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Technologie : Motorola-Aktie muß um kurzfristigen positiven Trend ringen

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Auch die Bobbies verständigen sich mit Motorola Bild: Motorola

Motorola hat den Nasdaq 100 in den vergangenen Monaten deutlich abgehängt. Am Donnerstag bestätigte die moderat bewertete Aktie diese Tendenz - bis nachbörslich die Kehrtwende kam, obwohl Quartalszahlen und Ausblick in Ordnung waren.

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          Motorola hat den Nasdaq 100-Index in den vergangenen Monaten deutlich abgehängt. Binnen Jahresfrist ist der Kurs an der Wall Street um mehr als 30 Prozent gestiegen, während der Technologieindex etwa 13 Prozent geschafft hat. Auch die Dreimonats-Kursbilanz fällt zugunsten von Motorola aus, während auf längerfristige Rück-Sicht der Index die Nase vorn hat (siehe Grafiken 1 und 2). Am Donnerstag bestätigte die moderat bewertete Aktie diese Tendenz - bis nachbörslich die Kehrtwende kam.

          Im regulären Handel legte der zweitgrößte Mobiltelefon-Hersteller der Welt um 4,33 Prozent auf 24,35 Dollar zu. „After the bell“ verlor die Notiz dagegen 4,5 Prozent auf 23,29 Dollar - obwohl Quartalszahlen und Ausblick in Ordnung waren. Die Konsequenz: Motorola muß nun darum ringen, den seit der ersten Oktoberhälfte ausgebildeten kurzfristigen Aufwärtstrend zu bewahren (siehe Grafik 3). Der übergeordnete positive Trend ist allerdings ungefährdet: Die Trendlinie verläuft derzeit bei etwa 18,50 Dollar.

          Umsatzprognose übertrifft Erwartungen tendenziell

          Motorola hat sein Ergebnis im vierten Quartal dank einer starken Nachfrage nach Handymodellen und eines Sonderertrags aus einer Einigung mit dem türkischen Mobilfunkkonzern Telsim nahezu verdoppelt. Das Ergebnis je Aktie legte um 86 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar oder 0,47 Dollar je Aktie zu. Ohne Sonderposten verdiente Motorola 35 Cents. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 10,4 Milliarden Dollar. Im Ergebnis enthalten ist ein einmaliger Ertrag von 0,12 Dollar je Aktie. Analysten hatten im Schnitt mit 0,34 Dollar vor Sonderposten gerechnet. Allerdings zeigten sich Anleger enttäuscht über die Erlöse mit Hörern („handsets“). Zudem lag die operative Marge im Handy-Geschäft mit 10,2 Prozent unter den Prognosen, die auf 11,5 Prozent hinausgelaufen waren.

          Im operativen Geschäft erwartet Konzern-Chef Ed Zander für das laufende erste Quartal traditionell einen leichten Rückgang der Nachfrage nach Mobiltelefonen. Obwohl das Unternehmen weiteres Wachstum durch das neue Modell „Razr“ erwartet, das für 300 Dollar je Stück verkauft wird. Motorola strebt wie Hauptkonkurrent Nokia nach mehr Umsätzen in Indien und China und gab für das laufende erste Quartal eine Ergebnisprognose im Rahmen der Analystenschätzungen zwischen 0,27 und 0,29 Dollar je Aktie ab. Nicht enthalten in der Prognose sind Kosten für Aktienoptionsprogramme. Der Umsatz soll zwischen 9,3 Milliarden und 9,5 Milliarden Dollar liegen. Analysten hatten im Konsens bei einem Umsatz von 9,35 Milliarden Dollar mit einem Ergebnis je Aktie von 0,28 Dollar gerechnet.

          Motorola will ab Juli keinen eigenen Ausblick mehr auf die Quartalsergebnisse nennen. Viele Technologieunternehmen hätten ähnliche Schritte gemacht oder schon von Anfang an keine Ergebnisprognosen genannt, hieß es. Eine Umsatzprognose soll es aber weiterhin geben.

          Aktie im Vergleich zur Nokia teurer

          Unter Analysten sind das Zahlenwerk und der Ausblick verhalten aufgenommen worden. „Es bleibt nicht viel, an dem man sich festhalten kann“, meinte etwa Paul Sagawa von Sanford, Bernstein & Co. in New York, der in der Aktie eine Halte-Position sieht. Zudem wird unter Marktteilnehmern laut Bloomberg News spekuliert, daß die Nachfrage aus Schwellenländern nach günstigeren Modellen die durchschnittlichen Verkaufspreise unter Druck bringen werde.

          Insofern scheint die Stimmung um Motorola derzeit schlechter zu sein, als die Geschäfte des Unternehmens laufen. Dies mag auch mit den hohen Erwartungen vieler Marktteilnehmer in Amerika an Technologiefirmen liegen; an denselben sind zuletzt auch Intel und Yahoo gescheitert. Möglicherweise werden sich Anleger aber bald vor Augen führen, daß die Prognose von Motorola in Ordnung ist. Dies wird entscheidend dafür sein, ob die Aktie den kurzfristigen Aufwärtstrend bewahren kann oder nicht. Falls nicht, wäre aus technischer Sicht der Titel bei 22 Dollar recht gut unterstützt (siehe Grafik 3).

          Mit einem auf den Ergebnisschätzungen der Analysten basierenden Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,1 für dieses Jahr ist die Aktie für einen amerikanischen Technologietitel nicht teuer. Allerdings ist Nokia mit einem KGV von 16,9 günstiger und schlägt Motorola auch bei der erwarteten Dividendenrendite: Hier lautet das Verhältnis 2,6 Prozent zu 0,7 Prozent. Insofern wirkt Nokia attraktiver - zumal Devisenstrategen einen eher schwächelnden Dollar erwarten, worunter der Kurs der Motorola-Aktie in Europa leiden würde. Unter dem Strich ist Motorola eine Halte-Position, solange sich das Kursbild nicht deutlich eintrübt. Europäische Anleger sollten im Zweifelsfall Nokia vorziehen, aber deren für nächste Woche anstehenden Geschäftsbericht nebst Ausblick abwarten.

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