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Technologie : Google & Intel: Marktführer als Punktsieger

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Die jüngste Runde im Preiskampf hat AMD verloren Bild: AP

Im Duell der Prozessorenhersteller und Internet-Suchmaschinen zeigen sich im ersten Quartal klare Sieger. Die Runden gehen an die Marktführer: AMD leidet stark unter dem Preiskampf, Google hingegen festigt seine Position.

          Der Reigen der Erstquartalszahlen aus der Technologiebranche im weitesten Sinne beginnt sich dem Ende zuzuneigen und wie nicht anders zu erwarten, brachte auch der Donnerstag eine gemischte Bilanz.

          Dabei lassen sich als Ursache vor allem der Wettbewerb untereinander festhalten und das ist ein weiteres Indiz dafür, dass viele ehemalige Wachstumsbereiche längst an ihre Grenzen gestoßen sind und dass Wachstum zumindest zum Gutteil nur zulasten der Wettbewerber stattfinden kann.

          Suchmaschinen: Google profitiert, Yahoo! verliert

          Wie der Donnerstagabend gezeigt hat, gilt das für Prozessoren genauso wie das Internet, nur dass dieser Abend einen Gewinner und einen Verlierer bereithielt. Als Gewinner darf Google gelten, vergleicht man die vorgelegten Zahlen mit der Enttäuschung, die der ehemalige Marktführer bei den Suchmaschinen, Yahoo!, am Dienstag bereitete (vgl. Wenig Hoffnung für Technologieaktien).

          Google hat im ersten Quartal 2007 seinen Gewinn um 69 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gesteigert und damit die Erwartungen der Analysten übertroffen. Der Konzerngewinn lag in den drei Monaten per Ende März bei einer Milliarde Dollar oder 3,18 Dollar je Aktie. Der Umsatz kletterte um 63 Prozent auf 3,66 Milliarden Dollar.

          Ohne Zahlungen an Werbepartner nahm der Umsatz um 66 Prozent auf 2,53 Milliarden Dollar zu und lag damit über der Durchschnittsprognose von 2,49 Milliarden Dollar. Das Gewinnplus sei vor allem den höheren Werbeeinnahmen im Kerngeschäft Suchanfragen zu verdanken.

          Aktie trotz hoher Bewertung mit neuen Chancen

          Der Markt honorierte das überraschend gutes Quartalsergebnis mit Eindeckungen. Der Kurs der Google-Aktie legte im nachbörslichen Handel um 3,2 Prozent auf 486,80 Dollar zu, überstieg damit das Februarhoch deutlich und setzt so die Erholung fort, die Anfang März einsetzte, nachdem der Kurs im Januar am Allzeithoch des November von 509,65 Dollar gescheitert und auf Talfahrt gegangen war.

          Damit wurde auch das Oktoberhoch übertroffen und so liegt der nächste Widerstand oberhalb der Marke von 500 Dollar, die durch die drei aufeinander folgenden Hochs zwischen November und Februar gebildet wird. Indes ist der dadurch markierte fallende Trend nicht gebrochen worden. Dafür müsste erst die Marke von 490 Dollar überschritten werden.

          Das erscheint nicht unrealistisch, wenngleich die hohe Bewertung der Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von über 35 für das laufende und rund 27 für das kommende Jahr hier nicht hilfreich sein dürfte. Andererseits verzeichnet Google einen hohen Cashflow und ist traditionell sehr hoch bewertet. Für Gewinnmitnahmen macht dies die Aktie aber anfällig, wie sich zu Jahresbeginn gezeigt hat.

          Prozessoren: Intel verliert, AMD unter Druck

          Ein eindeutiger Verlierer ist dagegen der Prozessoren-Hersteller AMD. Nicht etwa, weil der große Konkurrent Intel besser im Markt liegt. Obgleich die am Dienstag vorgelegten Zahlen als „gut“ bezeichnet wurden, waren sie eher weniger schlimm als befürchtet (vgl. Wenig Hoffnung für Technologieaktien).

          Vielmehr scheint es im neu entflammten „Chip-War“ eher weiter zwei Verlierer zu geben. AMD ist jedenfalls im ersten Quartal aufgrund des anhaltenden Preiskampfes mit Intel tief in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stand ein Verlust von 611 Millionen Dollar nach einem Gewinn von 185 Millionen Dollar im Vorjahr.

          Je Aktie entsprach das einem Minus von 1,11 Dollar nach einem Gewinn von 38 Cent im Auftaktquartal 2006. Als Grund gab das Unternehmen niedrigere Preise und einen erheblich geringeren Absatz an. Der Umsatz sank von 1,33 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 1,23 Milliarden Dollar. AMD-Finanzchef Robert Rivet nannte die Entwicklung im ersten Quartal „enttäuschend und inakzeptabel“. Der Konzern gehe die Faktoren, die zu dem „signifikanten Umsatzrückgang“ geführt hätten, aggressiv an mit dem Ziel, wieder profitabel zu werden.

          Intel scheint den längeren Atem zu haben

          Angedeutet hatte sich die schwache Entwicklung bereits Anfang des Monats, als der Konzern im Zuge der Bekanntgabe vorläufiger Umsatzzahlen ein umfangreiches Sparprogramm ankündigte. Damals hatte AMD die Erlöse für das Auftaktquartal noch auf 1,225 Milliarden Dollar beziffert. Anschließend hatten die Analysten ihre Schätzungen weitgehend angepasst. Für das laut AMD „saisonbedingt schwächere“ zweite Quartal rechnet der Konzern mit schwachen bis leicht steigenden Erlösen.“

          Die Zahlen legen die Befürchtung nahe, dass aufgrund der Markteigenschaften AMD wenig Chancen hat, daran auf Dauer zu rütteln. Intel kann einen Preiskampf erheblich besser verkraften, und technische Vorsprünge bei Prozessoren rasch wieder eingeholt sind. Insofern bedeuten die Intel-Zahlen, gleichwohl sie für sich genommen nicht berauschend sind, dass die jüngste Runde im Preiskampf an den Marktführer geht.

          Kurserholung könnte nur Intermezzo bleiben

          Entsprechend brachen die Papiere von AMD nachbörslich ein und verloren bis zu neun Prozent auf 13 Dollar. Positiv zu vermerken ist allerdings dass sich der Kurs der Aktie nach dem ersten scharfen Einbruch erholte und zum Ende des nachbörslichen Handels sogar ein Prozent im Plus gegenüber dem Ende des offiziellen Handels schloss, währenddessen der Kurs 2,7 Prozent zugelegt hatte.

          Damit setz sich die kleine Erholung fort, die zu Monatsbeginn eingesetzt hat, auch wenn diese am scharfen mittelfristigen Abwärtstrend, der mit Beginn der Talfahrt zum Anfang des vergangenen Jahres nichts ändert. Erst bei Kursen im Bereich von 20 Dollar lässt sich auf eine Trendwende hoffen.

          Daher steht zu erwarten, dass es sich nur um eine Zwischenerholung handelt, die es auch schon im Sommer 2006 gegeben hatte und die den langfristigen Trend nicht nachhaltig zu ändern vermochte. Für eine längerfristige Wende fehlt auch die Basis. Analysten rechnen mit einem deutlich negativen Betriebsergebnis im laufenden Jahr und 2008 zwar mit einer Verbesserung, aber noch nicht mit Nettogewinnen.

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