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Technische Analyse : Weltleitbörse auf Rekordfahrt

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Der Blick an Amerikas Börsen richtet sich derzeit nach oben Bild: AP

Der technische Hausse-Zyklus setzt sich nicht nur in Amerika fort, sondern auch im deutschen Leitindex Dax.

          Die wichtigen internationalen Aktienmärkte befinden sich seit März 2009 in einem technischen Hausse-Zyklus. Dieser liegt vor, wenn die Indizes über mehrere Jahre hinweg - nur unterbrochen von trendbestätigenden Konsolidierungen oder Korrekturen - auf neue Hausse-Tops beziehungsweise auf historische Höchstkurse steigen.

          Der S&P 500 und der Dax haben idealtypische Hausse-Zyklen etabliert. Der Euro Stoxx 50 weist im internationalen Vergleich weiterhin eine mittelfristige relative Schwäche auf. Nach den sehr ausgeprägten Kursgewinnen seit Ende November 2012 im S&P 500 und Dax sind mittelfristig überkaufte Strukturen entstanden. Deshalb sollten mehrwöchige Konsolidierungen zum Beispiel im Dax unterhalb der seit 13 Jahren bestehenden Widerstandszone von 8100 bis 8150 nicht überraschen. Hierdurch ergäbe sich eine mittelfristig neutrale technische Position. Dies wäre aus technischer Sicht günstig, um sich im Jahresverlauf 2013 nach oben abzusetzen.

          Im Fokus: S&P 500

          Der S&P 500, ein Kursindex, dessen Ausgangsperiode in den Jahren 1941 bis 1943 bei einem Kursniveau von 10 Punkten lag, vereint fast 80 Prozent der Marktkapitalisierung am amerikanischen Aktienmarkt auf sich. Dieser Index war nach dem Hausse-Zyklus von August 1982 bis März 2000 (Kursanstieg von 102,2 auf 1576,1 Punkte) seit dem ersten Quartal 2000 in eine bis heute vorliegende Seitwärtspendelbewegung (gestaffelte Unterstützungszone: 666,8 bis 790 Punkte; gestaffelte Widerstandszone: 1550 bis 1576,1 Punkte) hineingelaufen. Hierbei handelt es sich um eine übergeordnete Konsolidierung auf die vorherige, 18-jährige technische Hausse. Innerhalb dieser Seitwärtspendelbewegung hat sich ein Wechselspiel aus „normalen“ technischen Baissen und Haussen herausgebildet.

          Die seit März 2009 (Start bei 666 Punkten) laufende Hausse, welche sich mittlerweile zu einem technischen Hausse-Zyklus weiterentwickelt hat, wird seit Ende 2009 von einem zentralen Hausse-Trend (aktuell bei 1160 Punkten) begrenzt. Seit dem Jahresende 2011 hat sich ein beschleunigter Hausse-Trend (Trendlinie bei 1425 Punkten leicht unterhalb der 200-Tage-Linie) ergeben. Der mittelfristige Aufwärtstrend (seit Mitte November 2012; Start bei 1343 Punkten; seither 220 Punkte Kursgewinn) liegt bei 1540 Punkten. Die verschiedenen Aufwärtstrends haben den Index bis zum bisherigen technischen Kursziel (für 2013) von 1575 Punkten und in eine mittelfristig überkaufte Lage geführt. Im Bereich von 1550 bis 1576 Punkten liegt die seit 13 Jahren bestehende Widerstandszone. Einerseits wäre es aus technischer Sicht wünschenswert, wenn der Index im Umfeld dieser Widerstandszone - zum Abbau der mittelfristig überkauften Lage - eine Konsolidierung etabliert. Andererseits sollte der Index im Falle eines neuen (Investment-)Kaufsignals (würde bei S&P-500-Ständen von mehr als 1600 Punkten vorliegen) die Chance auf eine Kursetablierung oberhalb von 1650 Punkten besitzen.

          Euro Stoxx 50

          Der Euro Stoxx 50 hatte die Baisse-Bewegung seit dem Jahresanfang 2008 (Start bei 4573 Punkten) zum Jahreswechsel 2011/2012 in eine technische Bodenformation (“W-Formation“, Widerstandszone um 2610 Punkte) verlassen. Im Dezember 2012 ist der Index dann mit einem Investment-Kaufsignal aus dieser Bodenformation und dem fünfjährigen Baisse-Trend herausgekommen. Aufgrund der letzten Euroschuldenproblematik (Stichwort: Zypern) ist der Index direkt wieder in eine Konsolidierung (Handelsspanne: 2550 bis 2755 Punkte) mit einem trendbestätigenden Charakter (nach oben) hineingelaufen.

          Deshalb sollte es nicht überraschen, wenn sich der Index in diesem Jahr wieder nach oben in Bewegung setzt. Allerdings bestätigen die letzten Wochen, dass der Euro Stoxx 50 im internationalen Vergleich weiterhin eine stabile, mittelfristige relative Schwäche aufweist. Trotzdem bleibt es aufgrund der technischen Gesamtlage bei dem langfristigen Kurspotential (Test der Widerstandszone von 3050 bis 3080 Punkten; sie stammt aus den Jahren 2009 bis 2011).

          Dax: Ausgeprägte Widerstandszone von 8100 bis 8150

          Dax

          Der Dax befindet sich seit März 2000 unterhalb der Widerstandszone von 8100 bis 8150 Punkten in einer Pendelbewegung, die den Charakter eines langfristigen Aufwärtsdreiecks aufweist. Der seit März 2009 bestehende Hausse-Zyklus wird von dem zentralen Hausse-Trend (zurzeit bei 6100 Punkten) begrenzt. Seit September 2011 (Start bei 4965 Punkten) liegt ein zusätzlicher Hausse-Trend vor (Aufwärtstrendlinie bei 7300 Punkten leicht unterhalb der steigenden 200-Tage-Linie).

          Darüber hinaus hatte der Dax (Startpunkt: Juni 2012 bei 5914 Punkten) einen mittelfristigen Aufwärtstrend etabliert, der 2160 Punkte Kursgewinn und als Konsequenz eine mittelfristig überkaufte Lage eingebracht hat. Nachdem der Dax bis an die 13-jährige Widerstandszone gelaufen war, konnte der Index zuletzt diesen neunmonatigen Aufwärtstrend nicht verteidigen. Im Dax wäre damit eine technische Doppelanalyse interessant. Zunächst sollte eine Konsolidierung mit einer Handelsspanne von 7500 Punkten (Unterstützungszone) bis 8100/8150 Punkten (Widerstandszone) nicht überraschen. Hierdurch sollte die aktuell überkaufte Lage abgebaut werden. Solange der Dax aus technischer Sicht den Sprung über die Widerstandszone (8100 bis 8150 Punkte) nicht vorbereitet beziehungsweise sich mit einem Investment-Kaufsignal (liegt bei Kursen von mehr als 8250 Punkten vor) nicht nach oben absetzt, sollte das alte technische Jahresziel für das Jahr 2013 von 8150 Punkten beibehalten werden.

          Der Autor leitet das europäische Indexresearch von Commerzbank Corporates & Markets.

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