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Technologie/Software : Aktie von Red Hat muß in die Bewertung hineinwachsen

  • Aktualisiert am

Red Hat muß sich der Konkurrenz stellen Bild: AP

Der Markt mit freier Linus-Software wächst zwar deutlich, allerdings bei zunehmendem Preiswettbewerb. Aus diesem Grund hat auch Red Hat zu kämpfen, um die hohen Erwartungen erfüllen zu können. Die Aktie ist kein Schnäppchen.

          War die Aktie des amerikanischen Software- und Technologieunternehmens Red Hat nach der Interneteuphorie von 151 Dollar auf gerade noch 2,4 Dollar im September des Jahres 2001 gefallen, so erlebte sie danach eine Art von „zweitem Frühling“ und legte in einem volatilen Aufwärtstrend bis Mitte des Jahres 2004 wieder etwas mehr als 1.100 Prozent zu auf bis zu 29 Dollar.

          Von diesem Niveau hat sich die Aktie allerdings inzwischen längst wieder entfernt und inzwischen wieder 62,5 Prozent verloren auf zuletzt 19,91 Dollar. Allerdings sind die zuletzt für das vierte Quartal des vergangenen Geschäftsjahres gelieferten Umsatz- und Ertragszahlen nicht von schlechten Eltern.

          Viertes Quartal über den Erwartungen - Gesamtjahr eher enttäuschend

          Denn das Unternehmen konnte den Umsatz im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 56 Prozent auf 57,7 Millionen Dollar steigern, der Nettogewinn konnte sogar um 146 Prozent auf 11,8 Millionen Dollar verbessert werden. Mit diesen Zahlen übertraf das Unternehmen die Erwartungen des Marktes, nachdem es in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres eher enttäuscht hatte.

          Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von Red Hat in den vergangenen Jahren in Dollar

          Auch das laufende Quartal scheint nach Einschätzung von Charlie Peters, dem Finanzchef des Unternehmens, eher zu enttäuschen. Denn er rechnet mit einem Umsatz von knapp 61 Millionen Dollar - was am unteren Ende der Erwartungen von 61 bis 62 Millionen Dollar liegt - und einem Gewinn je Aktie von fünf Cents. Hier hatten Analysen sieben Cents gerechnet. Das heißt, die Gewinnerwartungen der Analysten dürften in der Tendenz noch etwas zu optimistisch sein.

          Gleichzeitig gab Peters mehr oder weniger eine Gewinnwarnung für das Gesamtjahr aus. Er rechnet mit einem Umsatz zwischen 270 und 280 Millionen Dollar und einem Gewinn je Aktie von 28 bis 32 Cents. Damit liegt die Bandbreite der Prognosen jeweils unterhalb der bisherigen Markterwartungen.

          Im gesamten, Ende Februar endenden Geschäftsjahr hat der Umsatz im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 58 Prozent auf 196,5 Millionen Dollar zugelegt. Der Gewinn hat sich auf 51,6 Millionen Dollar oder 24 Cents je Aktie verdreifacht.

          Harter Preiswettbewerb - ambitionierte Bewertung

          Das sind an sich beachtliche Wachstumszahlen. Sie spiegeln die Tatsache wider, daß sich immer mehr Kunden für die Installation von freier Linus-Software begeistern lassen. Allerdings bedeutet das nicht, daß die Bäume schrankenlos in den Himmel wachsen. Denn der Wettbewerb wird immer härter. Einerseits kommt er von den Anbietern „etablierter“ Hard- und Software. So versucht Microsoft beispielsweise, den Servermarkt mit vergleichsweise günstigen Angeboten aufzurollen. Gleichzeitig wird aber auch das Geschäft innerhalb der „Linux-Gemeinde“ immer intensiver. Beispielsweise durch die Übernahme von Suse durch Novell.

          Das hat dazu geführt, daß die Ertragsmargen deutlich unter Druck geraten sind. So ist der Durchschnittpreis der Red-Hat-Produkte auf etwa 400 Dollar gefallen, nachdem der noch Ende des Jahres 2004 bei 1.200 Dollar gelegen hatte. Das heißt, der Markt wächst zwar deutlich, allerdings bei abnehmender Profitabilität. Das heißt, die weitere operative Entwicklung der im Geschäft tätigen Unternehmen dürfte nicht einfach linear prognostiziert werden können.

          Aus diesem Grund dürften die Aktien bei allem Optimismus kritisch betrachtet werden müssen. Dazu kommt die Bewertung der Aktie. Denn mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp 34 und 28 auf Basis der Gewinnschätzungen für das gerade begonnene und für das kommende Geschäftsjahr ist die Aktie keinesfalls ein Schnäppchen. Insgesamt dürfte es damit interessantere Werte geben als Red Hat. Das Papier scheint vorerst nur für spekulative Anleger geeignet zu sein, die es anhand technischer Kriterien „spielen“.

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