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Telekom-Aktie : Nicht an der Kursrally des Dax beteiligt

Das rosafarbene T verfängt am Aktienmarkt nicht: Telekomzentrale in Bonn Bild: dpa

Die Telekom-Aktie ist seit Jahren der Inbegriff der Langeweile. Der Kurs bewegt sich kaum. Das dürfte sich nach Ansicht der Analysten auch künftig kaum ändern. Nur die Dividende ist attraktiv.

          Die Aktionäre der Deutschen Telekom werden der Jahresendrally des Dax mit gemischten Gefühlen zuschauen. Seit Jahresbeginn steht sein Engagement mit fast fünf Prozent im Minus, der Dax liegt hingegen mit gut 17 Prozent im Plus. So muss die Aussicht auf eine hohe Dividende über den bisher enttäuschenden Kursverlauf hinwegtrösten. Aber selbst die vom Konzern versprochenen wenigstens siebzig Cent je Aktie, nach jetzigem Stand eine Dividendenrendite von etwa sieben Prozent, wären nur ein magerer Ausgleich, wenn die Telekom und mit ihr der Aktienkurs nicht bald Fahrt aufnehmen. Böse Überraschungen aus dem Geschäftsverlauf sind den Anlegern in diesem Jahr erspart geblieben.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die Telekom wird wohl abliefern, was sie versprochen hat: halbwegs stabilen Umsatz, ein solides Betriebsergebnis und einen Mittelzufluss, der sogar etwas höher ausfallen dürfte als zu Beginn des Jahres angekündigt. So hat es der Vorstandsvorsitzende René Obermann Anfang November bei der Vorlage der Quartalszahlen versichert. Dem Aktienkurs hat es nicht geholfen, im Gegenteil: Während der Dax in den vergangenen Wochen beinahe stetig nach oben kletterte, ging es mit der Telekom-Aktie seit den Quartalszahlen sogar wieder bergab. Statt mit Erleichterung reagierte die Börse mit Ernüchterung. Die durchwachsenen Geschäftsaussichten auf den Auslandsmärkten, vor allem in Südosteuropa und in den Vereinigten Staaten, drücken auf die Stimmung.

          Telekom leidet unter ihrer Wachstumsschwäche

          Von ihrem Jahrestiefstand Anfang Mai, als die Aktie nur 8,51 Euro wert war, ist sie zwar mit aktuell rund 9,86 Euro noch weit entfernt. Doch auch alle Versuche, sich aus dem Schwerefeld der Zehn-Euro-Marke dauerhaft nach oben abzusetzen, scheiterten. Das Erreichen der Jahresziele sei längst eingepreist, es fehlten die Impulse, meinen die Analysten der SEB und empfehlen deshalb, die Aktie zu verkaufen. Seit dem Sommer scheint der Aktienkurs wie eingemauert zwischen 9,80 Euro und dem Jahreshöchststand von 10,60 Euro. Mehrfach hat sich ihr Kurs vergeblich an dieser Hürde versucht. „Der Befreiungsschlag lässt auf sich warten“, bemängeln die Analysten der HSBC. Dem Konzern ist es zwar gelungen, im Deutschlandgeschäft Boden gutzumachen. Aber die Telekom leidet unter ihrer Wachstumsschwäche, weil sie auf ihren Auslandsmärkten nicht vorankommt. HSBC rät dazu, größere Engagements erst dann ins Auge zu fassen, wenn der Kurswiderstand bei 10,60 Euro überwunden wird.

          Die Nachrichtenlage hat derzeit aber wenig Erfreuliches zu bieten. Die jüngste Hiobsbotschaft kam von der Bundesnetzagentur, die eine drastische Senkung der Durchleitungsentgelte im Mobilfunk angeordnet hat. Das setzt Umsätze und Ertrag der Sparte, die bereits das Auslaufen des deutschen Monopols für den iPhone-Vertrieb verkraften muss, im kommenden Jahr zusätzlich unter Druck. Die West LB etwa sieht ihre Verkaufsempfehlung bestätigt. Während Obermann mit wachsenden Erträgen aus dem mobilen Internet rechnet, befürchtet die Landesbank, dass die Spartengewinne von 2011 an eher schrumpfen werden. Auch die Entlassung des höchst erfolgreichen Vertriebschefs der Geschäftskundensparte, der von einem Tag auf den anderen vor die Tür gesetzt wurde, trägt nicht dazu bei, das Umfeld aufzuhellen.

          Attraktive Dividendenpolitik

          Ein Lichtblick ist immerhin die sich abzeichnende Einigung mit dem französischen Mischkonzern Vivendi über die Eingliederung der polnischen PTC in die Telekom. Das würde neue Möglichkeiten auf diesem rasch wachsenden Mobilfunkmarkt eröffnen. Sorgen bereitet vielen Analysten vor allem, dass die Trendwende in den Vereinigten Staaten auf sich warten lässt. Auf ihrem wichtigsten Auslandsmarkt, der immerhin ein Viertel zum Umsatz beisteuert, verliert die Telekom Kunden und Marktanteile. Obermann will zwar in der zweiten Januarhälfte eine neue Strategie vorstellen, um die lukrativen Vertragskunden an den Konzern zu binden. Weiterhin ungeklärt ist aber, wie die Telekom beim Netzausbau vorgehen will. Die Analysten von Merrill Lynch etwa bleiben skeptisch und verweisen darauf, dass die anstehenden hohen Investitionen und Marketingkosten das Geschäft in Amerika noch geraume Zeit belasten könnten.

          Bei so vielen Fragezeichen bleibt dem Konzern gar nichts anderes übrig, als die Aktionäre mit einer attraktiven Ausschüttungspolitik bei Laune zu halten. Neben dem Dividendenversprechen von mindestens 70 Cent für die Geschäftsjahre 2010 bis einschließlich 2012 lockt ein Aktienrückkaufprogramm. Bis zu 1,2 Milliarden Euro sind dafür bis Ende 2012 eingeplant. Davon hat der Konzern eine erste Tranche von 400 Millionen Euro bereits ausgegeben, um rund 40 Millionen eigene Aktien zu erwerben. Die meisten Analysten sind davon überzeugt, dass die Kombination aus Rückkaufprogramm und hoher Ausschüttung weiterhin Kursunterstützung biete. Gemessen an der Dividendenpolitik sei die Telekom-Aktie ein attraktiver Titel, meint zum Beispiel Jan Christian Göhmann von der Nord LB und empfiehlt, die Aktie zu halten. Dafür sprechen seiner Meinung nach auch mögliche Anstöße durch das laufende Kostensenkungsprogramm. Die SEB betont den defensiven Charakter der Telekom-Aktie, die sich deshalb gut zur Depotbeimischung eigne. In Phasen, in denen der Dax zur Schwäche neige, präsentiere sich die Telekom zumeist sehr robust. Im Moment allerdings ist das ein Argument, dass bei den meisten Anlegern wenig verfangen dürfte.

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