https://www.faz.net/-gv6-owgw

Tabakindustrie : Altria-Papiere gedrückt von neuer Unsicherheit

  • Aktualisiert am

Bild:

Bei den Tabakwerten dürften Anleger wieder unsicher werden. Denn die Gefahr massiver Schadenersatzzahlungen für „Raucherkrankheiten“ steht wieder im Raum. Vor allem die Aktie von Altria steht unter Druck.

          2 Min.

          Wer in Tabakwerte investiert, braucht gute Nerven. Zumindest bei den amerikanischen Unternehmen. Das zeigt sich wieder einmal an den massiven Kursverlusten, die beispielsweise die Aktie von Altria alias Philip Morris in den vergangenen Tagen hinnehmen mußte. Sie belaufen sich auf etwas mehr als 13 Prozent in gerade einmal fünf Tagen. Das will etwas heißen bei einem Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von etwas mehr als 100 Milliarden Dollar.

          Ursache ist die anhaltende und immer wieder einmal neu aufflackernde Auseinandersetzung um Schadenersatzzahlungen für Krankheiten, die vom Rauchen ausgelöst werden. Aktuell will ein amerikanisches Gericht die Abweisung einer Strafe von 145 Milliarden Dollar für die Tabak-Industrie noch einmal überprüfen.

          Schadenersatzklage doch noch nicht abgewendet

          Das oberste Gericht des Bundesstaates Florida teilte am Mittwoch mit, Anhörungen dazu seien für den sechsten Oktober dieses Jahres anberaumt. „Das Gericht akzeptiert die Zuständigkeit in diesem Fall", hieß es auf der Internetseite des Gerichts. Die Entscheidung bedeutet einen Rückschlag für die betroffenen Konzerne, die nach außergerichtlichen Einigungen von einem Ende des Verfahrens ausgegangen waren. Unter ihnen sind Philip Morris, eine Tochter der Altria-Gruppe, R.J. Reynolds Tobacco und British American Tobacco.

          Ein Gericht in Miami hatte im Juli des Jahres 2000 geurteilt, die Tabak-Konzerne hätten die Öffentlichkeit über die Gesundheitsgefahren des Tabakkonsums getäuscht und verurteilte die Firmen deshalb zu Schadenersatz und Bußgeldern in Höhe von zusammen 145 Milliarden Dollar. Die Entschädigungen sollten den schätzungsweise 300.000 bis 700.000 gesundheitlich geschädigten Rauchern in Florida zukommen. Ein Berufungsgericht hob das Urteil im Mai des Jahres 2003 auf. Es begründete diesen Schritt damit, daß Florida gemeinsam mit mehreren amerikanischen Bundesstaaten eine Einigung mit der Tabak-Industrie erzielt habe. Danach seien Straf- und Bußgelder nicht zulässig.

          Wieder aufgekommene Unsicherheit lastet vor allem auf Altria

          Nun ist allerdings die Unsicherheit über die weitere Entwicklung in diesem Bereich zurückgekehrt und dürfte eine Weile anhalten. Denn sollten die Konzerne zu einer massiven Zahlung verurteilt werden, würde es die Profitabilität unter Umständen deutlich beeinträchtigen. Zumindest der Chart des Branchenriesen Altria ist wieder einmal deutlich angeschlagen. Denn der im März des vergangenen Jahres etablierte kurzfristige Aufwärtstrend war schon länger angeschlagen und ist mit den jüngsten massiven Kursverlusten endgültig ad acta gelegt worden.

          Mit einem Kurs-Gewinnverhältnissen von etwas mehr als zehn und 9,4 auf Basis der Gewinnschätzung für das kommende Jahr erscheint die Aktie zwar eher günstig bewertet zu sein. Vor allem auch wenn man die Dividendenrendite von 5,54 Prozent berücksichtigt. Allerdings dürften diese Bewertungen fragwürdig werden, wenn es zu massiven Schadenersatzzahlungen kommen sollte. Insgesamt scheint das Papier nur für Anleger mit guten Nerven geeignet zu sein. Und selbst die sollten sich gerade hier immer gegen negative Überraschungen absichern.

          Nicht umsonst dürfte die Investmentbank Goldman Sachs die Einstufungen des Tabaksektors auf „Neutral“ und von Altria auf “In-line“ gesenkt haben. Begründung: Die Entscheidung des Supreme Courts in Florida, das Schadenersatz-Verfahren gegen die Tabakindustrie eventuell wieder aufzunehmen. Die diesbezüglichen Sorgen der Investoren dürften anhalten oder gar zunehmen. Die Analysten der DZ Bank raten zwar im Gegensatz dazu, Anleihen des Unternehmens bei Schwäche zu kaufen. Ob das allerdings im Umfeld steigender Zinsen und der frisch aufgekommenen Unsicherheit klug ist, dürfte er dahingestellt sein.

          Weitere Themen

          Weltgrößter Börsengang erfolgreich Video-Seite öffnen

          Aramco-Aktie im Plus : Weltgrößter Börsengang erfolgreich

          Der weltgrößte Börsengang des Ölkonzerns Saudi Aramco ist ein Erfolg: Die Aktien der saudiarabischen Staatsfirma debütierten am Mittwoch mit 35,2 Riyal an der Börse in Riad. Das ist ein Plus von zehn Prozent im Vergleich zum Ausgabepreis.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.