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Technologie-Aktien : Die Entscheidung fällt im mobilen Netz

Mobiles Internet: Auch für viele Technologie-Firmen ein Zukunftsfrage Bild: dpa

Intel und andere Technologiefirmen haben bisher schwache Zahlen und Ausblicke vorgelegt. Doch das kommt nicht überraschend. Entscheidender ist das mobile Internet.

          3 Min.

          Die Zahlen aus der Technologiebranche sind derzeit nicht berauschend. Die Berichte amerikanischer Konzerne fielen bislang durch die Bank schwach aus. Vergangene Woche schon hatte der Chiphersteller AMD einen Umsatzrückgang von 11 Prozent im zweiten Quartal vermeldet. Am Dienstagabend folgte nun eine Prognosesenkung des Marktführers Intel.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für das Gesamtjahr geht das Unternehmen nur noch von einem Umsatzwachstum zwischen 3 und 5 Prozent aus, nachdem es zuvor einen Anstieg im hohen einstelligen Prozentbereich avisiert hatte.

          Für das zweite Quartal berichtete Intel einen Nettogewinn von 2,83 Milliarden Dollar oder 54 Cent je Aktie, nach 2,95 Milliarden Dollar oder 54 Cent je Titel im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz zog um 3,6 Prozent auf 13,5 Milliarden Dollar an. Analysten hatten 52 Cent je Aktie Gewinn bei 13,55 Milliarden Dollar Umsatz vorhergesagt.

          China wird zur Belastung

          Während sich also die aktuelle Situation bei Intel besser ausnimmt als die Zukunft, stellt sich der Chipausrüster ASML, an dem Intel seit neuestem beteiligt ist, anders dar. ASML verzeichnete im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang um rund ein Drittel auf 292 Millionen Euro verzeichnet. Auch der Umsatz sank auf 1,23 Milliarden Euro von 1,53 Milliarden Euro im Vorjahr. Doch das Geschäft mit neuen Ultrabooks und Smartphones sollen im zweiten Halbjahr den Umsatz auf 2,2 bis 2,4 Milliarden Euro hochtreiben. Auch die Aussichten für 2013 seien nicht schlecht.

          Die Nachrichten nähren die Sorgen um die Weltkonjunktur, insbesondere mit Blick auf China und Europa. Die Nachfrage in Nordamerika und Westeuropa erhole sich nicht so schnell wie erwartet, während das Wachstum in aufstrebenden Märkten wie China und Brasilien nachlasse. Das passt in das Bild, das andere Konzerne zuvor zeichneten. So hatte Michael Dell die Situation in China jüngst als herausfordernd bezeichnet und bestätigt, dass sich die Umsätze dort langsamer entwickelten. Auch der Chipausrüster Applied Materials hatte jüngst seine Prognosen gesenkt und als Ursache schwächere Aussichten in China genannt.

          Indes sind dies keine überraschenden Mitteilungen. Am Markt sei etwa die Prognosesenkung von Intel durchaus erwartet worden, hieß es im Handel. Einige Analysten zeigten sich gar erleichtert, dass die Senkung der Zielsetzung nicht ganz so schlimm wie befürchtet ausgefallen sei. Auch die Schätzung lag im Durchschnitt nur noch bei einem Umsatzwachstum von weniger als 5 Prozent und so blieb der nachbörsliche Kursverlust mit 1,1 Prozent im Rahmen.

          Entscheidung im mobilen Internet...

          Auch die Bewertung der meisten Technologie-Aktien bewegen sich im Rahmen. Intel werden mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis für das laufende Jahr von 10,4 gehandelt, ASML mit 15, Applied Materials mit rund 13 und Dell mit nur 6,3.

          Indes muss man hier auch die unterschiedliche Situation berücksichtigen: Dell versucht sich derzeit immer noch neue Märkte zu erschließen, weil das Unternehmen auf dem PC-Markt immer mehr auf dem Rückzug ist. Intel lebt hauptsächlich von Chips für PCs und steht im Tablet- und Smartphone-Markt unter Zugzwang. Applied Materials und ASML sind dagegen als Ausrüster in einer besseren Situation, weil vom Wandel in der Endgerätenutzung deutlich unabhängiger.

          Insgesamt aber scheinen Technologiewerte derzeit kein allzu sicheres Investment zu sein. Das zeigen nicht nur die Zahlen aus dem Umfeld des Chip-Markts. So hat der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson im zweiten Quartal einmal mehr die Erwartungen verfehlt. Der Reingewinn fiel von 3,12 Milliarden schwedischen Kronen (rund 364 Millionen Euro) auf 1,11 Milliarden Kronen. Analysten hatten immerhin noch mit einem Gewinn von 1,67 Milliarden Kronen gerechnet.

          .. auch für Internet-Aktien

          Und auch die Erwartungen an die Internetwerte sind nicht eben groß. An die Schwäche von Yahoo hat man sich zwar mittlerweile nahezu gewöhnt. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz ganz leicht auf 1,081 Milliarden Dollar von 1,076 Milliarden vor Jahresfrist. Analysten hatten mit 1,096 Milliarden Dollar gerechnet. Der Gewinn fiel um 4 Prozent auf 227 Millionen Dollar.

          Der Kurs von Facebook ist in den vergangenen zehn Tagen wieder um rund 12 Prozent gefallen, weil erwartet wird, dass sich in der Zahlenvorlage am Ende des Monats ein schwächeres Wachstum zeigen wird. Nach einer Untersuchung von Capstone Investments geht die Zahl der Nutzer zurück. Analysten senkten die Umsatzprognosen für das zweite Quartal um 4 Prozent, die Gewinnprognose um knapp 10 Prozent. Vor allem ist vielen Beobachten unklar, wie Facebook im mobilen Netz Geld verdienen will. Das hatte das Unternehmen beim Börsengang selbst als Risikofaktor bezeichnet.

          Und auch wenn die bedenken bei Google nicht so hoch sind, so wird sich eine schwächere Konjunktur nach Expertenansicht ebenso in den Umsätzen von Google niederschlagen wie die steigende mobile Nutzung des Internets, in dem es weniger und billigere Anzeigen gibt.

          Insgesamt zeigt sich, dass die Tendenz zum mobilen Internet eine Umwälzung im Technologie-Sektor mit sich bringt, die für einige Unternehmen schwierig und für manche bedrohlich ist. Dabei wird diese strukturelle Änderung derzeit durch eine sich abzeichnende konjunkturelle Schwäche verschärft. Längerfristig also sind Aktien interessant, die derzeit im mobilen Bereich die Nase vorn haben. Dazu gehören neben Apple aus dem Chip-Sektor Qualcomm, Samsung und Texas Instruments oder etwa Dialog Semiconductor.

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