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Technologie : Aktie von Motorola hat Gewinnwarnung vorweggenommen

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Motorola Razr Bild: AP

Die Aktie von Motorola entwickelt sich schon seit Monaten unterdurchschnittlich. Nun zeigt sich warum und wieso Charttechnik wichtig sein kann: Das Unternehmen entwickelte sich im vierten Quartal enttäuschend. Die Aktie ist optisch günstig.

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          Nach einer verhaltenen Entwicklung setzte bei den amerikanischen Aktien in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres ein wahrer Boom ein: Der S&P 500 Index konnte von Juni bis Dezember einen Kursgewinn von etwas mehr als 17 Prozent verbuchen, zumindest in Dollar gerechnet.

          Allerdings trug dazu nur eine Minderheit der Aktien bei. Und das ist aus technischer Sicht normalerweise kein sonderlich gutes Zeichen. Wenn die „Breite“ des Marktes fehle, sie die Bewegung nicht unbedingt nachhaltig, erklären die Techniker. Auch die Aktivitäten der so genannten Insider kann zu denken geben. Das sind den Unternehmen nahe stehende Personen oder Unternehmensangehörige, die als Anleger über spezifische Informationen über die operative Entwicklung verfügen und aus diesem Grund frühzeitig handeln können. In den letzten Monaten des vergangenen Jahres waren sie mit starken Verkäufen aufgefallen.

          Aktie entwickelt sich schon seit Monaten unterdurchschnittlich

          Das gilt zwar nicht unbedingt für die Aktie von Motorola. Sie fiel stattdessen dadurch auf, dass sie seit Oktober des vergangenen Jahres deutlich schwächer lief als der breite Markt. Während der S&P 500 von Mitte Oktober bis Ende des Jahres etwas mehr als vier Prozent zulegen konnte, gab die Aktie von Motorola im selben Zeitraum knapp 13 Prozent nach.

          Einige Anleger scheinen eine gute Nase gehabt zu haben oder waren besser informiert als andere. Denn der Grund für diese Entwicklung zeigte sich am Donnerstag nach Börsenschluss. Nettoergebnis und Umsatz des amerikanische Mobilfunkkonzerns seien im abgelaufenen vierten Quartal hinter den Erwartungen zurückgeblieben, ließ das Unternehmen verlauten. Motorola geht nun davon aus, im vierten Quartal des Jahres 2006 ein Ergebnis je Aktie von 0,13 bis 0,16 Dollar erreicht zu haben. Dies liege unter der internen Prognose, erklärte die Motorola, ohne diese bisherige Erwartung näher zu benennen.

          Beim Umsatz rechnet das Unternehmen aus Schaumburg nun mit 11,6 Milliarden bis 11,8 Milliarden Dollar, nachdem es zuletzt 11,8 Milliarden bis 12,1 Milliarden Dollar Umsatz für das Schlussquartal des Jahres 2006 in Aussicht gestellt hatte. Analysten hatten für das vierte Quartal bislang einen Gewinn je Aktie von 0,39 Dollar bei 11,98 Milliarden Dollar Umsatz prognostiziert.

          Motorola begründete diese “enttäuschende“ Entwicklung im vierten Quartal mit einem ungünstigen Absatzmix - dies gelte sowohl für die geographische Verteilung als auch für die verkauften Produkttypen. Die Ergebnisse für das abgelaufene Quartal will Motorola am 19. Januar vorlegen und in diesem Zusammenhang auch Pläne zur Verbesserung der Profitabilität vorstellen.

          Ist der Kurs zu tief - oder sind die Gewinnschätzungen zu optimistisch?

          Insgesamt wird sich noch zeigen müssen, ob für die enttäuschende Entwicklung tatsächlich die angegebenen Gründe verantwortlich sind oder ob mehr - etwa ein schwächelnder Konsum - dahinter steckt. Die verhaltene Nachfrage bei Einzelhändlern und nicht zuletzt auch die Gewinnwarnungen bei einer Reihe bedeutender Industrie- und vor allem auch Transportunternehmen können in diesem Zusammenhang ebenso zu denken geben, die die nachgebenden Börsenkurse der Motorola-Konkurrenten in Asien am Freitag.

          Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 15,5 und 13,5 auf Basis der Gewinnschätzungen für das vergangene und das gerade begonnene Geschäftsjahr scheint die Aktie vor allem auch unter Berücksichtigung der starken Liquiditätsposition des Unternehmens optisch zwar günstig zu sein. Allerdings kann die Optik täuschen, wenn nicht der Kurs zu tief, sondern die Gewinnschätzungen zu hoch sind. In diesem Sinne dürfte die Aktie erste wieder interessant werden, sobald die angekündigten „Profitabilitätsverbesserungen“ wirken und sich Wolken am konjunkturellen Himmel im Sinne der Optimisten verzogen haben sollten. Im Moment spricht wenig dafür.

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