehen zu Buche, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Verlust von 93 Millionen Euro auftrat, der für ein Unternehmen dieses Alters durchaus üblich ist.

          An der Börse hat Musk schon in der Vergangenheit hohe Erwartungen geweckt. Nach dem Börsengang im Juni 2010 entwickelte sich der Aktienkurs aber zunächst langsam nach oben. Für eine Verdopplung auf 34 Dollar brauchte das Unternehmen rund zweieinhalb Jahre. Seit März ist der Kurs aber regelrecht explodiert: von etwa 38 Dollar auf zuletzt 147 Dollar. Innerhalb eines Jahres war das ein Anstieg um mehr als 370 Prozent. Derzeit empfehlen sechs der von Bloomberg befragten Analysten selbst nach dem starken Kursanstieg den Kauf. Fünf raten dazu, das Papier zu halten, drei empfehlen den Verkauf.

          Zwar bewegen sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis und der Börsenwert in schwindelerregenden Höhen. Doch konnte Tesla in den zurückliegenden Quartalsberichten die Erwartungen zumindest treffen oder sogar überbieten. Verblüfft von den jüngsten Quartalszahlen zeigten sich die Analysten von JP Morgan in der vergangenen Woche. In ihrem Bericht schreiben sie von überzeugenden Einsparungen im Einkauf, Effizienzgewinnen in den Lieferketten und produktiverem Arbeitseinsatz. Mit den mehr als 5000 abgesetzten Exemplaren des Modells S und dem Quartalsumsatz von 405 Millionen Dollar hätten Musk und seine Truppe besser abgeschnitten als erwartet. Der Aktienkurs ging nach dem Quartalsbericht um 14 Prozent in die Höhe.

          So viel Phantasie hat Musks Hyperloop-Projekt nicht ausgelöst. Am Montag fiel der Aktienkurs um 3,7 Prozent, erholte sich am Dienstag aber wieder leicht. Mehr Interesse rufen bei den Börsianern die Expansionspläne von Tesla hervor. Jüngst hat das Unternehmen erste Autos in Norwegen, der Schweiz und den Niederlanden ausgeliefert, in Deutschland beginnt in diesem Monat der Verkauf. Ebenfalls noch in diesem Jahr soll die erste Ladestation für die Wagen mit einer Reichweite von rund 500 Kilometern in Deutschland installiert werden. Etwa 100.000 Euro wird die Limousine in Europa kosten. Angesichts der höheren Benzinpreise und des ausgeprägteren Ökobewusstseins hierzulande hat Tesla möglicherweise sogar noch bessere Aussichten als in Amerika, wo schon jetzt rund 10.000 Exemplare des Modells S auf den Straßen fahren.

          Keine Sorge müssen sich Investoren darum machen, dass Musk durch Nebenprojekte im Kerngeschäft an Effizienz verliert. An seiner Idee zu Hyperloop hätten Ingenieure seiner beiden Unternehmen mitgewirkt. Nachdem sie nun lanciert ist, erhofft sich Musk zudem, dass sich das Projekt auch mit Anstößen von Außen weiterentwickelt. Und wenn ihm jemand Bau und Betrieb des Röhrensystems abnehme, habe er auch nichts dagegen.

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