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Technische Analyse : Verkaufsliste für die Konsolidierung in Europa

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Nachdem die Aktienmärkte in Nordamerika und Europa von Mitte November 2012 bis Mitte Februar 2013 ausgeprägte Kursgewinne erzielten, stehen seit knapp drei Wochen technische Konsolidierungen auf der Tagesordnung. Entsprechend schlecht präsentiert sich auch die technische Lage diverser europäischer Aktien.

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          Da der Abbau der mittelfristig überkauften Lage bei den wichtigen amerikanischen Aktienindizes einige Zeit in Anspruch nehmen sollte, die amerikanische Notenbank wieder auf eine möglicherweise leicht veränderte Geldpolitik vom zweiten Halbjahr 2013 an hingewiesen hat und der Ausgang der Wahlen in Italien politische Unsicherheiten hinterlassen hat, liegen gute Gründe für eine zeitliche und räumliche Ausweitung dieser Konsolidierungen vor.

          Aus technischer Sicht konnten sich einige europäische Standardwerte schwerpunktmäßig aus den Sektoren Grundstoffe, Telekommunikation und Versorger der freundlichen Tendenz der Vormonate nicht anschließen. In der aktuellen Konsolidierung dürfte sich die technische Lage dieser Titel ebenfalls nicht verbessern. Als Konsequenz bieten sich zum Beispiel Arcelor Mittal, France Télécom und GDF Suez weiterhin zum Verkauf beziehungsweise zur Liquiditätsbeschaffung an.

          Arcelor Mittal: Baisse-Phase dauert an

          Die technische Gesamtlage des im Euro Stoxx 50 enthaltenen Stahlkonzerns Arcelor Mittal besteht aus drei übergeordneten Phasen, zunächst aus der ausgeprägten technischen Baisse von 1997 bis zum November 2001 mit einem Kursrückgang von 28 Euro auf etwa 0,86 Euro. Die technische Bilderbuch-Hausse vom November 2001 bis Juni 2008 führte dann zu einem Kursanstieg bis auf 64,30 Euro. Diese ausgeprägte mittel- und langfristige relative Stärke sorgte letztendlich auch für die Aufnahme in den Euro Stoxx 50. Seit den historischen Höchstkursen (um 64,30 Euro) befindet sich die Aktie aus übergeordneter technischer Sicht wieder in einer fast fünfjährigen Baisse. Der zentrale Baisse-Trend, welcher diese Bewegung begrenzt, liegt zurzeit bei rund 15 Euro.

          Innerhalb dieses Baisse-Trends hat die Aktie mehrmals eine Seitwärtspendelbewegung herausgebildet. Nach dem ausgeprägten Kurseinbruch (Kurssturz von 22 Euro auf 10,60 Euro) im August/September 2011 ist die Aktie wieder in eine Seitwärtspendelbewegung oberhalb der mittelfristigen Unterstützungszone (von 10,60 Euro bis 11 Euro) übergegangen. Hierdurch ist eine ausgeprägte relative Schwäche gegenüber dem Euro Stoxx 50 entstanden, so dass die Aktie jetzt aus indextechnischer Sicht zu den nach Streubesitz kleinsten Indexwerten zählt und damit in der Diskussion bezüglich einer Entnahme aus dem Index stehen sollte.

          Bisher liegen keine überzeugenden technischen Argumente vor, dass es sich bei der seit mehr als 18 Monaten bestehenden Seitwärtspendelbewegung, die sich seit dem Sommer 2012 auf die Trading-Range mit der Unterstützungszone von 10,60 Euro bis 11 Euro und der gestaffelten Widerstandszone von 13,50 Euro bis 13,70 Euro verengt hat, um einen Eintritt in eine technische Bodenformation handelt. Deshalb sollte die defensive technische Haltung gegenüber Arcelor Mittal nicht gelockert und die Einstufung als technischer Verkauf, Liquiditätsbeschaffung oder Tausch in attraktivere Werte konsequent umgesetzt werden.

          France Télécom: Schlechte technische Verfassung

          Viele Euroraum-Titel aus dem Telekommunikationssektor befinden sich in einer sehr schlechten technischen Gesamtverfassung. Dies gilt auch für France Télécom. Die seit März 2000 in einer Baisse-Bewegung steckende Aktie hat seit dem Jahreswechsel 2007/2008 eine idealtypische technische Baisse etabliert, wobei der seit mehr als fünf Jahren bestehende, zentrale Baisse-Trend zurzeit bei 12,10 Euro liegt. Ausgehend von einem Kursniveau um 15 Euro im Sommer 2011, hat sich ein zusätzlicher, von mehreren (Trading)-Verkaufssignalen begleiteter, beschleunigter Abwärtstrend ergeben.

          Trotz der immer wieder attraktiven Dividendenrenditen signalisieren die Abwärts- und Baisse-Trends, dass der Markt eher sinkende Dividenden erwartet. Aufgrund der intakten Baisse-Trends sollte es nicht überraschen, wenn France Télécom, die im Dezember 2012 aus dem Stoxx 50 herausgefallen ist, im Laufe dieses Jahres auch in der indextechnischen Abstiegszone des Euro Stoxx 50 ankommt. Jahrelange Baisse-Trends münden meist in jahrelange technische Bodenformationen. Da bisher aber die technischen Hinweise für den Eintritt in eine Bodenformation fehlen, bleibt bei France Télécom die defensive technische Haltung bestehen. Als technische Konsequenz stellt France Télécom unverändert einen technischen Verkauf oder einen Tausch in attraktivere Standardwerte dar.

          GDF Suez: Ständig neue Verkaufssignale

          Der französische Versorger GDF Suez befindet sich seit Juni 2008 und einem Kursniveau um 43,50 Euro in einer Baisse-Bewegung, wobei der zentrale Baisse-Trend aktuell bei rund 22 Euro liegt. Diese Baisse-Bewegung besteht bisher aus drei mittelfristigen technischen Phasen. Zuerst kam der Abwärtstrend von Juni 2008 bis Oktober 2008 mit einem Kurseinbruch bis auf 22 Euro. Es folgte von Oktober 2008 bis August 2011 eine Seitwärtspendelbewegung oberhalb der gestaffelten Unterstützungszone von 22 Euro bis 22,60 Euro. Nach den Verkaufssignalen im Herbst 2011 hat sich bei der Aktie ein neuer Baisse-Kanal mit einer oberen, fallenden Baisse-Kanallinie bei 18 Euro gebildet. Diesen seit 18 Monaten vorliegenden Baisse-Kanal prägen ständig neue (Trading)-Verkaufssignale und neue kurzfristige Abwärtstrends.

          Die sehr ausgeprägte mittelfristige relative Schwäche hat GDF Suez im Stoxx 50 zum kleinsten Indexwert gemacht, so dass eine Indexentnahme in den kommenden Monaten nicht überraschen sollte. Aufgrund der fehlenden technischen Perspektive und den fehlenden Hinweisen, dass GDF Suez in den kommenden Monaten in eine technische Bodenformation hineinläuft, stellt diese Aktie unverändert einen technischen Verkauf dar.

          Der Autor leitet das europäische Indexresearch von Commerzbank Corporates & Markets.

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