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Technische Analyse : Erst nach einer Korrektur wieder Aktien kaufen

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Bild: dapd

Nach langer Hausse lässt die Dynamik bei Aktien wie Diageo, Nestlé und Roche nach. Aktuell sind mittelfristig kräftig überkaufte technische Situationen entstanden.

          3 Min.

          Der seit März 2009 laufende technische Hausse-Zyklus an den europäischen Aktienmärkten hat besonders in den Branchen Nahrungsmittel, Gesundheit und Pharma sowie Güter des persönlichen Bedarfs sehr ausgeprägte Kursgewinne geliefert. Nach der Aufwärtsbeschleunigung seit Oktober 2011 sind in den entsprechenden Branchenindizes mittelfristig kräftig überkaufte technische Situationen entstanden.

          Dies gilt auch für viele Sektorschwergewichte. Als Konsequenz werden von den europäischen Standardwerten Titel wie Diageo, Nestlé und Roche jeweils auf „technisch gut Halten“ zurückgenommen, da weitere (Zu-)Käufe einen technisch stark prozyklischen Charakter aufweisen. Bei diesen Aktien sollten zunächst mittelfristige Konsolidierungen zum Abbau der überkauften Lage einkalkuliert und abgewartet werden.

          Diageo - „technisch halten“

          Der weltweit aktive britische Getränkekonzern und Stoxx-50-Wert Diageo hat in seinem Sortiment unter anderem die Biersorte „Guinness“, den Wodka „Smirnoff“, den Likör „Baileys“, den Whiskey „Johnnie Walker“ und den Rum „Captain Morgan“. Die Aktie gehört aus technischer Sicht zu den europäischen Marathonläufern (steht für Aktien, die sich seit vielen Jahren in sehr langfristigen Aufwärtsbewegungen befinden). Ausgehend von Kursen um 154 britische Pence im September 1988, befindet sich die Aktie in einer sehr langfristigen Hausse. Hierbei hatte sich seit den frühen 1990er Jahren bis zum März 2009 ein moderates Aufwärtsmomentum herausgebildet. Seit dem Kurstief im März 2009 bei 727 Pence hat sich eine idealtypische Hausse mit einer sehr viel höheren Aufwärtsdynamik ergeben. Der zentrale, seit mehr als vier Jahren bestehende neue Hausse-Trend, der aktuell bei 1450 Pence liegt, spielt für die technische Lage eine untergeordnete Rolle.

          Eine hohe Bedeutung kommt aber dem beschleunigten Hausse-Trend zu, der sich nach dem Zwischentief bei 1082 britischen Pence (im August 2011) herausgebildet hat. Dieser von mehreren (Investment-)Kaufsignalen begleitete Trend, der Diageo auf neue Höchstkurse von rund 2115 Pence (April 2013) geführt hat, liegt aktuell bei 1930 Pence. Durch dieses hohe Aufwärtsmomentum der letzten Monate ist eine sehr ausgeprägte überkaufte Lage entstanden.

          Deshalb überrascht es nicht, dass bei Diageo dieser beschleunigte Hausse-Trend zur Disposition steht und die Aktie in eine mittelfristige Konsolidierung oder Korrektur mit der Kernhandelszone von 1800 bis 2115 Pence hineinlaufen sollte. Da der Abbau der stark überkauften Lage viele Monate in Anspruch nehmen sollte und damit bei dem Marathonläufer eine Pause ganz oben auf der technischen Agenda steht, wird die Aktie auf „technisch Halten“ zurückgenommen. Der strategische Sicherungsstopp sollte bei 1620 Pence liegen.

          Nestlé - über 70 Franken wieder ein Kauf

          Der Schweizer Nahrungsmittelhersteller und Stoxx-50-Wert Nestlé ist derzeit nach Streubesitz die größte Aktie in Europa. Dieser Titel ist der „Klassiker“ unter den europäischen Marathonläufern, wobei zusätzlich noch eine attraktive Dividendenrendite - zurzeit von rund 3,2 Prozent - vorhanden ist. Bei Nestlé liegt seit August 1990, ausgehend von Kursen um 5,60 Schweizer Franken (Kurs ist bereinigt um zwischenzeitliche Kapitalmarktaktivitäten), eine Hausse-Bewegung vor, die sich aus technischer Sicht in drei übergeordnete Phasen einteilen lässt:

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