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Supermarktkonzern in Südafrika : Für Shoprite ist die Afrika-Sause vorbei

Filiale von Shoprite in Johannesburg Bild: REUTERS

Die Aktie des südafrikanischen Supermarktkonzerns verliert deutlich. Die Konsumfreude der Südafrikaner ist getrübt. Das belastet das Geschäft.

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          Whitey Basson, Chef der südafrikanischen Supermarktkette Shoprite, ist bekannt dafür, mit markigen Sprüchen für Optimismus zu sorgen. Nach der Vorlage der Geschäftsergebnisse am Dienstag jedoch konnte er nicht punkten. Die Shoprite-Aktie, die oft als Börsenliebling bezeichnet wird, verlor in der Spitze um 9 Prozent an Wert. Einen so großen Kursverfall während eines Tages hat es gemäß der Nachrichtenagentur Reuters seit acht Jahren nicht gegeben.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Dass die Bedingungen für einen Supermarktmarktbetreiber in Südafrika derzeit nicht optimal sind, ist bekannt: Die Wirtschaft wächst um weniger als 2 Prozent, die Preise steigen kräftig, immer mehr Konsumenten sind hoch verschuldet. Zusätzlich hat die Notenbank weitere Zinserhöhungen angekündigt. All dies trifft Shoprite besonders, weil das Unternehmen vor allem die ärmere Klientel umwirbt.

          Trotzdem hatten die Anleger mit einem besseren Ergebnis gerechnet. Der Gewinn je Aktie ohne einmalige Einflüsse - eine in Südafrika gängige Maßzahl - legte lediglich um 3,3 Prozent auf 6,97 Rand zu, so wenig wie seit 15 Jahren nicht. Gleichzeitig stieg der Umsatz um 10,5 Prozent auf 102,2 Milliarden Rand (7 Milliarden Euro).

          Da half es wenig, dass Shoprite-Chef Basson erklärte, eifrig zu investieren, um für den nächsten Aufschwung gerüstet zu sein. Im vergangenen Geschäftsjahr wurden 125 neue Läden eröffnet. Neben Supermärkten gehören auch ein Möbelhändler und eine Fast-Food-Kette zu dem in Kapstadt beheimateten Traditionskonzern.

          Neue konsumfreudige Mittelschicht in Afrika wächst

          „Im eigentlichen Geschäft macht Shoprite keine Fehler, aber sie befinden sich in einem sehr schwierigen Marktumfeld“, sagt Wayne McCurrie, Portfolio-Manager bei Momentum Asset Management in Pretoria. Bei dem Kursverlust handle es sich um eine überfällige Korrektur. Shoprite gehöre mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21 zu den teuersten Aktien an der Johannesburger Börse. Vor allem ausländische Anleger, die an der Wachstumsgeschichte in Afrika teilhaben wollen, haben in der Vergangenheit viel Geld investiert. „Wenn der Kurs auf 110 oder 115 Rand sinkt, dann wird ein Einstieg wieder interessant“, meint McCurrie. Aktuell kostet das Papier 145 Rand.

          Wie bei vielen südafrikanischen Konzernen liegt der Reiz für die Anleger nicht im Geschäft in Shoprites Heimat, sondern auf dem restlichen Kontinent. Während Südafrikas Wirtschaft dahindümpelt, zeigen andere afrikanische Volkswirtschaften ein weitaus höheres Tempo, wenn auch von einer niedrigeren Basis aus. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung, die Zahlungskraft einer neuen konsumfreudigen Mittelschicht legt zu.

          Die Geschäftszahlen von Shoprite bestätigten das Kalkül. Der Umsatz im restlichen Afrika verbesserte sich um 27 Prozent, fast dreimal so stark wie in Südafrika. Der Einzelhändler ist mittlerweile mit 169 Läden außerhalb Südafrikas vertreten. Zusammengenommen steuern sie ein Fünftel zum Gesamtumsatz bei. „So beeindruckend das Wachstum ist, es reicht leider nicht aus, um die Schwäche im Heimatmarkt auszugleichen“, sagt McCurrie.

          Shoprite ist Mitte der neunziger Jahre als erstes südafrikanisches Handelshaus in Afrika vorgeprescht. Der 68 Jahre alte Basson gilt als ausgefuchster Afrika-Kenner. In keiner seiner Präsentationen versäumt er es, auch auf die vielen Herausforderungen hinzuweisen: von fehlender Infrastruktur, langwieriger Logistik, dem Fehlen von Einkaufszentren bis hin zu Korruption und behördlicher Willkür. Im vergangenen Jahr hatte sich beispielsweise die Eröffnung mehrerer Supermärkte erheblich verzögert. Das drückte auf die Gewinnmargen, enttäuschte die Erwartungen vieler Aktionäre und ließ die Analysten in Habachtstellung gehen. Darüber hinaus mussten auf dem Markt in Sambia die Mitarbeiterlöhne auf Druck der Regierung hin drastisch erhöht werden.

          „Wir sehen immer noch hohes Wachstumspotential für Handelshäuser in Afrika“, sagt Diane Laas von Investec Asset Management. Die große Afrika-Sause am Aktienmarkt aber ist für Shoprite vorbei, solange die Südafrikaner wenig Konsumfreude verspüren.

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