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Technische Analyse : Für den Dax dürfte es weiter aufwärtsgehen

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Bild: F.A.Z.

Die Fortsetzung eines Trends ist stets um ein Vielfaches wahrscheinlicher ist als sein Ende, meint der Charttechniker Wieland Staud. Darum ist er auch davon überzeugt, dass der Dax ein neues Rekordhoch sehen wird.

          Ein Analyst, ein technischer zumal, macht eigentlich den ganzen lieben langen Tag nichts anderes, als Wahrscheinlichkeiten gegeneinander abzuwägen. Eine Arbeit, die hin und wieder ziemlich frustrierend sein kann, weil sie nicht selten die Mentalität eines Erbsenzählers und Buchhalters braucht. Oft sind es eben die kleinen, nicht unmittelbar sichtbaren Dinge, die eine Prognose entscheidend beeinflussen.

          Alle Analysen münden dann im Regelfall in die Antwort auf die Frage, ob die Wahrscheinlichkeit für eine Fortsetzung des Trends größer ist als 50 Prozent. Ist sie es, dann wird in der Prognose der herrschende mittel- und langfristige Trend fortgeschrieben. Ist sie es nicht, dann wird einem Trendwechsel das Wort geredet. Maßgeblich für die Abwägung der entsprechenden Wahrscheinlichkeiten sind Regeln, die oft vergleichsweise leicht aus der Vergangenheit abgeleitet werden können.

          Neues Allzeithoch in Sicht

          Die entscheidendste Regel überhaupt lautet, dass eine Fortsetzung des Trends stets um ein Vielfaches wahrscheinlicher ist als sein Ende. Das gilt selbst dann noch, wenn ein Trend schon derartig horrende Kursverluste oder atemberaubende Gewinne geschaffen hat, dass eine Fortsetzung völlig unmöglich erscheint. Wer eine Trendwende prognostiziert, der muss deshalb schon wirklich gute Gründe auf seiner Seite wissen, sonst wird das richtig schiefgehen. Eine zweite Regel lautet, dass ein Chart, der nach einer langer Korrekturphase seinem alten historischen Höchstkurs wieder sehr nahe kommt, zwar erst einmal, und das möglicherweise sogar ausgiebig, konsolidieren, aber früher oder später dennoch das alte Allzeithoch überwinden wird.

          Dax - zehn Jahre

          Wendet man die beiden Regeln auf den Deutschen Aktienindex Dax an, dann ist das Ergebnis der Analyse völlig unzweideutig: Der Dax wird erstens seine Konsolidierung unterhalb des im März 2000 erzielten Allzeithochs von im Tagesverlauf 8136 Punkten und auf Schlusskursbasis 8065 Punkten sehr wahrscheinlich fortsetzen. Dafür sprechen auch die im Chart eingetragenen Elliott-Wellen. Es deutet so manches darauf hin, dass mit den ersten Kursen über 8000 Punkte seit mehr als sieben Jahren eine Impulswelle, angedeutet durch die Ziffern 1 bis 5, abgeschlossen wurde. Zweitens ist momentan aber auch nichts unwahrscheinlicher als eine langfristige Wende.

          Rekordhoch bedeutet Luft nach oben

          Aus der begonnenen Konsolidierungsphase wird keine langfristige Trendumkehr erwachsen. Denn die Argumente, die dafür ins Feld geführt werden könnten, sind äußerst dürftig. Zwar kann die Stimmung der Investoren nicht mehr ernsthaft als pessimistisch bezeichnet werden, und auch der eine oder andere Elliott-Anhänger wird langsam vom beginnenden Ende einer großen Impulswelle seit dem Beginn der Hausse im März 2003 überzeugt sein. Aber für eine Prognose, die fundierterweise von einem Ende des Bullenmarktes ausgeht, reicht das bei weitem nicht aus. Dafür müsste der Dax zum Beispiel unter den langfristigen Aufwärtstrend bei rund 6900 Punkten zurückfallen.

          Es bleibt bei unserer Einschätzung, dass jeder Schlusskurs oberhalb von 8136 Punkten dem Dax sofort deutlichen Spielraum nach oben eröffnet. Sobald dieses Niveau ein erstes Mal überwunden wird, rechnen wir mit einem weiteren Anstieg um rund 1000 Punkte.

          Zinsen: Sechs vor dem Komma

          Jetzt jeweils ein kurzer Blick auf den S&P 500, den Euro und die Zinsen. Die Zinsen sind in den vergangenen beiden Monaten rund um den Globus ihrer wenig überzeugenden technischen Grundkonstitution gerecht geworden und für viele unerwartet dynamisch und weit gestiegen. Ein Ende dieser Entwicklung zeichnet sich nicht ab, und deshalb bleibt es auch bei unserer seit Herbst 2005 intakten Prognose stark steigender Zinsen. Mehr als die eine oder andere Verschnaufpause im langfristigen Aufwärtstrend wird es nicht geben. Früher oder später wird beiderseits des Atlantiks für die zehnjährige Rendite eine 6 vor dem Komma stehen.

          Der S&P 500 hat nach seinem in der vorvergangenen Woche erzielten Allzeithoch ziemlich unvermittelt kehrtgemacht, konsolidiert und ist dabei wieder unter seinen bisherigen historischen Höchstkurs aus dem Jahr 2000 zurückgefallen. Ein Verhalten, das zweifelsohne nicht so richtig toll ist und das man schon mit ein wenig Nachdenklichkeit kommentieren könnte. Typischerweise lösen neue Allzeithochs weitere Kurssteigerungen und nicht etwa Kursrückgänge aus. Dennoch besteht bislang kein Grund zur Sorge. Der S&P 500 wird seinen langfristigen Aufwärtstrend ebenso wie kurzfristig die Konsolidierung der vergangenen beiden Wochen fortsetzen.

          Euro: Ende einer langen Erfolgsgeschichte?

          Für den Euro wird es langsam eng. Der jüngste Rücksetzer hat ihn mittlerweile bedenklich nahe an seinen langfristigen Aufwärtstrend zurückgeführt, der momentan ziemlich exakt bei 1,31 Dollar verläuft. Auch wenn wir bei Staud Research bislang gerade noch davon ausgehen, dass dieser Trend halten wird: Lupenrein ist die Situation nicht mehr.

          Die Gefahr, dass der Euro wenigstens am vorläufigen Ende einer langen Erfolgsgeschichte angekommen ist, war zu keinem Zeitpunkt größer als derzeit. Jeder Schlusskurs unter 1,31 Dollar bricht den langfristigen Aufwärtstrend. Dann hätte der Euro für lange Zeit sein Pulver verschossen, und der Dollar wäre am Zug. Bliebe nur noch festzuhalten, dass die Aussagekraft der Analyse der besprochenen Charts ziemlich eindeutig ist.

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