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Technologie : Infineon-Aktie lebt von der Hoffnung

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Analyst Jürgen Wagner (Sal. Oppenheim): "Konsolidierung war notwendig" Bild: SAL Oppenheim

Nach Intel, Microsoft und IBM nun Infineon. Das Quartalsergebnis ist zwar besser als erwartet, aber der Ausblick nebulös. Das führt an den Märkten zu Gewinnmitnahmen.

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          Mit einem Nettoverlust von 331 Millionen Euro im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2002 hat sich Infineon zwar im Vegleich mit dem Vorquartal verbessert, allerdings ist ein Verlust immer noch ein Verlust. Im selben Zeitraum des Vorjahres konnte das Unternehmen noch Gewinne verbuchen.

          Ähnlich wie schon die Papiere Intel, Microsoft und IBM reagiert auch die Infineon-Aktie im frühen Handel mit einem Verlust von vier Prozent auf 22,45 Euro auf den eher diffusen Ausblick auf die nähere Zukunft der Branche.

          Anziehende Nachfrage in Einzelsegmenten

          Im vergangenen Quartal war der Umsatz noch einmal um fünf Prozent auf 1,03 Milliarden Euro gefallen, im Vergleich zum Vorjahr sogar um 38 Prozent. Während Produkte für die drahtgebundene Kommunikation und Chipkarten-ICs mit einem anhaltend schwierigen Marktumfeld zu kämpfen haben, sieht Infineon erste Anzeichen für eine anziehende Nachfrage im Bereich mobiler Kommunikation.

          Allerdings sei das Phänomen nur für einzelne Segmente des Marktes zu beobachten. Für die Erholung des Gesamtmarktes fehlten noch die entscheidenden Signale. Zudem werde das Umfeld weiterhin von starkem Wettbewerb geprägt sein, der sogar über die nächsten Monate den bestehenden Preisdruck anhalten lassen könnte.

          Hoffnung beruht auf steigenden Preisen

          Das stimmt etwas bedenklich. Denn Hauptgrund für die Kursgewinne der Monate seit September war vor allem die Hoffnung auf eine rasche Wirtschaftserholung, steigende Chip-Preise und eine Konsolidierung mit damit verbundener Angebotsverknappung in der Branche. Vor allem der koreanische Hersteller Hynix hatte in den vergangenen Wochen begonnen, die Preise für DRAMs zu erhöhen, aber auch Samsung und nicht zuletzt Infineon schienen mitziehen zu wollen.

          Das wäre auch dringend notwendig, hatte doch die nachlassende Wirtschaft in Verbindung mit ruinösem Wettbewerb zu einem dramatischen Preisverfall im Chipmarkt und zu horrenden Verlusten der Hersteller geführt. Infineon hat im Jahr 2001 beispielsweise 591 Millionen Euro Verlust produziert. Die Aktien waren bis zum September regelrecht abgestürzt.

          Grundsätzlich hängt damit die weitere Entwicklung der Aktie von der tatsächlichen Konjunkturentwicklung ab und davon, wie sich die Wettbewerbsverhältnisse verändern. Sollte die Weltwirtschaft tatsächlich relativ schnell wieder an Fahrt gewinnen und kommt es innerhalb der Branche zu einer signifikanten Marktbereinigung mit abnehmenden Überkapazitäten, dann dürfte auch Infineon gute Karten haben und der Kurs könnte weiter steigen.

          "Verlustzone" wird noch lange nicht verlassen

          Die Marktteilnehmer sind sich zwar noch relativ uneinig, werden aber über die weiteren Aussichten zunehmend optimistischer. 40 Prozent der Analysten stehen ihr positiv gegenüber, 34 Prozent neutral und 26 Prozent eher negativ. Die kürzlichen Preisseigerungen bei den DRAMs kommen auf sehr tiefem Niveau zustande und die Preise haben bei weitem noch nicht das Herstellungskostenniveau erreicht.

          Die Analysten von Morgan Stanley sehen ab dem zweiten Halbjahr einen Angebotsengpass für DRAMs voraus, der zu weiter steigenden Preisen führen sollte. Chiphersteller könnten dadurch ihre Verluste weiter verringern und in 2003 in die Gewinnzone zurückkehren. Mit der jüngsten Ausgabe der Wandelanleihe habe sich neben der Cash-Flow-Situation auch das Bilanzproblem entschärft. Sie stufen die Aktie als "Outperformer" ein. Auch Analyst Nodeep Sheera von Salomon Smith Barney sieht die Aktie positiv.

          Aber es gibt auch andere Stimmen. Analystin Marianna Gurmann von der WGZ-Bank formuliert das so: „Nach der langen Pause an den Aktienmärkten sind die Anleger dabei, ihre Liquiditätsbestände zu investieren. Daher lassen sich mit der „Siemens-Familie“ kurzfristig durchaus Gewinne machen. Langfristig sind wir jedoch der Überzeugung, dass der Markt überreagiert hat und wieder den Boden finden wird.“ Charttechnisch hat das Papier den kurzfristigen Aufwärtstrend verlassen und sollte sich über der Unterstützung bei 22 Euro halten. Wenn nicht, wird es eher kritisch.

          In diesem Sinne kann ein Investment in Infineon für den spekulativen Anleger interessant sein. Aber er sollte die Risiken bewusst wahrnehmen und nie ohne Netz - sprich: Stop-Loss-Order - arbeiten.

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