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Technische Analyse : Zeit für einen Favoritenwechsel

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Nach Monaten einer idealtypischen Liquiditätshausse in den wichtigen Aktienindizes der Welt zeigen sich bei den europäischen Aktienindizes klare technische Anzeichen, dass sich die mittelfristige Aufwärtsdynamik deutlich abschwächen wird.

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          Nach gut sechs Monaten mit einer idealtypischen Liquiditätshausse in den wichtigen Aktienindizes der Welt zeigen sich bei den europäischen Aktienindizes klare technische Anzeichen, dass sich die mittelfristige Aufwärtsdynamik deutlich abschwächen wird. Dieser bevorstehende Übergang auf eine "langsamere Gangart" der Hausse vollzieht sich im Regelfall aufgrund des Verlassens sehr steiler, mittelfristiger Aufwärtstrends holprig.

          Typischerweise wird er auch von einem Wechsel der technischen Favoriten sowohl bei den Sektoren als auch bei Europas Standardwerten begleitet. Während der in Europa größte Sektor - der Bankensektor - sowie einige Sektorschwergewichte wie die britische Barclays, die französische Crédit Agricole und die italienische Unicredit durch Gewinnmitnahmesignale belastet sind, können technisch defensive Sektoren, die in den vergangenen Monaten die Hausse nur unterdurchschnittlich oder fast gar nicht begleitet haben, von Tauschoperationen profitieren. Hierbei weisen die Öl-&-Gas-Konzerne wie Royal Dutch Shell und BP mit ihren Investment-Kaufsignalen jetzt ein attraktives technisches Chance-Risiko-Verhältnis auf.

          Großanleger steigen nach massiven Kursgewinnen aus

          Die britische Barclays, die auch im Stoxx 50 vertreten ist, gehört im europäischen Bankensektor zu den Titeln, bei denen es nach der Baisse (von März 2007 bis Januar 2009; Kursrückgang von 773,20 britischen Pence auf 47,30 Pence) zu einer technischen Bodenformation (klassische Doppelbodenformation im ersten Quartal 2009) gekommen war. Seit dem März 2009 hatte die Aktie - nach dem Verlassen der Bodenformation mit einem ersten Investment-Kaufsignal - eine idealtypische mittelfristige Erholung etabliert. Diese führte die Aktie zunächst bis Anfang Mai 2009 in einem sehr steilen Aufwärtstrend auf Kurse um 300 Pence. Danach ergab sich ein wesentlich moderaterer mittelfristiger Aufwärtstrend, der Barclays bis auf 390 Pence gebracht hat.

          Nach einem Kursanstieg von etwa 725 Prozent überrascht es nicht, dass sich zuletzt Großinvestoren von diesem Titel getrennt haben. Seit Ende August 2009 steckte die Aktie bereits in einer Seitwärtspendelbewegung unterhalb der Widerstandszone um 390 Pence fest. In den zurückliegenden Tagen ist die Aktie mit einem Verkaufssignal, das nach den deutlichen Kursgewinnen der letzten Monate auch den technischen Charakter eines Gewinnmitnahmesignals aufweist, unter Druck gekommen. Da es viele Monate dauern sollte, bis sich die mittelfristige, technische Lage in Barclays, die sich gerade grundlegend verschlechtert, wieder stabilisieren beziehungsweise verbessern sollte, bietet sich Barclays jetzt zur Liquiditätsbeschaffung beziehungsweise für einen Tausch in technisch attraktivere europäische Standardwerte an.

          Die französische Großbank Société Généralé, die auch im Euro Stoxx 50 enthalten ist, war im Zuge der Baisse in einem idealtypischen Baissetrend von 143,70 Euro auf 17,30 Euro (von April 2007 bis März 2009) zurückgefallen. Nach dem Ausverkauf im März dieses Jahres war der Kurs nach oben umgeschlagen, und die Aktie konnte zuerst einen kurzfristigen, sehr steilen Erholungstrend bis rund 38 Euro etablieren. Von Anfang April 2009 an hat die Aktie dann einen moderateren mittelfristigen Aufwärtstrend, dessen Aufwärtstrendlinie zuletzt bei 48 Euro lag, herausgebildet, der den Titel bis auf ein Kursniveau um 54,20 Euro geführt hat. In den vergangenen Wochen steckte die Aktie bereits in einem Tradingmarkt um 50 Euro fest. Zuletzt ist der Wert mit einem Verkaufssignal sowohl aus der Tradingrange als auch aus dem Aufwärtstrend herausgefallen.

          Verbesserung der technischen Gesamtlage bei den Aktien großer Ölmultis

          Da sich aus technischer Sicht für die nächsten Monate bei Société Générale eine eingetrübte mittelfristige technische Lage andeutet, sollten Aktienpositionen konsequent geschlossen werden beziehungsweise bei einem indexorientierten Portfolio eine Untergewichtung gegenüber dem normalen Indexgewicht herbeigeführt werden.

          Der Stoxx Oil-&-Gas-Index hatte in den zurückliegenden Monaten an der Gesamtmarkthausse kaum teilgenommen. Erst das Anspringen des Rohölpreises sowie die einsetzenden Tauschoperationen in technisch defensive Sektoren hat für eine deutliche Verbesserung der technischen Gesamtlage bei den großen Ölmultis wie der britischen BP und der britisch-niederländischen Royal Dutch Shell gesorgt. Da die technische Lage in den beiden Titeln vergleichbar ist, wird dieses Mal die Analyse auf die in den Niederlanden notierten Royal Dutch Shell A konzentriert. Diese Aktie, die den Royal-Dutch-Shell-Konzern im Stoxx 50 repräsentiert, hatte von Juni 2007 (Kursstopp bei 31,40 Euro) eine Baisse durchlaufen, die im März 2009 bei Kursen um 15,30 Euro ihr Tief erreichte.

          Nach dem Verlassen des Baissetrends zur Seite hatte der Wert eine klassische technische Bodenformation (mittelfristiges Aufwärtsdreieck unterhalb von 20,20 Euro) herausgebildet. Mitte Oktober 2009 ist die Aktie mit einem Investment-Kaufsignal aus der Bodenformation herausgelaufen, so dass die Aufarbeitung der Baisse in Gang gekommen ist. Da sich als erstes mittelfristiges technisches Etappenziel ein Test der Widerstandszone um 23,50 Euro andeutet und Royal Dutch Shell, die eine Dividendenrendite von rund 5,8 Prozent aufweist, ein attraktives technisches Chance-Risiko-Verhältnis aufweist, sollte die Aktie (zu-)gekauft werden. Trotz des ansprechenden technischen Gesamtbildes sollte aber jede Position in der Aktie mit einem Sicherungsstopp bei 17,50 Euro versehen werden.

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