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Talfahrt auf den Märkten : Gewinnrevisionen nehmen kein Ende

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

In hohem Tempo passen die Börsianer ihre Gewinnschätzungen nach unten an - und das Ende der Prognosekorrekturen scheint noch lange nicht erreicht. Trotzdem gilt das Rückschlagpotential an den Aktienmärkten als hoch.

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          Die weltweiten Aktienmärkte setzen die Talfahrt des vergangenen Jahres in unvermindert hoher Geschwindigkeit fort. Das Kursbarometer MSCI World hat mit einem Abschlag von rund 9 Prozent im Januar den schlechtesten Start in ein neues Jahr seit der Auflegung des Index im Jahr 1970 verzeichnet. Der Dax hat seit Jahresbeginn schon wieder um rund 12 Prozent nachgegeben. Am Montag verlor er bis Handelsschluss 1,55 Prozent auf 4271 Punkte. Gelegentliche Erholungsphasen in den vergangenen fünf Wochen entpuppten sich lediglich als kurzfristiges Phänomen. „Wir haben es mit einer ausgeprägten Baisse zu tun“, sagt Felix Adrian, Leiter Aktien bei der Fondsgesellschaft Cominvest. Die Finanzkrise bringe strukturelle Probleme mit sich, die sich nicht rasch lösen ließen.

          Mit der laufenden Quartalsberichterstattung der Unternehmen ist inzwischen wieder die schwierige Gewinnsituation stärker in den Vordergrund gerückt. In einem rasanten Tempo wurden die Gewinnschätzungen von Analysten über die vergangenen sechs Monate zurückgenommen. Gingen sie beispielsweise für die zyklischen Euro-Stoxx-Werte im vergangenen August noch von einem Wachstum des Gewinns im Jahr 2009 um etwa 8 Prozent aus, so ist inzwischen von einem Rückgang des Gewinns um rund 20 Prozent die Rede. Für die defensiven Euro-Stoxx-Titel wurden die Gewinnerwartungen 2009 im gleichen Zeitraum von 12 auf 5 Prozent Wachstum zurückgenommen.

          Weitere Rückschläge erwartet

          Vor diesem Hintergrund wird die Botschaft, dass bislang die Mehrzahl der Unternehmen die Erwartungen zum Geschäftsverlauf im letzten Quartal 2008 übertroffen hat, an der Börse nur mit Vorsicht genossen. Unter den Marktakteuren scheint sich vielmehr der Eindruck festzusetzen, dass die schon erfolgten kräftigen Prognosekorrekturen immer noch nicht ausreichend sein könnten. So weisen beispielsweise die Aktienstrategen der West LB in einer aktuellen Untersuchung darauf hin, dass die Gewinnerwartungen immer noch weit von den Referenzpunkten früherer Zyklustiefs entfernt seien. „Den Boden für eine stabile Erholungsbewegung sehen wir damit noch längst nicht bereitet und erwarten weiterhin Rückschlagspotential.“

          Gleichzeitig treibt die Börsianer die Furcht vor weiteren Milliardenabschreibungen auf faule Wertpapiere in den Banken um, die zuletzt vor allem im Zusammenhang mit der internationalen Diskussion über Vor- und Nachteile von „Bad Bank“-Modellen mal mehr, mal weniger ausgeprägt ausfiel. Am vergangenen Wochenende gab es wieder einen Dämpfer.

          Thema „Bad Bank“ vom Tisch

          Zum einen erteilte Bundeskanzlerin Angela Merkel Hoffnungen einiger Banken in Deutschland auf eine zentrale „Bad Bank“ eine Absage. Die Steuerzahler dürften nicht die Kosten für schlechte Produkte aufgebürdet bekommen, während die Banken mit guten Produkten rasch wieder Gewinne machten, sagte sie. Auch in den Vereinigten Staaten sollen die Überlegungen wegen Unstimmigkeiten über die Arbeitsweise einer solchen Institution nicht so recht vorankommen. „Sowohl in Amerika als auch in Deutschland scheint das Thema ,Bad Bank' vom Tisch zu sein“, meint ein Börsianer.

          Die Diskussionslage spiegelt sich unmittelbar in der Kursentwicklung der Bankaktien. Am Montag gehörten sie auch im Dax wieder zu den größten Verlierern. Vor der Veröffentlichung des ausführlichen Jahresergebnisses am kommenden Donnerstag führten die Titel der Deutschen Bank die Verliererliste im Dax mit einem Kursabschlag von fast 6 Prozent an. Die Commerzbank-Aktie folgte mit einem Minus von 4,5 Prozent.

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