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Technische Analyse : Die Aufwärttrends brechen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die derzeit laufende Korrektur an den Märkten zerstört bei vielen Aktien die Aufwärtstrends. Der Charttechniker Achim Matzke sieht zum Beispiel bei Aegon, Alcatel und Repsol Take-Profit- und Verkaufssignale.

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          Nach über drei Jahren Hausse, die sich sowohl ab August 2004 als auch nochmals ab Herbst 2005 deutlich beschleunigt hatte, ist es in den letzten Wochen bei den führenden Aktienindizes zu einer ausgeprägten Gegenbewegung gekommen.

          Während es bei den Indizes zunächst wie eine normale Konsolidierung der ausgeprägten Kursgewinne der Vormonate aussieht, ist es bei der Marktbreite, also der isolierten technischen Situation der europäischen Standardwerte, zu einer eindeutigen Eintrübung gekommen, die sich bei vielen Titeln quer durch die Branchen wiederfindet. An den Beispielen der „Dow Jones Euro Stoxx 50“-Titel Aegon, Alcatel und Repsol wird aus technischer Sicht aufgezeigt, daß Take-Profit- und Verkaufssignale zur Vorsicht mahnen und bei diesen Werten eine Liquiditätsbeschaffung nahelegen.

          Aegon: Unter der 200-Tage-Linie

          Bei Aegon (NL0000303709) endete die Baisse der Jahre 1999 bis 2003 nach einem Kursrückgang von 53,60 auf 5,60 Euro im März 2003 in einem Ausverkauf. Der zunächst relativ moderat ausgefallene Comeback-Trend des Jahres 2003 wurde im Jahr 2004 von einem Korrekturtrend abgelöst. Die idealtypische Doppelboden-Formation (unterhalb der Widerstandszone um 9,40 Euro im dritten Quartal 2004) war der erste technische Hinweis auf einen neuen Hausse-Trend. Dieser bildete sich nach dem Investmentkaufsignal (im November 2004, Verlassen der Bodenformation und Abschluß des vorherigen Korrekturtrends).

          Aegon
          Aegon : Bild: FAZ.NET

          In den folgenden zwanzig Monaten ergab sich ein Wechselspiel von (Investment-)Kaufsignalen, kurzfristigen Aufwärtstrends und trendbestätigenden Konsolidierungen, wobei der Hausse-Trend zuletzt bei 13,30 Euro (direkt unterhalb der steigenden 200-Tage-Linie) angekommen war. Bei Aegon bildete sich oberhalb der Unterstützungszone um 14 Euro eine Doppel-Top-Formation, die die Aktie mit einem Gewinn-mitnehmen-Signal verließ. Die folgende kurzfristige Abwärtsbewegung hat bei Aegon sowohl für eine Kursetablierung unterhalb der 200-Tage-Linie gesorgt als auch den Hausse-Trend der letzten zwanzig Monate zur Disposition gestellt. Da sich bei Aegon aus mittelfristiger technischer Sicht wieder ein Korrekturtrend andeutet, bietet sich hier eine Liquiditätsbeschaffung durch eine Positionsschließung an.

          Alcatel: Aufwärtstrend verlassen

          Der französische Technologie-Konzern Alcatel (FR0000130007), der in der Baisse (von September 2000 bis September 2002) einen Kursrückgang von 97,10 auf 2,05 Euro hinnehmen mußte, durchlief im Jahr 2003 - nach dem Verlassen der Kopf-Schulter-Kaufformation unterhalb von 6,50 Euro - einen Comeback-Trend. Jedoch war Alcatel aus technischer Sicht nicht in der Lage, ein langfristiges Comeback zu etablieren, sondern - ausgehend von 14,80 Euro - es ergab sich ab März 2004 wieder ein einjähriger Korrekturtrend mit einem Kurstief bei 8,10 Euro. In den letzten zwölf Monaten etablierte Alcatel dann wieder einen moderaten Aufwärtstrend, wobei die Ankündigung der Fusion mit dem amerikanischen Technologie-Konzern Lucent noch eine Aufwärtsbeschleunigung bis auf 13,80 Euro ergab.

          Trotzdem war Alcatel nicht in der Lage, die seit dem 1. Quartal 2004 bestehende Widerstandszone oberhalb von 14 Euro anzugehen. Statt dessen hat Alcatel den Aufwärtstrend der letzten zwölf Monate mit einem Verkaufssignal verlassen. Einerseits verfestigt sich damit die Seitwärtspendelbewegung der letzten 30 Monate, andererseits sollte die Umsetzung der Fusion mit Lucent zunächst wenig neue Kursphantasie hervorrufen, so daß eine Liquiditätsbeschaffung aus technischer Sicht sinnvoll ist.

          Repsol: Technischer Verkauf

          Beim spanischen Öl- und Gas-Konzern Repsol (ES0173516115) hatte sich nach der Baisse (von Dezember 1999 bis Juli 2002; Kursrückgang von 24,20 auf 10,10 Euro) im zweiten Halbjahr 2003 eine klassische Bodenformation (Aufwärtsdreieck unterhalb der Widerstands-Zone um 13,80 Euro) ergeben. Nach dem Verlassen des Baisse-Trends und der Kursetablierung oberhalb der 200-Tage-Linie etablierte Repsol ab April 2003 mit einigen Investmentkaufsignalen einen idealtypischen Hausse-Trend, der sich danach zu einem technischen Neubewertungstrend ausweitete. Mit dem Rückenwind der positiven technischen Entwicklung im Öl- und Gas-Sektor, der in den letzten Jahren die Hausse an den europäischen Aktienmärkten mit angeführt hatte, beschleunigte sich die Hausse in Repsol besonders im dritten Quartal 2005, so daß sich nach 30 Monaten Hausse-Trend und einem Gesamtkursgewinn von mehr als 170 Prozent eine mittelfristig stark überkaufte Lage ergab.

          Vor dem Hintergrund der Diskussion über die Lage der Öl- und Gas-Konzerne in Südamerika hatte Repsol ab dem vierten Quartal 2005 zunächst mit Gewinn-mitnehmen-Signalen zu kämpfen. Im ersten Quartal 2006 folgte die Kursetablierung unterhalb der 200-Tage-Linie. In den letzten Wochen sorgte das sehr ausgeprägte Verkaufssignal (Rutsch durch die Unterstützung um 23 Euro) dann für ein Verlassen des technischen Neubewertungstrends und die Ausweitung des seit einigen Monaten vorliegenden Korrekturtrends. Auf Grund der fehlenden technischen Phantasie bezüglich Repsols und besserer technischer Investmentalternativen (auch im Öl- und Gas-Sektor) ist die Aktie ein (technischer) Verkauf.

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