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Technische Analyse : Bei einigen Standardwerten ist Vorsicht angebracht

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Bild: F.A.Z.

An den Börsen deutet sich wegen einer langsameren Gangart der Weltwirtschaft und der Euro-Schuldenproblematik eine mittelfristige Konsolidierung an. Die Aktien von Arcelor-Mittal, Carrefour und Philips stehen auf der Verkaufsliste.

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          Die deutschen und die amerikanischen Aktienmärkte verzeichnen eine ausgeprägte mittelfristige Aufwärtsbewegung. Sie wurde nur kurz durch die Ereignisse in Japan unterbrochen. Innerhalb der seit März 2009 laufenden Hausse war es von September 2010 bis Anfang Mai 2011 zu einem Dax-Anstieg von 5833 auf 7600 Punkte gekommen. Jetzt deutet sich - begleitet von der Diskussion um eine langsamere Gangart der Weltwirtschaft und von der Diskussion um die Schuldenproblematik einiger Euro-Peripherieländer - eine mittelfristige Konsolidierung an.

          Zusätzlich sollte aber auch eine Abschwächung der mittelfristigen Aufwärtsdynamik bei den führenden Aktienindizes einkalkuliert werden. In solch einer Börsenphase verlieren einige Standardwerte außerhalb des Finanzbereiches den technischen Anschluss. Deshalb bieten sich - aufgrund ihrer verschlechterten mittelfristigen technischen Gesamtlage - einige Euro-Stoxx-50-Werte wie Arcelor-Mittal, Carrefour, Eni, Nokia, Philips und Telecom Italia sowie die deutschen Versorger Eon und RWE jeweils zur Liquiditätsbeschaffung beziehungsweise zum Tausch in attraktivere Investments an.

          Aktie von Arcelor-Mittal kann nicht mehr an die früher Hausse anknüpfen

          Dem Euro-Stoxx-50-Wert Arcelor-Mittal, einem der führenden Stahlproduzenten weltweit, gelingt es aus technischer Sicht in den vergangenen drei Jahren nicht mehr, an die technische Bilderbuch-Hausse der Jahre 2001 bis 2008 anzuknüpfen. In diesem Zeitraum war die Aktie - bereinigt um Kapitalmaßnahmen - von 0,85 Euro auf rund 64,30 Euro gestiegen. Die anschließende Baisse (Juni 2008 bis März 2009) mit einem Kursrückgang von etwa 64,30 Euro bis auf 11,90 Euro wurde insgesamt zum Jahreswechsel 2008/2009 durch eine technische Doppelbodenformation abgeschlossen. Jedoch endete die Zwischenhausse in der Aktie im ersten Halbjahr 2010 oberhalb der Unterstützungszone um 25 Euro in einer mittelfristigen Doppeltop-Formation.

          Vom Sommer 2010 an (Start bei 20,20 Euro) hatte sich Arcelor-Mittal der Aufwärtsbewegung des Gesamtmarkts angeschlossen, aber mit einem geringen mittelfristigen Aufwärtsmomentum. Da es der Aktie im ersten Quartal 2011 nicht gelungen war, sich nachhaltig oberhalb von 25 Euro zu etablieren, überrascht es nicht, dass sich - ausgehend von einem Kursniveau um 28,50 Euro - wieder ein Abwärtstrend (Abwärtstrendlinie aktuell bei etwa 25 Euro) herausgebildet hat. Bei Arcelor-Mittal, die im Januar 2011 ihre Edelstahlsparte abgespaltet ("Spin-Off") und als separates Unternehmen Aperam an der Börse gelistet hat, gab es in den vergangenen Wochen mit dem Rutsch durch die Unterstützung um 23,50 Euro bis 24 Euro ein neues Verkaufssignal. Aufgrund der eingetrübten mittelfristigen technischen Lage und der fehlenden langfristigen technischen Perspektiven bietet sich bei Arcelor-Mittal ein technischer Verkauf oder ein Tausch in attraktivere Titel an.

          Bei der Aktie des französischen Warenhauskonzerns Carrefour bestehen die vergangenen 20 Jahre aus übergeordneter technischer Sicht bisher nur aus zwei Bewegungen. Zunächst die Hausse-Bewegung von 1990 bis 1999 mit einem Kursanstieg von rund 6,35 Euro auf 96,70 Euro. Seit mehr als zehn Jahren befindet sich Carrefour in einer Baisse-Bewegung, die von einem zentralen Baisse-Trend, der aktuell bei etwa 45 Euro liegt, begrenzt wird. Während der Gesamtmarktbaisse von 2007 bis 2009 musste Carrefour einen Kursrückgang von etwa 58,50 Euro auf rund 22,10 Euro hinnehmen.

          Parallel zur Gesamtmarkterholung seit März 2009 konnte auch Carrefour einen Aufwärtstrend etablieren. Da dieser nur eine geringe mittelfristige Aufwärtsdynamik aufwies, gelang es Carrefour mit Top-Kursen um etwa 41,40 Euro (September 2010) nicht, bis an den zentralen Baisse-Trend heranzukommen.

          Mittelfristige technische Lage bei der Aktie von Philips hat sich verschlechtert

          Im November 2010 hat Carrefour diesen Aufwärtstrend mit einem neuen Verkaufssignal verlassen und befindet sich seitdem in einem Korrekturtrend (Korrekturtrendlinie aktuell bei etwa 33 Euro). Bei Carrefour fehlen aus technischer Sicht die Hinweise, dass sich in den kommenden Monaten das mittelfristige, aber auch das übergeordnete, langfristige Gesamtbild grundlegend verbessern sollte. Deshalb bleibt Carrefour ein technischer Verkauf oder Tausch.

          Beim niederländischen Philips Electronics, dessen Aktien ebenfalls im Euro Stoxx 50 gehandelt werden, endete die vorherige Baisse (von Juli 2007 bis April 2009; Kursrückgang von 33,30 Euro auf 10,80 Euro) zum Jahreswechsel 2008/2009 in einer klassischen technischen Bodenformation in Form eines "mittelfristigen Diamanten". Im Sommer 2009 war die Aktie dann mit einem Investment-Kaufsignal aus dieser Bodenformation herausgelaufen und hatte - eher untypisch für diese Aktie - einen idealtypischen Hausse-Trend etabliert, wobei Kursniveaus um 27 Euro (April 2010) erreicht wurden. Was nach dem Verlassen des Hausse-Trends (2. Quartal 2010) zunächst wie der Eintritt in eine normale mittelfristige Konsolidierung aussah, hat sich in den Folgemonaten aber zu einer technischen Korrektur ausgeweitet.

          Begleitet von der Bekanntgabe der Geschäftsentwicklung hat sich bei Philips in den letzten Wochen die mittelfristige technische Lage grundlegend verschlechtert. Mit dem Rutsch durch die Unterstützungszone um 21 Euro und dem übergeordneten Verkaufssignal hat Philips einen neuen, wenn auch moderaten Baisse-Trend etabliert. Die Baisse-Trendlinie liegt bei etwa 24,70 Euro. Da es bei Philips wieder viele Monate dauern sollte, bis sich eine neue, mittelfristige Bodenformation herausgebildet hat, und zusätzlich die seit mehr als einem Jahr vorliegende Seitwärtspendelbewegung oberhalb des Kursniveaus um 21 Euro als langfristige Widerstandszone einem erneuten Kursanstieg im Wege stehen sollte, stellt die Aktie einen technischen Verkauf (besonders in Kurserholungen) oder auch ein Tausch in andere attraktivere Standardwerte dar.

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