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Technische Analyse : Die Marktaufspaltung sollte sich verstärken

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Automobil- und Technologie-Sektoren zeigen sich in diesen Wochen technisch angeschlagen. In einigen defensiven Sektoren hat sich die Lage dagegen leicht verbessert, meint Charttechniker Achim Matzke. Er hat Novartis, Philips und Carrefour untersucht.

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          In den vergangenen Wochen haben sich die Umfeldfaktoren für die europäischen Aktienmärkte verschoben, wie sich an den gestiegenen Kapitalmarktrenditen und dem wieder deutlich festeren Euro gegenüber dem Dollar zeigt. Diese Belastungsfaktoren hatten zunächst die mittelfristige Aufwärtsdynamik in den führenden europäischen Standardwerte-Indizes verlangsamt, wobei es in den jüngsten Tagen technische Hinweise auf eine ausgeprägte Konsolidierung gibt.

          Hierbei fällt aus technischer Sicht auf, daß es bei ausgewählten währungssensitiven Sektoren wie beispielsweise dem Automobilbereich sowie im Technologiesektor oder in technologienahen Bereichen zu ausgeprägtesten technischen Verschlechterungen gekommen ist. Demgegenüber hat sich die Lage in ausgewählten, eher defensiven Wachstumssektoren sowie im Konsumbereich leicht verbessert. Hier zeigt sich aus technischer Sicht, daß Investoren zum Teil ihre Hausse-Gewinne sicherstellen und ihre Portfolios bereits etwas defensiver ausrichten.

          Philips: Strategischer Sicherungsstopp bei 24 Euro

          Die Aktie von Philips (Isin NL0000009538), die zwar im Dow Jones Stoxx Personal&Household Goods eingruppiert ist, weist aus technischer Sicht weiterhin einen Kursverlauf mit einem „technologienahen“ Charakter auf. Die Aktie von Philips war nach der Baisse (von September 2000 bis zum März 2003; Kursrückgang von 58,3 auf 12,5 Euro) im Jahr 2003 in einen Comeback-Trend auf 26,3 Euro hineingelaufen. Im Jahr 2004 gab es bereits wieder einen Korrekturtrend, der ab dem August 2004 - startend bei 17,8 Euro - in eine neue langfristige Aufwärtsbewegung mündete. Hierbei ergab sich zunächst ein Wechselspiel von Kaufsignalen, kurzfristigen Aufwärtsrallys und trendbestätigenden Konsolidierungen. Nach der ausgeprägten Aufwärtsbeschleunigung im vierten Quartal 2005 hat sich bei Philips eine Seitwärtspendelbewegung mit der Unterstützung bei etwa 26 Euro und einer Widerstandszone um 28,2 Euro ergeben.

          Philips
          Philips : Bild: FAZ.NET

          Was aus technischer Sicht zunächst wie eine trendbestätigende Konsolidierung (nach oben) aussah, hat sich aber negativ entwickelt. Philips ist bei steigenden Volumina mit einem Verkaufssignal aus dieser Range herausgefallen, so daß die 19monatige Aufwärtsbewegung beendet ist und zusätzlich eine Kursetablierung unterhalb der 200-Tage-Linie einkalkuliert werden sollte. Deshalb sollten tradingorientierte Positionen geschlossen und mittel- und langfristige technische Investment-Positionen mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 24 Euro (unterhalb der 200-Tage-Linie) belegt werden. Denn rutscht die Aktie auch noch unter diese Marke, sollte eine Philips-Position geschlossen werden, da mittelfristig eine weitere technische Verschlechterung anstehen sollte.

          Novartis nur noch eine „Halte-Position“

          Beim Schweizer Pharma-Riesen Novartis (CH0012005267) war es, ausgehend von den vorherigen historischen Top-Kursen um 74,4 Schweizer Franken, die als langfristige technische Widerstandszone arbeiten, ab dem Jahreswechsel 2000/2001 zu einer moderaten Baisse-Bewegung gekommen. Zwar erreichte Novartis bereits im März 2003 bei etwa 45,2 Franken das Baisse-Low, jedoch wurde der zentrale, vierjährige Baisse-Trend erst mit dem Abschluß der langfristigen, fast zweijährigen Bodenformation (Seitwärtspendelbewegung unterhalb der gestaffelten Widerstandszone von 59 bis 60 Franken) im Mai 2005 mit einem Investmentkaufsignal verlassen.

          Die neue mittelfristige Aufwärtsbewegung hat die Aktie in mehreren Schüben und in den vergangenen drei Monaten mit Hilfe eines mittelfristigen Aufwärtstrendkanals wieder bis an die Widerstandszone in der Nähe der historischen Topkurse geführt. Nachdem es Novartis nicht gelungen war, diese Widerstandszone zu überwinden, ist es bei hohen Volumina zu einem Take-Profit-Signal gekommen. Da sich zunächst nur eine mittelfristige Seitwärtspendelbewegung unterhalb der jetzt bestätigten Widerstandszone andeutet, sollten aus technischer Sicht tradingorientierte Positionen geschlossen werden. Da Novartis aus technischer Sicht nur noch eine „Halte-Position“ ist, sollte diese mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 67 Franken belegt werden. Hierdurch würde die Position bei einer weiteren mittelfristigen technischen Eintrübung automatisch geschlossen.

          Carrefour besonders an schwachen Tagen ein Kauf

          Es gibt nur noch wenige DJ Euro Stoxx 50-Titel, die aus technischer Sicht mit Blick auf Neuengagements aktuell ein interessantes Gesamtbild aufweisen. Hierzu zählt derzeit Carrefour (FR0000120172). Die Aktie von Carrefour war nach der technischen Neubewertung in den neunziger Jahren - ausgehend von einem Kurstop bei etwa 96 Euro im November 1999 - in einen idealtypischen, langfristigen, moderaten Baisse-Trend hineingelaufen. Zwar erreichte der Wert bereits im März 2003 sein Baisse-Tiefpunkt bei 29,2 Euro, jedoch wurde der entsprechende Baisse-Trend erst im vierten Quartal 2003 in eine langfristige technische Seitwärtspendelbewegung verlassen. Bei zurückfallender Schwankungsintensität in der Aktie ergab sich innerhalb dieser fast dreijährigen Seitwärtspendelbewegung in den vergangenen 15 Monaten eine technische Bodenformation (Aufwärtsdreieck mit der Widerstandszone um 42 Euro).

          Im Februar 2006 ist Carrefour mit einem Investmentkaufsignal (von hohen Volumina begleiteter Sprung über die Widerstandszone um 42 Euro) aus der Bodenformation herausgekommen und arbeitet aus technischer Sicht zunächst an der Etablierung eines mittelfristigen Aufwärtstrends. Nach über sechs Jahren mit einer wenig überzeugenden Kursentwicklung kommt damit bei Carrefour die Aufarbeitung der Baisse - allerdings mit einer moderaten Kursentwicklung - in Gang, wobei langfristig Kurse über 50 Euro anstehen sollten. Aufgrund dieser technischen Gesamtlage ist Carrefour - besonders an schwachen Tagen - ein Kauf. Trotz der ansprechenden technischen Gesamtsituation sollte jede Carrefour-Position mit einem Sicherungsstopp bei 40 Euro belegt werden.

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