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Telekommunikation : Das lange Warten auf den KPN-Verkauf hat bald ein Ende

  • -Aktualisiert am

Aktienhandel auf Niederländisch: Das Herz der Amsterdamer Börse Bild: ullstein bild

Das Tauziehen um das Übernahmeangebot des mexikanischen Multimilliardärs für KPN geht in die Schlussphase. Ein Blick auf die Amsterdamer Börse.

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          Ein tiefes Aufatmen war am Wochenende unter Vertretern der Haager Koalition aus Rechtsliberalen und Sozialdemokraten zu spüren. Der mit drei kleineren Oppositionsparteien ausgehandelte Kompromiss zum Staatshaushalt 2014 sichert der Regierung die Mehrheit in der ersten Parlamentskammer und damit das politische Überleben. Damit dürften die Niederlande auf Sanierungskurs bleiben. Auch wenn die meisten der 25 größten börsennotierten Unternehmen im AEX-Index einen Großteil ihres Umsatzes außerhalb der Landesgrenzen erzielen, ist die Beilegung des Haushaltskonflikts ein gutes Zeichen für die Börse. Seit Herbst 2012 bis Mitte September hat der Index um rund 20 Prozent auf einen Höchststand von fast 386 Punkten zugelegt. Ein Großteil der Zugewinne ist freilich, wie der seit Jahren als „Börsenguru“ bezeichnete Analyst Rob Koenders angemerkt hat, auf das dritte Quartal entfallen. „Die Anleger fragen sich, wie das vierte Quartal verlaufen wird“, stellte Koenders lakonisch fest, ohne ein Antwort zu geben.

          Den Reigen der herbstlichen Geschäftszahlen eröffnet wie üblich der bei Eindhoven ansässige Chipausrüster ASML N.V. Ungeachtet der Veränderungen in der Halbleiterbranche hat er sich durch die engere Verzahnung mit seinen Hauptkunden, Intel, dem taiwanesischen Chiphersteller TSMC und dem südkoreanischen Konzern Samsung, die Minderheitsbeteiligungen an ASML erworben haben, gut positioniert. Der Aktienkurs des Chipausrüsters hat binnen Jahresfrist um rund 80 Prozent zugelegt. Zuletzt meldete Anteilseigner TSMC zudem ein Umsatzplus von rund 20 Prozent. Dass die Ratingagenturen Fitch und Moody’s ASML im September nach oben stuften, dürfte aufmerksamen Beobachtern des Börsengeschehens nicht entgangen sein. Das ist sicherlich kein schlechtes Omen für den 44 Jahre alten künftigen deutschen ASML-Finanzvorstand Wolfgang Nick, der vom amerikanischen Festplattenhersteller Western Digital kommt und sein Amt in Veldhoven am 1. Dezember antreten wird.

          Die Übernahme von KPN ist in der Schlussphase

          Ein besonderes Auge werden Anleger auf den Spezialchemiekonzern DSM N.V. werfen. Er legt Anfang November seine Geschäftszahlen vor, hat aber die Börse schon auf enttäuschende Zahlen eingestimmt. So soll das Betriebsergebnis 2013 mit 1,35 Milliarden Euro rund 50 Millionen Euro niedriger als erwartet ausfallen. Nach wie vor schleppende Geschäfte in Europa und die Folgen der von der Regierung den Unternehmen bei der Entlohnung von Großverdienern mit einem Jahreseinkommen von mindestens 150.000 Euro aufgebürdete „Krisenabgabe“ von 16 Prozent führt der Konzern ins Feld.

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          Dennoch scheint sich DSM die Sympathien vieler Anleger nicht verscherzt zu haben. Der Aktienkurs, der seit Herbst 2012 bis Ende September um 50 Prozent auf 58,30 Euro zugelegt hatte, bröckelte zwar zuletzt auf weniger als 55 Euro ab. Dennoch hat der Vermögensverwalter Theodoor Gilissen Bankiers jetzt eine Kaufempfehlung ausgegeben und ein Kursziel von 61 Euro genannt. Als Grund wird besonders der erfolgreiche Konzernumbau in ein verstärkt auf Zusatzstoffe für die Nahrungsmittelindustrie spezialisiertes Unternehmen angeführt.

          In die Schlussphase gehen dürfte das seit Monaten andauernde Tauziehen um die Übernahme des Telekomkonzerns Royal KPN N.V. durch den Mobilfunkkonzern América Móvil des mexikanischen Multimilliardärs Carlos Slim. Er hatte im Jahr 2012 knapp 30 Prozent der KPN-Anteile übernommen und will sich nun für 7,2 Milliarden Euro die Mehrheit sichern. Wie die auflagenstärkste niederländische Zeitung „De Telegraaf“ am Montag berichtete, soll KPN den von Slim gebotenen Preis von 2,40 Euro je Aktie nach wie vor für deutlich zu niedrig halten. Ziel sei es aber unverändert, die Zustimmung des KPN-Vorstands zur Übernahme durch América Móvil zu erhalten.

          Die Chancen für die Übernahme stehen gut

          Auch nach Eröffnung der Börse pendelte der KPN-Aktienkurs zwischen 2,37 und 2,38 Euro. Nach der mit der Zustimmung Slims erfolgten Billigung des Verkaufs der deutschen KPN-Mobilfunktochtergesellschaft E-Plus für 8,1 Milliarden Euro an den zum spanischen Konzern Telefónica gehörenden Anbieter O2 scheinen die Chancen für den mexikanischen Übernahmeversuch deutlich gestiegen zu sein.

          Dass nicht alles, was rund um den Amsterdamer Damrak in die Welt geschickt wird, für bare Münze zu nehmen ist, zeigte sich Ende vergangener Woche. So dementierte der führende Einzelhandelskonzern Ahold Meldungen, wonach künftig Kunden des amerikanischen Logistikunternehmens UPS bei seinen AlbertHeijn-Supermärkten Päckchen abholen könnten. Nicht nur in der Haager Koalition, auch beim einheimischen UPS-Konkurrenten TNT Express N.V. dürfte am Wochenende eine gewisse Erleichterung geherrscht haben.

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