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Telekommunikationsdienstleistungen : D+S-Aktie am Scheideweg

  • Aktualisiert am

Call-Center gehören zum Geschäft von D+S Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Das Geschäft bei D+S Europe läuft gut. Die Akquisition von Dtms scheint ein Erfolgsgeschichte zu werden. Doch die Erwartungen an die Aktie sind bereits hoch.

          Günstige Prognosen sind etwas Schönes. Vor allem dann, wenn sie eintreffen. Der Outsourcing-Dienstleister für Vertriebs- und Kundenkontaktmanagement, D+S Europe hatte für das dritte Quartal einen Gewinnsprung angekündigt. Dieser ist ihr gelungen.

          Durch eine „deutliche Ertragserhöhung im Kerngeschäft“, zusammen mit der erstmaligen Konsolidierung der Ende Juli akquirierten Dtms AG hat der Konzern im dritten Quartal das Ergebnis vor Steuern (Ebit) von 100.000 Euro im Vorjahr auf 4,1 Millionen Euro gesteigert.

          Ergebnisziele sollten erreicht werden

          Davon gehen 40 Prozent auf internes Wachstum zurück, denn die alte D+S-Gruppe vor der Dtms-Übernahme erzielte im dritten Quartal ein Ebit von 1,7 Millionen Euro, was einem Anstieg um 1,6 Millionen gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Dtms trug mit einem Ebit von 2,4 Millionen Euro zum Quartalsergebnis bei.

          In der Neun-Monats-Betrachtung 2005 hat der Konzern ein Ebit von 5,1 Millionen Euro erwirtschaftet. Dabei entfällt eine Million auf die alte D+S, die im Vorjahreszeitraum noch einen Verlust von 1,4 Millionen Euro verbucht hatte. Im saisonal stärksten vierten Quartal genüge, so das Unternehmen, auf dieser Basis eine Ergebniswiederholung des dritten Quartals zur Erfüllung des Konzern-Jahresziels eines Ebits von mindestens 9,2 Millionen Euro.

          Das zweite Halbjahr des laufenden Jahres sieht D+S als Indikator für den für 2006 prognostizierten Ergebnissprung, in dem Dtms erstmals ganzjährig konsolidiert wird. „Mit 12,4 Prozent Ebit-Marge vom Umsatz haben wir die angestrebte zweistellige Umsatzrendite im dritten Quartal 2005 souverän erreicht“, erklärt Achim Plate. 2006 plant D+S im Konzern ganzjährig eine am Netto-Umsatz gemessene Ebit-Marge von über zehn Prozent. Das Ergebnis je Aktie soll sich im kommenden Jahr von für 2005 geplanten 20 Cent auf 38 Cent annähernd verdoppeln. 2007 rechnet D+S mit einer weiteren Steigerung auf 50 Cent.

          Strampeln für den Umsatz

          Der Brutto-Umsatz von D+S betrug im dritten Quartal 2005 63,6 Millionen Euro, wobei davon 17,6 Millionen auf Dtms entfallen. In der Neun-Monats-Betrachtung hat die D+S-Gruppe ihren Brutto-Umsatz auf 98,5 Millionen gesteigert. Vielleicht ist die Umsatzgröße ja ein Grund dafür, warum die Aktie trotz der guten Zahlen am Mittwoch mit einem anfänglichen Minus von 3,62 Prozent zuerst einmal kräftig nachgab. Denn für das Gesamtjahr hatte D+S im Juli einen Brutto-Umsatz von 185 Millionen Euro prognostiziert. Dafür muß das Unternehmen im vierten Quartal noch ein wenig strampeln. Im vergangenen Jahr wurden 35 Prozent des Jahresumsatzes im vierten Quartal erzielt, 2003 waren es 28,4 Prozent. In diesem Jahr müßten es dann rund 47 Prozent werden.

          Das traditionelle Geschäft von D+S Europe besteht im Betreib von Call-Centern, während Dtms vor allem den technischen Betrieb von Sonderrufnummern und Premium-Dienste auch im Business-Bereich anbietet. Aus dieser Verlängerung der Wertschöpfungskette erwartet D+S 2006 ein überproportionales organisches Wachstum um rund 20 Prozent.

          Möglicherweise hat das Minus am Mittwoch gar nicht soviel mit den Ergebnissen als mit der Bewertung und der Kursentwicklung der Aktie zu tun. „Sell on good news“ ist nämlich auch eine altbekannte Börsenweisheit. Und tatsächlich hat sich das Papier bis zum Mittag fast komplett aus dem Minus herausgearbeitet.

          Hohe Erwartungen, aber guter Trend

          Auf Basis der prognostizierten 20 Cent pro Aktie ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von fast 29 nach ihrem guten Entwicklung in den vergangenen fast drei Jahren mittlerweile recht optimistisch bewertet. Um wieder in moderatere Bewertungsregionen vorzustoßen, muß das Unternehmen im kommenden Jahr den erwarteten Ergebnissprung schaffen. Dann wäre sie mit einem KGV auf Basis des kommenden Jahres von 15,2 bewertet.

          Setzt sich allerdings die positive Kursentwicklung fort, so läuft die Bewertung mit. Dann stellt sich langfristig die Frage, wie lange das Unternehmen so weiterwachsen kann. Aber sich darüber Gedanken zu machen, wäre heute noch etwas verfrüht.

          Fürs erste stimmt der Blick auf die Chartentwicklung optimistischer. Notierte das Papier Ende 2002 noch bei 71 Cent, so hat sie sich seitdem nahezu stetig nach oben entwickelt und markierte erst am Dienstag bei 5,80 Euro ein neues Vier-Jahres-Hoch. Davon ist sie am Mittwoch bei aktuell 5,78 Euro nicht mehr weit entfernt. Das Angenehme ist, daß der weg nach oben weiter offen ist. Erst im Bereich von 7,70 Euro tut sich eine Widerstandszone auf, die aus dem Frühsommer des Jahres 2001 stammt. Bis dahin kann die Aktie noch weiter laufen, solange es dem Unternehmen gelingt, seine ehrgeizigen Prognosen zu erfüllen.

          Gelingt es der Aktie jedoch nicht, das Hoch vom Dienstag in den nächsten Tagen zu übertreffen, könnte dies als Indiz dafür gewertet werden, daß die Anleger mehrheitlich der Meinung sind, daß das Unternehmen erst einmal in die Bewertung hineinwachsen muß.

          Die hohe Bewertung impliziert aber die hohen Erwartungen. Das bedeutet umgekehrt, daß eine Enttäuschung mit einem entsprechenden Rückschlag geahndet werden dürfte. Dieser könnte dann bis auf 4,50 Euro, gegebenenfalls auch bis auf 3,50 Euro herunterführen. Insofern kann es nicht schaden, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

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