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Tabakindustrie : Altadis-Aktie trotzt Boykott der Raucher auf dem Heimatmarkt

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Altadis. Bild:

„Gitanes“-Hersteller Altadis hat mehr verdient als vor einem Jahr, aber die Prognosen unterlaufen. Doch der Vorstand sieht weiter steigende Gewinne und will die Dividende erhöhen. Die Aktie bewegt sich knapp unter Rekordniveau.

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          Mit gemischten Nachrichten wartet zur Wochenmitte auf. Der französisch-spanische Tabakkonzern Altadis hat im vierten Quartal des vergangenen Jahres zwar wieder einen Gewinn in zweistelliger Millionenhöhe erwirtschaftet, nachdem er vor Jahresfrist einen deftigen Periodenverlust ausgewiesen hatte, aber dennoch die Prognosen der Analysten unterlaufen. Gleiches gilt mit Blick auf den deutlich gestiegenen Jahresgewinn. In einer ersten Reaktion hat die Aktie an der Heimtbörse von Paris kräftig abgegeben, sich aber inzwischen wieder etwas erholt; gegen 10.10 Uhr steht ein Minus von 0,6 Prozent auf 32,46 Euro zu Buche.

          Die Kurserholung mag mit dem angekündigten Dividendenzuschlag und dem recht zuversichtlich klingenden Ausblick zu tun haben sowie den weniger als erwartet gestiegenen Schulden. Altadis erwartet weiter steigende Umsätze und Erträge. Diese Aussicht könnte die Aktie, die bisher besser läuft als das Geschäft, stützen. Doch aktuell kämpft sie darum, im kurzfristigen Aufwärtstrend zu bleiben, den sie seit Ende August 2004 ausgebildet hat. Dabei ist der Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,1 moderat bewertet, obschon sie etwas teurer ist als die Papiere der Konkurrenzen BAT (11,9) und Altria (12,3).

          Gewinn um 41 Prozent gestiegen

          Die Altadis SA hat im vergangenen Jahr mit einem um 41 Prozent gestiegenen Nettogewinn von 413 Millionen Euro nach 293 Millionen Euro die Erwartungen der Analysten verfehlt. Diese hatten im Mittel mit 480 Millionen Euro gerechnet. 2003 war nach Angaben der Gesellschaft vom Mittwoch eine Sonderbelastung von 240 Millionen Euro für Restrukturierungen verbucht worden. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) nahm um 3,3 Prozent auf 1,113 Milliarden Euro zu, die Marge stagnierte auf dem Vorjahresniveau von 31,6 Prozent.

          Der operative Cash-Flow stieg um 456 Millionen auf 1,156 Milliarden Euro. In der Sparte Zigaretten wuchs der Umsatz um 6,8 Prozent auf 1,84 Milliarden Euro, der Bereich Zigarren steigerte den Umsatz um 7,2 Prozent auf 817 Millionen Euro. Im vierten Quartal lieferte Altadis nach dem Vorjahresverlust von 60,4 Millionen Euro einen Gewinn von 65,9 Millionen Euro, doch hatten Analysten im Schnitt mit 107,7 Millionen Euro gerechnet.

          Die Erträge des Herstellers von Zigaretten der Markien „Fortuna“, „Gauloises“ und „Gitanes“ leiden unter den im vergangenen Jahr um 21 Prozent gesunkenen Verkäufen in Frankreich; dort weichen Raucher wegen der stark gestiegenen Tabaksteuer auf „Selbstgedrehte“ aus oder kaufen Zigaretten in Spanien oder Belgien, wo sie billiger sind. Dafür laufen die Geschäfte ist Nordosteuropa und auf dem Balkan vergleichsweise besser.

          Dividende soll um 12,5 Prozent steigen

          Altadis will die Dividende um 12,5 Prozent auf 0,90 Euro je Aktie anheben. Daraus ergibt sich eine ordentliche Dividendenrendite von 2,8 Prozent; soviel werfen derzeit vierjährige Bundesanleihen ab. Eine Zwischendividende von 0,40 Euro soll nach Angaben des Unternehmens vom Mittwoch am 22. März gezahlt werden. Der Zahlung der restlichen 0,50 Euro am 21. Juni soll die Hauptversammlung am 14. Juni zustimmen.

          Im laufenden Jahr will sich das Unternehmen nach eigenen Angaben auf die Integration der jüngst übernommenen Gesellschaften Etinera und Balkan Star konzentrieren. Die Einsparungen durch den Abbau von Stellen sollen sich positiv im Ergebnis auswirken. Und die Rahmenbedingungen für das operative Geschäft seien derzeit viel besser als 2004, hieß es weiter. Somit dürfte die Geschäftsentwicklung auch besser als im Vorjahr ausfallen.

          Ob Analysten angesichts des Ausblicks die Kursziele anheben, wird sich weisen. Aus Sicht der Deutschen Bank und von UBS ist die Altadis-Aktie noch unterbewertet. Die Deutsche Bank hat ein Kursziel von 35 Euro gesteckt und sieht in dem Titel eine Halte-Position, UBS empiehlt die Aktie zum Kauf und sieht sie bei 35,80 Euro als fair bewertet an. Daraus ergibt sich ein Kurspotential von knapp zehn Prozent. Dieses kann sie sich aus charttechnischer aber nur erschließen, wenn sie den Fall unter die Unterstützung bei 31,20 Euro vermeidet sowie ihr Rekordhoch bei 34,11 Euro nimmt, was einem Kaufsignal gleichkäme.

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