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Terroranschläge : Kursreaktion bei Lufthansa und Fraport kaum übertrieben

  • Aktualisiert am

Seit Dienstag sind Luftfahrtaktien in einer akuten Krise Bild: dpa

„Nicht anrühren“, lautet der Rat von FAZ.NET bei Luftfahrtaktien. Die Belastung durch den Terror nimmt historische Ausmaße an.

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          Manchmal tut die Börse Unerwartetes, oft aber das unmittelbar Naheliegende: Dass die Titel der Deutschen Lufthansa und des Flughafenbetreibers Fraport in Folge der schrecklichen Ereignisse stärker als der Markt abstürzten, war alles andere als überraschend.

          Am Donnerstag ging die Lufthansa-Aktie mit einem Minus von 0,8 Prozent bei 12,52 Euro aus dem Handel, nachdem sie die Woche noch mit Kursen über 17 Euro begonnen hatte. Auch die Fraport-Aktie verlor am zweiten Tag nach der Katastrophe weitere 4,65 Prozent auf 23,60 Euro ab.

          Auch nachdem bekannt wurde, dass der amerikanische Luftraum ab dem späten Nachmittag deutscher Zeit wieder schrittweise geöffnet werden soll, blieben beide Aktien im Minus.

          Hat die Börse auch diesmal übertrieben?

          Aber wie stark sind die Belastungen wirklich? Hat die Börse einmal mehr übertrieben? „Diesmal nicht“, scheint der einstimmige Chor der Branchenexperten zu sagen (vgl. „Hohe Belastungen für Fluglinien“). Allmählich setzt sich auch außerhalb der Börse die Einsicht durch, dass eine so tiefgreifende Maßnahme wie eine Vollsperrung des amerikanischen Luftraums Verluste in historischem Ausmaß verursacht.

          Erst in einigen Tagen kann dieses genauer kalkuliert werden - Luftfahrtaktien sollten aber - ganz abgesehen von den schon konjunkturell eingetrübten Aussichten der Branche - längerfristig gemieden werden.

          Rekordverluste drohen

          „Es ist nur eine geschätzte Zahl, aber wir können über Verluste von zehn Milliarden Dollar allein in dieser Woche sprechen", sagt ein Sprecher des internationalen Luftfahrtverbandes IATA zu den Umsatzausfällen und außerordentlichen Kosten der Luftlinien. Im laufenden Jahr könnten die Airlines „Rekordverluste“ erleiden, befürchtet der Verband.

          Schroder Salomon Smith Barney stößt ins selbe Horn: wahrscheinlich hätte der Terror einen „katastrophalen Effekt“ auf die Gewinnsituation der europäischen Fluggesellschaften. Das Kursziel für die Deutsche Lufthansa reduzierte die Investmentbank von 22 Euro auf 17,50 Euro.

          Was das Flughafengeschäft von Fraport betrifft, so gehen die Analysten von ConSors Capital davon aus, dass die ausgefallenen Flugbewegungen nach Amerika und Israel etwa ein Viertel aller Flüge ausmachen. Die Umsatzausfälle für Fraport schätzt ConSors Capital auf knapp eine Million Euro pro Tag.

          Pleiten erwartet

          Abgesehen von den Geschäftseinbußen durch die Sperrung des nordamerikanischen Luftraums werde wahrscheinlich auf Grund zunehmender Ängste vor Entführungen und Anschlägen die Nachfrage nach Flugreisen deutlich sinken. Zusätzliche Belastungen seien durch steigende Treibstoffpreise und die wachsenden Befürchtungen vor einer weltweiten Rezession zu erwarten.

          Auch die Analysten der Investmentbank UBS Warburg erwarten Milliarden-Einbußen für die internationalen Fluglinien. Nicht jede Gesellschaft werde diese Belastungen wirtschaftlich überstehen. Auch im kommenden Jahr müsse noch mit Nachwirkungen der Krise gerechnet werden.

          Dass Lufthansa oder Fraport in existenzielle Schwierigkeiten geraten, steht nicht zu erwarten. Der Schlag ins Kontor wird aber noch lange auf beiden Titeln lasten.

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