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Technische Analyse : Defensive Aktien aus dem Gesundheitsbereich empfehlen sich

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Attraktive Rendite: Glaxo Smithkline ist aus mehreren Fusionen von Pharmakonzernen entstanden Bild: dapd

Aktuell sind Neuengagements nur in wenigen Titeln sinnvoll. Die Titel Glaxo Smithkline, Celesio und Jenoptik stammen aus der Gesundheitsbranche - und fallen als Kaufkandidaten auf.

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          Nach Monaten einer technischen Bilderbuch-Hausse haben zuletzt moderatere Konjunkturdaten und -prognosen eine langsamere Gangart an den internationalen und deutschen Aktienmärkten bewirkt. Hierbei mussten ausgewählte konjunktursensible Automobil- und Industriegüter-Aktien scharfe Kurskorrekturen hinnehmen. Demgegenüber, auch verstärkt durch die Kursrückgänge bei vielen Rohstoffen, setzen wieder Zinssenkungsspekulationen mit zum Teil sehr ausgeprägten Kursgewinnen bei den südeuropäischen Staatsanleihen ein.

          Deshalb überrascht es nicht, dass zinssensible Sektoren wie Banken und Versicherungen, aber auch defensive Wachstumswerte aus dem Gesundheitsbereich mit technischen Verbesserungen aufgefallen sind. Um nach den Kursgewinnen seit dem Sommer vergangenen Jahres keine stark prozyklischen (Zu-)Käufe vorzunehmen, sind aktuell nur Neuengagements in wenigen Titeln sinnvoll. Hier fallen bei den Standardwerten der britische Stoxx 50-Wert Glaxo Smithkline, aus dem Bereich der mittelgroßen deutschen Werte der M-Dax-Titel Celesio und aus dem Tec-Dax Jenoptik positiv auf.

          Der Sektorindex Stoxx Health Care umfasst zurzeit die 35 führenden europäischen Aktien aus dem Bereich Gesundheit, Pharma und Biotechnologie. Vor dem Hintergrund der Hausse der amerikanischen Pharma- und Biotechnologie-Aktien haben sich viele europäische Werte dieser Kurstendenz angeschlossen und den Sektorindex auf historische Höchststände geführt. Erst in den vergangenen Wochen haben sich auch die britischen Sektorschwergewichte dieser Hausse angeschlossen.

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          Glaxo Smithkline, die aus mehreren Fusionen von Pharmakonzernen entstanden ist, hatte nach der technischen Hausse der 1990er Jahre im Januar 1999 Höchstkurse bei zirka 2330 britischen Pence erreicht. Im Gegensatz zu anderen Pharmawerten, die danach in eine jahrelange Seitwärtspendelbewegung hineingelaufen waren, hatte Glaxo Smithkline mit einer sehr langfristigen, moderaten Abwärtsbewegung zu kämpfen. Diese hatte im Bereich von 980 Pence eine langfristige, mehrfach getestete Unterstützungszone etabliert. Seit dem Jahreswechsel 2007/2008 hatte sich zwischen dieser Zone und dem Widerstandsbereich um 1.345 Pence ein langfristiges technisches Aufwärtsdreieck (eine technische Bodenformation) ergeben.

          Zum Jahreswechsel 2011/2012 kam GlaxoSmithKline mit einem Investment-Kaufsignal aus dieser Formation heraus und lief bis zur nächsten, letztendlich seit 2002 bestehenden langfristigen Widerstandszone von 1.515 bis 1.600 Pence. Nach einer mittelfristigen, trendbestätigenden Konsolidierung an beziehungsweise unterhalb dieser Zone ist die Aktie in den vergangenen Wochen mit einem neuen, ausgeprägten Investment-Kaufsignal nach oben ausgebrochen. Hierdurch hat der Wert erst jetzt die seit 13 Jahren bestehende, moderate Abwärtsbewegung verlassen.

          Da das langfristige technische Gesamtbild bei Glaxo Smithkline ein Kurspotential bis zur Widerstandszone von 2.000 bis 2.100 Pence andeutet, stellt die Aktie einen technischen (Zu-)Kauf dar. Darüber hinaus weist diese Aktie eine attraktive Dividendenrendite von zirka 4,6 Prozent auf. Der M-Dax-Wert Celesio, dessen Geschäftsschwerpunkt bei internationalen Dienstleistungen inklusive Logistik- und Distributionslösungen für die Pharma- und Gesundheitsmärkte liegt, hatte seit 2007 eine technische Musterbaisse durchlaufen.

          Es bietet sich eine technische Doppelstrategie an

          Ausgehend von Kursen um 55,50 Euro ergab sich ein Wechselspiel aus Verkaufssignalen, mittelfristigen Abwärtstrends und mittelfristigen, (nach unten) trendbestätigenden Konsolidierungen. Diese Baisse wurde von einem zentralen Baisse-Trend begrenzt, der Mitte 2012 bei etwa 15,50 Euro lag. Hierdurch zeigte die Aktie - auch in den vergangenen Quartalen - eine ausgeprägte relative Schwäche gegenüber dem M-Dax, der bis zuletzt mit einer technischen Rekordfahrt auf historische Höchstkurse glänzen konnte.

          Seit dem technischen Ausverkauf im vierten Quartal 2011 mit einem Kurseinbruch bis auf etwa 9,20 Euro deutet sich aber eine grundlegende technische Veränderung bei Celesio an. Zunächst hat die Aktie den zentralen Baisse-Trend zur Seite verlassen. Insgesamt hat sich in den vergangenen 18 Monaten eine technische Dreiecksformation mit der gestaffelten Widerstandszone von 15,50 bis 15,90 Euro herausgebildet. Hierbei sollte es sich um eine bereits weit fortgeschrittene technische Bodenformation handeln.

          Damit bietet sich eine technische Doppelstrategie an. Zuerst sollte eine Anfangsposition in Celesio aufgebaut werden. Gelingt es der Aktie, in den kommenden Wochen oder Monaten die Bodenformation mit einem Investment-Kaufsignal zu verlassen (liegt bei Kursen von mehr als 16 Euro vor), sollte die Position ausgebaut werden. Denn in diesem Fall dürfte ein neuer mittel- und langfristiger Aufwärtstrend für eine Aufarbeitung der vorherigen Baisse sorgen.

          Das im Tec-Dax notierte Technologie-Unternehmen Jenoptik ist ein technisches Beispiel dafür, wie eine jahrelange Baisse und eine mehrjährige Bodenformation von einer langfristigen technischen Hausse abgelöst werden können. Zuerst steckte Jenoptik seit den historischen Höchstkursen um 35,50 Euro (September 2000) in einer sehr langfristigen Baisse, die im Juni 2009 bei Kursen um 2,80 Euro ihr Tief fand. Jedoch gelang es erst im zweiten Halbjahr 2010, den zentralen, zehnjährigen Baisse-Trend zur Seite zu verlassen.

          Insgesamt bildete sich bei der Aktie seit dem Sommer 2008 unterhalb der mehrmals getesteten Widerstandszone von 5,60 Euro bis 6,20 Euro eine mehrjährige Bodenformation (ebenfalls in Form eines langfristigen Aufwärtsdreiecks) heraus. Im vierten Quartal 2012 ist es Jenoptik mit einem übergeordneten Investment-Kaufsignal (bedeutet: nachhaltiger Sprung über die langfristige Widerstandszone um 6 Euro) gelungen, die Bodenformation zu verlassen.

          Als technische Konsequenz kommt die Aufarbeitung der Baisse der Jahre 2000 bis 2010 jetzt in Gang. Nach dem ersten Aufwärtsschub auf ein Niveau um 8 Euro befand sich die Aktie zuletzt in einer Konsolidierung mit einem trendbestätigenden Charakter nach oben. Zuletzt hat Jenoptik mit einem Kaufsignal nachgelegt. Da sich bei Jenoptik als nächstes technisches Etappenziel der Bereich um 10 Euro andeutet, bleibt die Aktie ein (Zu-)Kauf.

          Der Autor leitet das europäische Indexresearch von Commerzbank Corporates & Markets.

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