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Taiwan/Südkorea : Erholung, aber keine Entwarnung

  • Aktualisiert am

Mit einem Plus von rund 20 Prozent sind die Aktienmärkte in Taiwan und Korea ins neue Jahr gestartet. Analysten warnen jedoch vor zu hohen Erwartungen an die Börsen.

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          Kaum Eigendynamik zeigen die Börsen in Taiwan und Südkorea, denn die Schwellenländer hängen am Tropf der Nasdaq. Das hat den Taiwan-Weighted-Index und den koreanischen Kospi im vergangenen Jahr immerhin 50 Prozent Verlust gekostet, beschert den Börsen aber genauso einen freundlichen Start ins neue Jahrtausend. Sowohl Korea als auch Taiwan haben seit Neujahr bereits 20 Prozent zugelegt. Dennoch trauen Analysten den Ländern im Jahresverlauf keine großen Sprünge zu.

          „Die Risiken sind eindeutig auf der Downside“, meint Jens Rabe. Selbst wenn die USA nicht in eine Rezession rutschen, rechnet der Asienanalyst der Deutsche Bank Research bestenfalls mit einer Seitwärtsbewegung der Aktienmärkte. Die globale Wirtschaftslage lässt kaum Hoffnung auf eine große Rally. Die Deutsche Bank prognostiziert für Korea im laufenden Jahr ein reales Wachstum von 4,8 Prozent, nachdem das Bruttoinlandsprodukt 2000 noch um neun Prozent zugelegt hat. In Taiwan sieht Rabe sogar nur ein Wachstum von drei Prozent, nach fünf Prozent im vergangenen Jahr.

          Exporte hängen von den USA und Japan ab

          Als Exportnationen bestimmt vor allem die Konsumlaune der US-Bürger das Wohlergehen von Korea und Taiwan. So fließen rund 16 Prozent der koreanischen Exporte in die USA, wobei das Land vor allem Elektronik und Halbleiter an das Ausland verkauft. In Taiwan ist die Abhängigkeit von den Amerikanern noch höher. Die USA nehmen immerhin 41 Prozent der taiwanesischen Ausfuhren ab. Daneben sind Japan und China/Hongkong die größten Kunden der beiden Länder. Aber bei den asiatischen Nachbarn sind die wirtschaftlichen Aussichten nicht berauschend. „Eine Rally an den Aktienmärkten kann es kaum geben, denn die globale Abschwächung schlägt sich bereits in den Exportzahlen nieder“, meint Christiane Lieneke, Leiterin Emerging Markets und Länderrisikoanalyse bei der Dresdner Bank. Allerdings rechnet sie auch nicht mit einem weiteren Absturz, es sei denn, die USA würden ein extrem hartes Landing vorlegen.

          Politische Pattsituation in Taiwan lähmt

          Neben den stimulierenden ausländischen Impulsen, die aus der Zinssenkung in den USA und der Erholung der Nasdaq stammen, haben Korea und Taiwan in jüngster Zeit auch positive heimische Signale gesetzt. So hat Taiwan die ersten legalen Handelsbeziehungen mit China aufgenommen und die politischen Probleme erst einmal entschärft. Das drohende Amtsenthebungsverfahren des Präsidenten sei abgewiesen, so Lieneke. Auf Grund der Pattsituation zwischen Präsident und Kongress sieht die Analystin jedoch mittelfristig weitere Schwierigkeiten. Neben den politischen Faktoren gibt es laut Rabe auch erste Erfolge bei den Reformen. So habe die Bildung von Asset Management Corporations, die für notleidende Kredite auch ausländischer Banken einstehen, dem Aktienmarkt Auftrieb gegeben. Aber noch seien die Reformen im Bankensektor nicht weit genug vorangeschritten. Zudem befürchtet der Asienexperte, dass durch die Wirtschaftsabschwächung weitere Kredite platzen und sich die Situation verschärfen könnte.

          Weitere Entlassungen drohen in Korea

          An den südkoreanischen Märkten hat die Nachricht für Erleichterung gesorgt, dass Hyundai doch seine Bondschulden begleicht. „Da hatten die Börsen Schlimmeres befürchtet“, sagt Lieneke von der Dresdner Bank. Die niedrigeren Exportaussichten - die Deutsche Bank rechnet lediglich mit plus sieben Prozent nach einem 20-Prozent-Wachstum im Vorjahr - dürften sich alleridings negativ auf den heimischen Konsum auswirken. „Auch drohen durch die Umstrukturierungen der Unternehmen weitere Entlassungen. Dies schwächt die Nachfrage“, sagt Rabe. Für die Wechselkurse in Taiwan und Korea rechnet er mit leichten Abschwächungen. Lieneke geht ebenfalls von stabilen bis leicht schwächeren Heimatwährungen aus. Allerdings sieht sie die Wechselkursentwicklungen derzeit nicht als eine bedeutende Komponente für Anlageentscheidungen in diesen Regionen. Die Kapitalströme würden eher von den Konjunkturperspektiven gelenkt.

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