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Technologie : Nortel-Aktie bricht durch den Aufwärtstrend

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Bei Nortel Networks hat das Chaos überhand genommen, die Aktie ist durch den Aufwärtstrend gebrochen. Die gelieferten Ertragszahlen sind kaum noch vertrauenswürdig. Die Aktie ist „Spekulation pur“.

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          Bei Nortel Networks überschlagen sich die Ereignisse. Im Zusammenhang mit der Überprüfung der Unternehmensbilanzen hat der kanadische Telekom-Ausrüster Nortel drei Spitzenmanager entlassen. Die Aktien verloren daraufhin am Mittwoch satte 30,61 Prozent ihres Wertes auf 5,26 Dollar. Damit ist der im Oktober des Jahres 2002 etablierte mittelfristige Aufwärtstrend, der in der Spitze wieder bis auf knapp zwölf Dollar geführt hatte, engültig durchbrochen woren.

          Nortel teilte am Mittwoch in Toronto mit, die Entlassungen beträfen Vorstandschef Frank Dunn sowie den bereits beurlaubten Finanzvorstand Douglas Beatty und den ebenfalls schon beurlaubten Controller Michael Gollogly. Nortel-Chairman Lynton Wilson begründete die Abberufung der Manager mit den anhaltenden Schwierigkeiten bei den Unternehmensbilanzen. Aus den eigenen Reihen ernannte Nortel drei Nachfolger, als neuer Vorstandschef wurde der seit Februar 2002 als Direktor bei Nortel amtierende William Owens berufen.

          Zahlen kaum noch vertrauenswürdig

          Nortel hatte im Oktober vergangenen Jahres erklärt, die Finanzdaten des Konzerns würden rückwirkend bis zum Jahr 2000 überprüft. Abschreibungen und Rückstellungen seien höher als erforderlich gewesen. Nach der Neuaufstellung der Bilanz für 2003 teilte Nortel Anfang März abermals mit, daß weitere Änderungen bei den Finanzdaten notwendig werden könnten. Der Finanzchef und der Controller wurden mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Auch die für Donnerstag geplante Veröffentlichung der Ergebnisse für das erste Quartal 2004 wird sich nach Unternehmensangaben verzögern. Sowohl die Finanzmarktaufsicht in Amerika als auch in Kanada prüfen die Bücher von Nortel.

          Das Unternehmen teilte nun mit, eine abermalige Überprüfung der Bücher habe ergeben, daß der im vergangenen Jahr ausgewiesene Gewinn halbiert werden könnte. Insgesamt ist damit das Chaos ziemlich komplettiert worden. „Es stellt sich die frage, wie glaubwürdig die von nun an gelieferten Umsatz- und Ertragszahlen überhaupt noch sein können,“ kommentierte ein Fondsmanager die jüngsten Entwicklungen. Künftig müsse wohl alles einfach, doppelt oder gar dreifach „gegengecheckt“ werden.

          Aktie für Spekulanten

          In der Boomphase der Telekom-Industrie im Jahr 2000 waren die Papiere noch zu Kursen von knapp 85 Dollar gehandelt worden. Infolge der Investitionszurückhaltung der Kunden brachen bei Nortel und den übrigen Ausrüstern die Umsätze ein. Bis Anfang 2003 schrieb Nortel trotz Entlassungen zwölf Quartale in Folge rote Zahlen.

          Insgesamt wird deutlich, daß die Aktie hoch spekulativ ist. Sollte der Gewinn des vergangenen Jahres tatsächlich halbiert werden, wäre die Aktie trotz der jüngsten Kursverluste mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 70 enorm teuer. Selbst auf Basis der Gewinnprognosen für das laufende Jahr wird sie nicht sonderlich attraktiv. Vor allem da sich die Frage nach der Verläßlichkeit stellt. Zusammen mit dem angeschlagenen Chartbild dürfte es nur einen Rat gegen: Es gibt viele andere Aktien. Anleger sollten das Nortelpapier vorerst den Spekulanten überlassen.

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