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Technische Analyse : Der Dax hat die Tiefs noch vor sich

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Kurssturz am Dienstag hat aus technischer Sicht die Hoffnung auf eine Erholung wieder zunichte gemacht. Auch der Dow Jones hängt am seidenen Faden. Ein dramatischer Absturz ohne Aussicht auf stabile Unterstützungen ist gut möglich.

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          Als Kolumnist der F.A.Z. ist man gehalten, sich mit Kraftausdrücken zurückzuhalten. Ausdrücke, wie wir sie auch unserem Nachwuchs verbieten würden, sind an dieser Stelle nicht willkommen. Das ist verständlich. Dennoch möchte man manchmal mit genau solchen Worten das kommentieren, was sich an den Börsen der Welt abspielt.

          Am Dienstag der gerade zu Ende gehenden Woche etwa rutschte mir angesichts der Entwicklung im späten Xetra-Handel ein ganz zentraler „Kraftausdruck“ gleich mehrfach heraus. Nachdem der Dax sich bis in die späten Nachmittagsstunden mehr oder wenig unverändert gezeigt hatte, gab er in der letzten Handelsstunde kräftig nach. Letztlich war nicht der Kursverlust von vier Prozent, der unterm Strich auf den Kurstafeln stand, das Problem. Sondern die technische Ausgangslage, aus der er entstanden war. Diese war gar nicht so schlecht gewesen und hatte noch auf den einen oder anderen freundlichen Tag in den nächsten ein bis zwei Wochen hoffen lassen.

          In 90 Minuten die Hoffnungen begraben

          Tatsächlich genügten jedoch 90 Minuten im Handelsverlauf, um selbst die kleinsten Hoffnungen wieder fast komplett zu begraben. Das ist fatal. Wenn selbst solche guten Chancen für die kurzfristige Zukunft so sang- und klanglos vergeben werden, braucht man sich gar nicht erst Hoffnungen für die mittelfristige Zukunft zu machen.

          Es muss also alles beim Alten bleiben. Der Dax hat das Tal der Tränen noch nicht durchschritten. Seine Baissetiefs liegen noch vor uns. Mit Kursen zwischen 3300 und 3600 Punkten muss weiterhin gerechnet werden. Wer das nicht tut, der könnte sich dereinst einen echten Bärendienst erwiesen haben. Möglicherweise werden uns diese neuen Tiefs unter 4000 Punkten sogar sehr viel früher die Laune verderben, als selbst ich das gerade nach der vorteilhaften Entwicklung der vergangenen beiden Wochen erwartet hatte. Da passt es ins Bild, dass die Zahl der Bären in den vergangenen Wochen spürbar abgenommen hat. Nach meinen Beobachtungen sind mittlerweile die Mahner und Warner im Vergleich zu den immer noch oder schon wieder frohlockenden Optimisten wieder in die Minderheit geraten. Das ist nicht gut.

          Falscher Schritt könnte dramatische Kursverluste auslösen

          Auch der Chart des Dow Jones ist nach dem Einschlag vom vergangenen Dienstag nicht mehr das, was man vergnügungssteuerpflichtig nennen wollte. Seit diesem analytisch bedeutenden Tag hängt er so sehr am seidenen Faden wie seit dem vergangenen Herbst nicht mehr. Jeder weitere Schritt in die falsche Richtung könnte möglicherweise sogar dramatische Kursverluste nach sich ziehen. Es muss sich wohl niemand mehr besonders viele Gedanken über die Unterstützungszone zwischen 7550 und 7250 Punkten machen. Wer schon jetzt darauf setzt, dass es dort zu einem dauerhaften Doppelboden kommen wird, der spielt auch Lotto in der sicheren Erwartung, den Volltreffer zu landen.

          Die Frage, die sich anschließen muss: Wo sind die nächsten wichtigen Auffanglinien, die einem Absturz ein Ende bereiten könnten? Mit Sicherheit ist das eine berechtigte Frage, aber auch eine mit einer mit ebenso großen Sicherheit sehr schwierigen Antwort. Denn die nächsten sinnvollen Unterstützungen sind ungefähr genauso weit weg wie Frau Ypsilanti vom SPD-Vorsitz. Es geht nicht um ein paar hundert, sondern eher um ein- oder zweitausend Punkte und damit um Niveaus, die man weder besonders fett in den Chart einzeichnen noch ernsthaft diskutieren will. Sollte der Dow Jones wirklich dorthin kommen, was heute kein technischer Analyst völlig ausschließen kann, dann dürfte die Krise biblische Ausmaße angenommen und auch hierzulande manches geändert haben. Ich hatte in den vergangenen sechs bis zwölf Monaten schon das eine oder andere Mal geschrieben: Wenn ich mit dieser Prognose falsch liegen sollte, dann wäre es eine sehr wünschenswerte und die bislang schönste Fehlprognose meines Berufslebens.

          Gold auf dem Weg zu neuem Höhenflug

          Die Feinunze Gold hat unerwartet früh mit Kursen über 925 Dollar den kurzfristigen Abwärtstrend gebrochen und sich damit, sollte dieses Niveau auch zum Wochenschluss Bestand haben, schon jetzt zu einem neuen Höhenflug aufgemacht. Die bislang erwarteten historischen Höchstkurse deutlich oberhalb der bislang erreichten 1030 Dollar je Unze dürften sich noch im Laufe der nächsten Monate einstellen können.

          Eine Entwicklung, die man wohl als weitere passende Facette der gegenwärtigen Gemengelage interpretieren darf. Wenn die Bonität ganzer Staaten in Zweifel gezogen wird, manche Staatsanleihen manchem keine ausreichende Sicherheit mehr bieten, die Aktienmärkte am Boden liegen und demnächst wahrscheinlich noch tiefer notieren und wenn auch mit Immobilien und Rohstoffen kein Staat zu machen ist - dann haben steigende Notierungen für das Krisenmetall einen Sinn.

          Das ist insgesamt ein Ausblick, der seinen ganz eigenen, wenig willkommenen Charme hat. Sollten sich die Annahmen bestätigen, lägen der Höhepunkt der Krise und die Tiefs der Kurse noch weit vor uns. Mancher Kraftausdruck würde dann wohl auch noch durch zusammengepresste Lippen seinen Weg nach draußen finden - wenn bis dahin nicht Lethargie und Fatalismus Platz gegriffen haben sollten.

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