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Telekommunikation : Telecom Egypt - vernünftig bewertet, nur bedingt reizvoll

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Handel an der Börse in Kairo Bild: AFP

Zeichnung einer Aktie in einem dynamischen Kursboom ist nicht ratsam. Das zeigt sich am Beispiel der Egypt Telecom. Die Aktie verbuchte in den vergangenen Monaten Kursverluste und ist inzwischen nur optisch günstig geworden.

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          Die Kursentwicklung an den arabischen Börsen sorgte in Jahren 2003 bis 2005 für Furore. So legte der ägyptische Case-30-Index in dieser Periode um satte 1.500 Prozent zu, bevor es im Jahr 2006 zu einer deutlichen Korrektur kam.

          Nach einem Minus von bis zu 40 Prozent im Index auf bis zu 4.655 Zähler im Jahrestief konnte sich der Markt inzwischen allerdings wieder etwas erholen und mittlerweile - ausgehend vom Zwischentief - wieder 53 Prozent auf zuletzt 7.127, 56 Zähler zulegen. Der mittelfristige Trend zeigt weiterhin nach oben, auch wenn die Bewertung einzelner Aktien schon wieder etwas ambitioniert sein dürfte.

          Zeichnung der Aktie im Jahr 2005 führte zu Kursverlusten

          Das war in Verbindung mit der damals gezeigten Kursdynamik nach oben im Jahr 2005 der Anlass für verschiedene kritische Berichte über den Markt. Im Dezember schrieb FAZ.NET beispielsweise „mit einem massiven Kursgewinn von knapp 52 Prozent auf 22,49 Pfund ging die Aktie der Telecom Egypt aus ihrem ersten Handelstag. Das Papier hat auf diese Weise auf einen Schlag ein strapaziertes Bewertungsniveau erreicht“.

          Diese Einschätzung erwies sich als richtig. Denn der Börsengang geschah zu einem optimalen Zeitpunkt für das Unternehmen, da es aufgrund des hohen Optimismus an der Börse viel Geld einnehmen konnte. Es war allerdings schlecht für die Aktionäre, die sich die Papiere damals ins Depot legten. Denn sie haben nach den anfänglichen Kursgewinnen zwischenzeitlich bis zu 50 Prozent ihres Wertes verloren.

          Inzwischen haben sie sich davon wieder etwas erholt und liegen mit einem Kurs von zuletzt 14,79 Pfund rund 32 Prozent über dem Zwischentief. Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von zwölf und 10,6 sowie mit einer Dividendenrendite von 3,4 Prozent scheint die Aktie noch sehr vernünftig bewertet zu sein und Anlegern gewisse Reize zu bieten. Allerdings - ähnlich wie bei anderen Telekommunikationswerten auch - sollte man die operative Entwicklung genauer betrachten.

          Vernünftige Bewertung - verhaltene Umsatzentwicklung - fallender Gewinn

          Und prompt ändert sich der Eindruck. Denn das Unternehmen konnte in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres den Umsatz im Vergleich mit der Vorjahresperiode gerade einmal um etwas mehr als acht Prozent auf 6,93 Milliarden Pfund steigern. Der Periodengewinn ging sogar um 4,2 Prozent auf 1,523 Milliarden Pfund oder von 93 auf 89 Piaster je Aktie zurück.

          Das dürfte zu einer gewissen Ernüchterung führen, auch wenn das Unternehmen einen Buch-Währungsverlust als Begründung anführte. Denn ähnlich wie in den etablierten Staaten ist die Wachstumsphantasie im Festnetzbereich nicht vergleichbar mit dem, was mit der mobilen Telekommunikation möglich ist, auch wenn die Anzahl der DSL-Anschlüsse in Ägypten und den umliegenden Regionen noch nicht so hoch sein dürfte wie in den Industriestaaten. Aufkommender Wettbewerb dürfte in den kommenden Jahren zu einem gewissen Preisdruck führen und die Umsatzentwicklung bremsen. Denn die ägyptische Regierung hat im vergangenen Jahr angekündigt, den Telekommunikationsmarkt des Landes zu öffnen.

          Das Unternehmen hat zwar die Absicht, im Ausland zu wachsen. Aber dafür sind unter Umständen hohe Investitionen nötig und dort dürfte die Konkurrenz hart sein. In diesem Sinne mag die Aktie zwar sehr vernünftig bewertet sein, der Kursspielraum scheint jedoch relativ begrenzt.

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