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Tabakbranche : Altria-Aktie trotzt allen Rauchverboten

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Das ist Altria gewohnt: Proteste vor einer Philip-Morris-Fabrik Bild: AP

Die in immer mehr Ländern gültigen Rauchverbote erschweren Rauchern das Leben. Der Aktie des weltgrößten Tabakkonzerns Altria hält dies auch wegen Erfolgen im Kampf gegen Schadensersatzklagen aber aber nicht vom Steigen ab.

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          Wer sich die negativen Schlagzeilen vergegenwärtigt, denen sich die Tabakunternehmen schon seit einigen Jahren ausgesetzt sehen, dann würde man einer Aktie wie Altria, hinter der unter anderem der weltgrößten Tabakkonzern steckt, keine allzu gute Wertentwicklung zutrauen. Vielmehr würde man annehmen, daß die milliardenschweren Klagen auf Schadensersatzzahlungen durch erkrankte Raucher beim Kurs ebenso ihren Tribut fordern wie die in immer mehr Ländern eingeführten Rauchverbote (hier ist aber auch zu bedenken, daß jede dritte Zigarette in China geraucht wird, und dort ist mit einem Rauchverbot nicht so schnell zu rechnen).

          Doch wer das glaubt, der liegt völlig daneben. Zwar hat auch die Altria-Aktie einige nur durchwachsene Jahre durchgemacht. Aber inzwischen läuft es an der Börse wieder richtig rund. Zuletzt hat es anders als bei den meisten anderen Aktien sogar zu einem neuen Rekordhoch gereicht (Isin US02209S1033). Mit anderen Worten: Die jüngste Korrektur an den meisten Weltbörsen hat der Titel völlig unbeschadet überstanden.

          Erfolge vor Gericht stützen das Sentiment für alle Tabakaktien

          Die gute Kursverfassung läßt sich auch fundamental untermauern. Und zwar mit einem Urteil, das in der ganzen Branche für Erleichterung gesorgt hat. Gemeint ist die Anfang Juli vom obersten Gericht des Bundesstaats Florida getroffene Entscheidung, das Urteil des sogenannten Engle Case aufzuheben. Das ist deshalb für die Tabakfirmen so bedeutsam gewesen, weil sie sonst laut einem Urteil aus dem Jahr 2000 zu Strafzahlungen im Umfang von 145 Milliarden Dollar an 700.000 Geschädigte verpflichtet gewesen wären. Zur Begründung für den jetzigen Urteilsspruch führten die Richter übrigens an, die Höhe der Strafzahlung sei unangemessen, weil sie zum Bankrott der Tabakunternehmen hätte führen könne.

          Wie wichtig Erfolge in dieser Hinsicht sind, zeigt sich unter anderem auch an der prompten Reaktion der Ratingagentur Moody´s, die nach dem Urteilsspruch sofort den Ausblick für das Kreditrating von negativ auf positiv angehoben hat. Das ist auch nachvollziehbar, schließlich strotzt Altria abgesehen von dem Problem mit den Raucherklagen regelrecht vor Kraft.

          Platz 16 in der weltweiten Rangliste der schwergewichtigsten Aktien

          Um die Größe des Unternehmens, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1854 zurückreichen, richtig einordnen zu können, kurz einige Fakten: Die in ungefähr 155 Ländern aktive Altria Group ist gemessen am Umsatz der größte Konsumgüterkonzern der Welt (im Vorjahr wurde mit rund 165.000 Mitarbeitern ein Umsatz von 67,6 Milliarden erwirtschaftet), und die Tochtergesellschaften Philip Morris USA und Philip Morris International sind gemeinsam Weltmarktführer im Geschäftsbereich Zigaretten. Außerdem ist Altria mit einer 80prozentigen Beteiligung an Kraft Foods, dem weltweit nach Nestlé zweitgrößten Nahrungsmittelhersteller, engagiert. Dazu kommt eine 28,7prozentige Beteiligung am südafrikanischen Brauereikonzern SAB-Miller.

          Zu den bekanntesten Marken, die zu diesem Konzernverbund gehören, zählen Marlboro, L&M, Milka, Toblerone, Miracel Whip und Jacobs Kaffee. Die Aktie zählt zum erlesenen Kreis der 30 im Dow Jones Industrial Average, dem weltweit bekanntesten Aktienindex, vertretenen Titel, und nimmt mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von 161,75 Milliarden Dollar im weltweiten Vergleich Platz 16 unter den Unternehmen mit dem höchsten Börsenwert ein.

          Aufspaltung des Konzerns würde Werte heben

          Vergleicht man die Marktkapitalisierung mit dem Umsatz, dann ergibt sich zunächst kein besonders vorteilhaftes Bewertungsurteil. Günstiger wird der Eindruck allerdings bereits bei Einbeziehung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses. Stimmen die Analystenschätzungen, die im Schnitt für die Jahre 2006 und 2007 mit einem Gewinn von Aktie von 5,30 und 5,65 Dollar rechnen, dann ergeben sich Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 14,6 und 13,7. Angesichts eines organischen Wachstums, das für die nächsten Jahre auf immerhin rund acht Prozent veranschlagt wird, sind diese Relationen vertretbar. Zumal der Aktienkurs traditionell auch noch durch eine relativ hohe Ausschüttung gestützt wird. Für 2006 kann hier immerhin mit einer Dividendenrendite von 4,1 Prozent kalkuliert werden.

          Als richtig werthaltig kann die Aktria-Aktie auf dem aktuellen Kursniveau aber insbesondere dann eingeordnet werden, wenn endlich der Plan umgesetzt werden sollte, den Konzern in den Nahrungsmittelkonzern Kraft, der unter neuer Führung gerade einer Restrukturierung und einem Sparprogramm unterzogen wird, und zwei getrennte Tabakunternehmen (Inlands- und Auslandsgeschäft) aufzuspalten. Zumindest glauben Experten seit langem fest daran, daß den drei Einzelteilen in getrennter Fassung an der Börse eine höhere Bewertung zugestanden wird als aktuell im gemeinsamen Verbund. So haben die Analysten bei Morgan Stanley den Wert der Einzelteile mit rund 100 Dollar je Aktie errechnet. Auch bei der Umsetzung dieses Vorhabens spielen übrigens die Raucherklagen eine wichtige Rolle. Zumindest hat der Vorstand bisher stets darauf hingewiesen, daß erst die Sammelklagen vom Tisch sein müssen, bevor die Aufspaltung des Konzerns weiter vorangetrieben wird.

          Damit der Aktienkurs seinen Aufwärtstrend weiter fortsetzen kann, kommt es neben Fortschritten bei den Aufspaltungsplänen kurzfristig betrachtet natürlich auf gute Unternehmensnachrichten an. Schon am 25. Juli hat der Vorstand bei der Vorlage der Geschäftszahlen für das zweite Quartal Gelegenheit dazu, weitere Anleger davon zu überzeugen, daß es Sinn macht, in den Titel zu investieren. Auf ein positives Echo würde das Zahlenwerk dann stoßen, wenn die Analystenschätzungen überboten werden. Das heißt, im Idealfall liegt der Umsatz über den im Schnitt erwarteten 17,87 (Vorjahresquartal: 17,33) Milliarden Dollar und der Gewinn je Aktie über 1,37 (1,32) Dollar.

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