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Süße Belohnung für Aktionäre : Ein Koffer voller Schokolade

Auf dem Weg durch Zürich: Aktionäre von Lindt & Sprüngli mit dem begehrten blauen Koffer. Bild: Lindt

Viele Schweizer Unternehmen bieten Investoren Naturalien als Dividenden. Das machen nicht nur Schokoladenhersteller und Bergbahnen.

          Im Frühjahr ist Dividendensaison. Die Unternehmen schütten einen Teil des Gewinns an ihre Kapitalgeber aus, und die Aktionäre hoffen auf einen möglichst reichen Segen. In der Schweiz landen viele Dividenden seit einigen Jahren sogar steuerfrei auf den Konten der Anteilseigner, sofern sie über eine Verminderung des Aktienwerts oder aufgrund früherer Kapitalerhöhungen verteilt werden. Aber es gibt noch eine weitere Quelle der Labsal für die Aktionäre. Das sind die sogenannten Naturaldividenden, sei es in Form einer üppigen Verpflegung auf den Aktionärstreffen, sei es in Form freundlicher Geschenke, in der Schweiz „Bhaltis“ (Behalte es) genannt. Die Finanzämter lassen diese Präsente in der Regel steuerlich ungeschoren.

          Jürgen Dunsch

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Das bekannteste „Bhaltis“ unter den Eidgenossen ist der schon legendäre Schokoladenkoffer von Lindt & Sprüngli. Er enthält eine bunte Ansammlung von Tafeln, Riegeln und Pralinen, darunter die neuesten Mischungen. Er wiegt rund vier Kilo und hat immerhin einen Wert von umgerechnet etwa 120 Euro. Dieses Jahr findet die Generalversammlung des Herstellers von Premiumschokolade am 24. April und wie immer im Kongresshaus in Zürich statt. Anschließend sieht man die Aktionäre mit dem auffallenden, mit blauem Lack überzogenen Pappkoffer inklusive Lindt-Logo durch die Stadt pilgern - die besten Werbeträger, die man sich denken kann.

          Die Bereitstellung der Koffer ist ein logistischer Kraftakt. Nach Angaben einer Unternehmenssprecherin werden davon jeweils 3500 bis 4000 ausgegeben. Zusätzlich können sich die Aktionäre dieses Mal über eine Dividendenerhöhung um 13 Prozent freuen sowie über einen Kursaufschwung der Papiere, der auf Jahressicht 20 Prozent beträgt. Aber die Aktie ist nichts für Kleinanleger, kostet sie doch mittlerweile mehr als 50.000 Franken (41.000 Euro). Die Umsätze an der Börse sind gering, die Anteile werden lange gehalten, so dass die Aktionärstreffen zu einem Treffen der „Lindt-Familie“ geraten. Die Inhaber der viel zahlreicheren Genussscheine bleiben dagegen ohne Koffer, sie müssen sich mit der Dividende und den Kursgewinnen begnügen.

          Kostenlose Fahrt mit der Jungfraubahn

          Das Kongresshaus selbst, in dem der Schokoladenhersteller tagt, gilt ebenfalls als Geheimtipp. Geboten wird „ein gediegenes Nachtessen mit musikalischer Begleitung und Darbietungen“, weiß der Online-Dienst „Cash“. Oder doch lieber zu Barry Callebaut? Der weltgrößte Lieferant von Vorprodukten für Schokolade verwöhnt seine Aktionäre jeweils mit einem üppigen Buffet und einem Dessert, an dem sich Nobelhotels messen können. Damit stellt er sogar die K+S AG in den Schatten, die im Jahr 2013 Schweinebraten mit Semmelknödel und grünen Bohnen servierte und damit unter den Dax-30-Unternehmen in Deutschland den kulinarischen Gipfel erklomm.

          Darüber hinaus heimsen die Aktionäre in Zürich traditionell eine Tüte mit Schokolade und Pralinen aus Barry-Callebaut-Zutaten im Wert von 30 Franken ein. Im vergangenen Jahr hielt das Unternehmen, das mehrheitlich der deutschen Industriellenfamilie Jacobs gehört, nach eigenen Angaben 1500 Tüten bereit. Aber nur anwesende Aktionäre werden beglückt, wohingegen bei Lindt & Sprüngli alle Anteilseigner ihr „Bhaltis“ beantragen können - wegen der Zollformalitäten aber beschränkt auf die Schweiz. Darüber hinaus glänzt Barry Callebaut in einem Kursgewinn von knapp einem Viertel in den vergangenen 52 Wochen und schüttet ein weiteres Mal die Dividende brutto für netto, also steuerfrei, aus.

          Dividenden mit hohem Genussfaktor gibt es meist bei kleineren Gesellschaften. Die großen Konzerne bieten eher Graubrot, konkret die obligaten Würstchen und Sandwiches. Energieriegel oder Obst sind da schon Luxus-Menüs bei den Aktionärstreffen. Eine Schweizer Besonderheit bilden die Bergbahnen. Sie halten vielfach kostenlose Tickets bereit. Hier sticht die Jungfraubahn hervor, die zuletzt ihren Aktionären laut „Cash“ einen 70-Prozent-Rabatt für die Bahnfahrt auf das knapp 3500 Meter hohe Jungfraujoch offerierte. Völlig aus dem Rahmen fällt das Berner Warenhaus Loeb. Hier treffen sich die Genussscheininhaber traditionell in einem Zelt des Zirkus Knie. Nach dem ernsten Teil ist dann jeweils die Stunde der Artisten, Clowns und Dompteure.

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