https://www.faz.net/-gv6-nl3y

Tabakunternehmen : Altria-Aktie im freien Fall

  • Aktualisiert am

Bild:

Altria alias Philip Morris ist jüngst zu einer saftigen Geldbuße verurteilt worden. Zahlungsschwierigkeiten könnten drohen und rufen die Rating-Agenturen auf den Plan. Die Aktie befindet sich im freien Fall.

          Wer mit Tabakaktien spekuliert, dürfte Höhen und Tiefen gewohnt sein. Auf der einen Seite verdienen die Unternehmen dieser Branche mit der Sucht der Raucher unheimlich viel Geld - auf der anderen wurden sie in der jüngeren Vergangenheit immer wieder mit teilweise exorbitanten Schadenersatzklagen geschädigter Raucher und mit zunehmender Repression - Werbeverbot, Warnhinweise, Rauchverbote - konfrontiert.

          Nun scheint es die Altria Group - besser bekannt unter dem früheren Namen Philip Morris - besonders erwischt zu haben. Denn sie war vor einer Woche zu einer saftigen Geldbuße in Höhe von 10,1 Milliarden Dollar verurteilt worden. Der Konzern habe Raucher bewusst durch seine als “light“ gekennzeichneten Produkte getäuscht, befand das Gericht. 7,1 Milliarden Dollar sollen als Ausgleichszahlung an geschädigte Raucher fließen. Drei Milliarden Dollar soll der Konzern an den Bundesstaat Illinois zahlen.

          Philip Morris USA könnte in Zahlungsschwierigkeiten geraten

          Das scheint den größten Riesen zu überfordern. Denn aus Zweifel über die Zahlungsfähigkeit hat Moody's Investors Service die Kreditwürdigkeit von Altria und der Tochter Kraft Foods von A“ auf Baa2 heruntergestuft und eine weitere Reduktion nicht ausgeschlossen. Philip Morris USA hatte mitgeteilt, sie könne eine vom Gericht verlangte Bürgschaft über zwölf Milliarden Dollar nicht aufbringen. Die Bürgschaft war von einem Gericht als Bedingung dafür festgelegt worden, dass Philip Morris Berufung gegen das Urteil einlegen kann. Sollte die Forderung nicht reduziert werden, könnte Philip Morris am 15. April fällige Zahlungen in Höhe von 2,6 Milliarden Dollar nicht leisten.

          Die Aktien fielen am Montag an der Wall Street um 6,75 Prozent auf 29,96 Dollar, die bis ins Jahr 2008 laufende Unternehmensanleihe mit einem Kupon von 5 5/8-Prozent fiel um 6,10 Prozent auf 95,76 Prozent, die Rendite liegt damit bei 6,61 Prozent. Der Spread zu Staatsanleihen vergleichbarer Laufzeit stieg auf mehr als drei Prozentpunkte. Schon in der vergangenen Woche hatten sich die Kosten für Kreditversicherungen verdoppelt, nachdem Standard & Poor's angedeutet hatte, Philip Morris USA könnte in die Insolvenz gehen. Sollte das Unternehmen das Bürgschaftsproblem nicht lösen können, droht S&P mit der Herunterstufung der Kreditwürdigkeit auf „Schrott-Status“.

          Hohe Schadenersatzforderungen wirken bedrohend

          Philip Morris, R.J. Reynolds Tobacco, Brown & Williamson Tobacco und Lorillard Tobacco sind in der Vergangenheit von 46 amerikanischen Bundesstaaten verklagt worden, Schadenersatz für Kosten für die Behandlung von Krankheiten zu zahlen, die vom Rauchen verursacht werden. Die Unternehmen erklärten sich bereit, über einen Zeitraum von 25 Jahren 206 Milliarden Dollar zu bezahlen. Weitere Klagen stehen noch an, unter anderem ein Jury-Schiedsspruch über 145 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2000. Die Unternehmen argumentieren, sie würden pleite gehen, falls dieses Urteil Bestand haben sollte.

          Bisher war es zwar immer so, dass das Unternehmen Problem dieser Art immer aus dem Weg räumen konnte. Allerdings werden die Restriktionen mit Blick auf das Geschäft mit den Rauchwaren immer deutlicher und intensiver. Auch in Europa dürften sich die Staaten früher oder später dazu durchringen, das Verursacherprinzip stärker durchzusetzen und damit die Raucher und oder die Tabakfirmen auch finanziell härter an die Kandare zu nehmen. Vor diesem Hintergrund mag zwar die Bewertung zusammen mit einer in der Vergangenheit hohen Dividendenrendite noch so attraktiv aussehen, die Risiken sind klar. Vor allem auch, so lange der Chart sich so verheerend entwickelt wie in der jüngsten Zeit. Solange dort kein Boden zu erkennen ist - im Moment befindet sich die Aktie im freien Fall -, sind die Risiken unkalkulierbar.

          Weitere Themen

          „Ich sehe keinen Grund zur Panik“

          FAZ Plus Artikel: Bundesbankpräsident Weidmann : „Ich sehe keinen Grund zur Panik“

          Die Aussichten für die Konjunktur trüben sich ein. Bundesbankpräsident Weidmann hält einen Großeinsatz der Geldpolitik aber für falsch. Im Interview spricht er über den drohenden Abschwung, übertriebene Angst vor Inflation – und warum die Zinsen noch tiefer sinken können.

          Topmeldungen

          Bundesbankpräsident Weidmann : „Ich sehe keinen Grund zur Panik“

          Die Aussichten für die Konjunktur trüben sich ein. Bundesbankpräsident Weidmann hält einen Großeinsatz der Geldpolitik aber für falsch. Im Interview spricht er über den drohenden Abschwung, übertriebene Angst vor Inflation – und warum die Zinsen noch tiefer sinken können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.