https://www.faz.net/-gv6-qvli

Technologie : Aktie von Red Hat - Kursverluste nach Gewinnrückgang

  • Aktualisiert am

Zentrale von Red Hat Bild: AP

Die Aktie von Rat Hat befindet sich in einem mittelfristigen Aufwärtstrend. Aber es kommt immer wieder zu Rückschlägen - zum Beispiel aufgrund des Gewinnrückgangs im zweiten Quartal. Gleichzeitig ist das Papier alles andere als günstig.

          Die Aktien von Linux-Distributoren und -Dienstleistern sorgten in der Vergangenheit bei Anlegern immer wieder für Phantasie. Denn die kostenlose und oft auch noch flexibler als Standardsoftware einsetzbaren Produkte würden sich langfristig am Markt durchsetzen und böten entsprechendes Wachstumspotential, so die Logik.

          Sie ist tatsächlich nicht von der Hand zu weisen, geht doch der Trend in manchen Bereichen tatsächlich in diese Richtung. Das zeigt sich unter anderem daran, daß Anbieter wie das amerikanische Unternehmen Red Hat im Trend deutlich steigende Umsätze verbuchen können.

          Deutliche Umsatzzuwächse - Gewinnrückgang im zweiten Quartal

          Im Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr 2005/06 konnte der Umsatz im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 41,6 Prozent auf 278,3 Millionen Dollar gesteigert werden. In der Periode zuvor hatte der Umsatzzuwachs sogar 57 Prozent betragen.

          Auch die Gewinnentwicklung konnte sich sehen lassen. So wiesen die veröffentlichten Zahlen im vergangenen Geschäftsjahr einen Gewinnzuwachs im Vergleich mit der Vorjahresperiode von knapp 71 Prozent auf 41 Cents je Aktie aus.

          Allerdings gibt es verschiedene Probleme. Denn erstens ist die Aktie auf Basis der abgelieferten Zahlen mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von 71,14 massiv überbewertet. Diese Einschätzung ändert sich selbst dann nicht, wenn man weitere Gewinnsteigerungen erwartet und auf Basis der Analystenschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr auf Kurs-Gewinnverhältnisse von 53,4 und 39,2 kommt.

          Die wahre Krux aber zeigte sich am Dienstag nach Börsenschluß. Da teilte das Unternehmen nicht nur mit, der Gewinn im zweiten Quartal des laufenden Jahres sei im Jahresvergleich um 34 Prozent auf 16,7 Millionen Dollar oder fünf Cents je Aktie gefallen, sondern auch die so genannten Billings, die auf die Umsatzentwicklung in den kommenden Monaten hinweisen, seien mit 113 Millionen Dollar unter den Erwartungen des Marktes von 136,3 Millionen Dollar geblieben. Die Aktie reagierte im europäischen Handel darauf mit einem Kursverlust von 16,4 Prozent auf 17,02 Euro.

          Wachstumsbedenken und Fragen zur Gewinnqualität

          Das löst einerseits Wachstumsbedenken aus, nachdem der Umsatz im zweiten Quartal im Jahresvergleich noch hatte 52 Prozent auf 99,7 Millionen Dollar zulegen können. Auf der anderen Seite führt das Unternehmen den Gewinnrückgang auf massiv gestiegene Kosten für die Entlohnung der Mitarbeiter in Form von Aktienoptionen und Gratisaktien zurück. Nach 1,3 Millionen Dollar in der Vorjahresperiode hätten diese im laufenden Jahr 8,3 Millionen Dollar betragen. Der operative Cashflow ging um 4,1 Prozent auf 43,9 Millionen Dollar zurück und wird nach Unternehmensschätzungen im Gesamtjahr mit 210 bis 215 Millionen Dollar unter den Erwartungen bleiben.

          Insgesamt wird deutlich, daß das Unternehmen deutlich wächst. Allerdings wird diese Wachstum an der Börse schon vorweggenommen und teuer bezahlt. In diesem Sinne eignet sich die Aktie nur für spekulative Anleger. Der mittelfristige Trend zeigt zwar nach oben, allerdings ist er durch immer wieder auftretende Rückschläge gezeichnet.

          Deutlich wird am Beispiel von Red Hat auch, daß die ausgewiesenen Unternehmensgewinne vieler amerikanischer Unternehmen in der Vergangenheit und sehr wahrscheinlich auch noch in der Gegenwart zu hoch sind. Das heißt, die Aktien der Unternehmen sehen optisch günstiger aus, als sie in Wirklichkeit sind. Allerdings scheint der Markt diese Tatsache im gegenwärtigen Umfeld des anhaltenden Optimismus zu ignorieren.

          Weitere Themen

          Euroboden zum dritten

          Hochzinsanleihen : Euroboden zum dritten

          Der im gehobenen Wohnsegment aktive Projektentwickler und Bauträger Euroboden kommt am Montag mit einer neuen Anleihe auf den Markt. Allem Anschein nach ist die Nachfrage gut.

          Topmeldungen

          Künast hat sich bei zahlreichen Gelegenheiten von der früheren Position mancher Grüner distanziert.

          Hass-Posts gegen Renate Künast : Erlaubt ist alles

          „Stück Scheiße“, „Schlampe“, „Drecksau“ – solche und noch krassere Kommentare prasselten auf Renate Künast ein. Das Landgericht Berlin sieht darin keine persönliche Schmähung, sondern nur zulässige Sachkritik.
          Die Stadt Sassnitz auf der Insel Rügen hat etwa 9000 Einwohner.

          SPD kooperiert mit AfD : „Ich habe da kein schlechtes Gewissen“

          Immer wieder hat die SPD in Bund und Ländern bekräftigt, mit der AfD nicht zusammenarbeiten zu wollen. In Sassnitz auf Rügen reichen die beiden Parteien aber jetzt gleich sieben Anträge gemeinsam ein.

          Prozess um Steuerskandal : Streit über Rolle der Depotbank im Cum-Ex-Wirrwarr

          Der aktuelle Cum-Ex-Prozess am Landgericht Bonn wirft Fragen auf: Wer hätte wann Steuern einziehen sollen? Und wer hätte das wissen müssen? M.M.Warburg und die Deutsche Bank liegen in ihrer Einschätzung sehr weit auseinander.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.