https://www.faz.net/-gv6-6kwmw

Technische Analyse : Kaufsignale im Branchenindex der Chemie

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Obwohl viele europäische Börsenindizes noch in mittelfristigen Seitwärtspendelbewegungen stecken, hat sich die technische Lage in vielen Sektoren zuletzt deutlich verbessert. Die Aktien von Bayer, BASF und Linde sind technische (Zu-)Käufe.

          Auch wenn viele europäische Standardwerteindizes wie der Euro Stoxx 50 und der Dax trotz des zuletzt aufgetretenen freundlichen Grundtons noch in mittelfristigen Seitwärtspendelbewegungen stecken, hat sich die technische Lage in vielen Sektoren zuletzt deutlich verbessert. Dies gilt besonders für die Chemiebranche, repräsentiert durch den Stoxx Chemicals. Diese positive Tendenz im Sektorindex, der auf neue Hausse-Tops gestiegen ist, wird sowohl von den deutschen Schwergewichten als auch von mittelgroßen Werten getragen.

          Neben dem Industriegasehersteller Linde, der unverändert ein technischer (Zu-)Kauf ist, haben auch BASF und Bayer zuletzt neue Kaufsignale gegeben. Von den mittelgroßen Aktien bleibt der Chemielogistiker Brenntag ein technischer (Zu-)Kauf. Andere M-Dax-Werte wie der Basis-Chemikalienproduzent Lanxess (zuletzt neue historische Höchstkurse), der Duft- und Aromen-Produzent Symrise sowie Wacker Chemie sind nach den sehr ausgeprägten Kursgewinnen der Vormonate aus technischer Sicht eher gute Halte-Positionen.

          Branchenindex signalisiert noch weiteres technisches Aufwärtspotential

          Der Stoxx Chemicals Sektorindex, der zurzeit die 22 führenden europäischen Chemieunternehmen umfasst, wird von deutschen Unternehmen geprägt; sie haben aktuell einen Sektoranteil von circa 52,5 Prozent. Der Sektorindex war bereits im Zuge der letzten Hausse auf neue historische Höchstwerte gestiegen: Zwischen März 2003 und Juni 2008 legte der Kurs von 151 Punkten auf 530,6 Punkte zu - im Gegensatz zu vielen europäischen Standardwerteindizes wie dem Euro Stoxx 50 oder dem Dax. Ab Juni 2008 wurde der Chemiesektor auch von der damals an den internationalen Aktienmärkten laufenden Baisse erfasst. In einer kurzen, aber ausgeprägten Baisse von Juni bis Oktober 2008 musste der Index einen Kursrutsch auf etwa 264 Punkte hinnehmen. Jedoch ist der Sektorindex bereits zum Jahreswechsel 2008/2009 in eine technische Bodenformation (mittelfristiges Dreieck) hineingelaufen.

          Im April 2009 sprang der Index mit einem Investment-Kaufsignal aus der Bodenformation heraus, so dass die Aufarbeitung der Baisse in Gang gekommen ist. Der erste Hausse-Schub hat den Index zum Jahreswechsel 2009/2010 bis an die Widerstandszone um 480 Punkte geführt. Dort kam es in den Folgemonaten zu einer Seitwärtspendelbewegung mit einer Kernhandelszone von 420 Punkten bis 480 Punkte, die einen mittelfristigen, den Trend bestätigenden Charakter nach oben aufweist. Deshalb überrascht es nicht, dass der Sektor im September 2010 mit einem neuen Investment-Kaufsignal angesprungen ist, als der Kurs die Widerstandszone ab 480 Punkte überwand. Die technische Gesamtsituation deutet somit nicht nur einen Test der nächsten Widerstandszone um 530 Punkte an (im Umfeld der alten historischen Top-Kurse), sondern signalisiert noch weiteres technisches Aufwärtspotential.

          Bayer erzielt trotz der Zuordnung zum Chemiesektor bereits fast die Hälfte seines Umsatzes mit Produkten aus den Bereichen Health Care und Life Sciences. Die Aktie von Bayer hatte ab März 2009 - nach der vorherigen Baisse und ausgehend von Kursen um 32,7 Euro - zunächst eine Bodenformation in Form eines Trading-Marktes herausgebildet (Unterstützungszone um 33,0 Euro; Widerstandszone um 45,2 Euro). Ab Juli 2010 etablierte Bayer einen mittelfristigen Aufwärtstrend, wobei im September 2009 die Bodenformation mit einem Investment-Kaufsignal verlassen wurde. Diese Hausse-Bewegung hielt bis zum Jahreswechsel 2009/2010 und einem Kursniveau um 56,7 Euro an. In den ersten Wochen des neuen Jahres verließ Bayer diesen mittelfristigen Hausse-Trend allerdings, und es bildete sich ein neunmonatiger Korrekturtrend heraus mit einem Kursrückfall bis an die Unterstützungszone im Umfeld von 45,0 Euro.

          Investment-Kaufsignal bei der Aktie von Bayer

          Bayer, wo es zuletzt zu einem Wechsel im Top-Management gekommen ist, hat im September 2010 diesen Korrekturtrend mit einem neuen Investment-Kaufsignal abgeschlossen, so dass die insgesamt seit März 2009 bestehende Hausse-Bewegung wieder aufgenommen wurde. Aufgrund dieser verbesserten technischen Situation sollte Bayer, das jetzt an der Etablierung eines neuen mittelfristigen Aufwärtstrends arbeitet, zuerst die nächste Widerstandszone von 56,7 Euro bis 57,5 Euro testen. Da die übergeordnete technische Gesamtlage aber ein langfristig höheres technisches Kurspotential andeutet, bietet sich Bayer im Chemiesektor als technischer Kaufkandidat an. Jede Bayer-Position im Portfolio sollte einen strategischen Sicherungsstopp bei 43,0 Euro erhalten.

          BASF, zurzeit mit knapp 16,0 Prozent der zweitgrößte Titel im Sektorindex, war in der Baisse massiv unter Kursdruck gekommen, wobei der im Januar 2008 bei etwa 52,9 Euro startende Baisse-Trend im Oktober 2008 mit einem Ausverkauf ("technische Inselumkehr") bei Notierungen um 17,9 Euro endete. BASF war danach zum Jahreswechsel 2008/2009 in eine Seitwärtspendelbewegung (technische Bodenformation) hineingelaufen mit der Unterstützungszone um 20,5 Euro und der Widerstandszone um 28,4 Euro. Mit dem Investment-Kaufsignal vom Mai 2009 wurde nicht nur die Bodenformation verlassen und die 200-Tage-Linie übersprungen, sondern dieses war der technische Startschuss für die Hausse-Bewegung. Mit Hilfe von zwei idealtypischen Hausse-Trends stieg BASF bis zum April 2010 bis auf 48,8 Euro. Seitdem steckte die Aktie in einer Seitwärtspendelbewegung (technischer Charakter eines Dreiecks mit einem den Trend bestätigenden Charakter nach oben). In den letzten Tagen ist BASF mit einem neuen Investment-Kaufsignal wieder nach oben in Bewegung gekommen. Deshalb sollte ein Test der Widerstandszone von 52,0 Euro bis 53,0 Euro im Umfeld der bisherigen historischen Höchstkurse vom Jahreswechsel 2007/2008 nicht überraschen. Da auch hier die technische Gesamtsituation ein deutlich höheres Kurspotential für die Aktie andeutet, stellt BASF einen technischen (Zu-)Kauf dar. Der strategische Sicherungsstopp für jede BASF-Position sollte bei 38,0 Euro liegen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.
          Viele Fragen an den Präsidenten in der Whistleblower-Affäre: Donald Trump beantwortet Reporterfragen vor dem Weißen Haus.

          Telefonat mit Selenskyj : Trumps Erpressung

          Für Donald Trump ist das Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten nicht verwerflich. Er sieht nichts Schlimmes darin, seine Macht zu nutzen, um politischen Konkurrenten wie Joe Biden zu schaden. Dabei beginnt der Skandal schon an anderer Stelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.