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Sündige Aktien : Laster zahlen sich nicht mehr aus

  • -Aktualisiert am

Sogar die Aktie des Nachtclubbetreibers Rick's Cabaret ging 85 Prozent nach unten Bild: AP

Sex, Spiel und Schnaps - Aktien von Unternehmen, die ihr Geld mit Alkohol, Tabak, Glücksspiel und anderen Lastern verdienen, schlagen sich in einer Rezession üblicherweise gut. Im gegenwärtigen Abschwung an der Börse hat sich noch nicht einmal die Sünde ausgezahlt.

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          Unternehmen, die ihr Geld mit Laster und Sünde verdienen, mögen moralisch bedenklich sein, was die Anleger jedoch nur selten davon abhält, an deren Profit partizipieren zu wollen. Insbesondere Aktien von Unternehmen der Alkohol-, Tabak- und Glücksspielbranche werden häufig als gute Anlagemöglichkeiten in konjunkturellen Schwächephasen gepriesen, aber auch Aktien von Unternehmen der Rüstungsindustrie und der Sexbranche fallen in diese Kategorie.

          Man sagt, die Menschen würden in schwierigen Zeiten zwar ihren Gürtel enger schnallen, für ihre Laster und Leidenschaften aber stets Geld übrig haben. „Die Verbraucher werfen ihre Gewohnheiten in harten Zeiten nicht einfach über Bord“, schrieb Merrill-Lynch-Stratege Brian Belski im November. Eine von Merrill Lynch durchgeführte Untersuchung der Kursentwicklung von Alkohol-, Tabak- und Kasinoaktien während sämtlicher Rezessionen seit 1970 ergab, dass der marktbreite Aktienindex S&P-500 um durchschnittlich 1,5 Prozent nachgab, während die Laster-Aktien im Durchschnitt um 11 Prozent hinzugewannen.

          Auch Laster-Aktien leiden

          In der gegenwärtigen Abschwungphase warten die Lasterhaften allerdings noch immer auf ihre Belohnung. Die in den Vereinigten Staaten im Dezember 2007 begonnene Rezession hält zwar unvermindert an, die Laster-Aktien blieben bislang jedoch hinter ihrer in früheren Jahren erzielten Wertentwicklung zurück. Während einige dieser Papiere im Jahr 2008 gerade mit der Marktentwicklung Schritt halten konnten (der S&P-500 verlor 39 Prozent an Wert), kam es bei anderen zu starken Kursverlusten.

          Noch nicht einmal im Spielcasino wollen die Amerikaner derzeit ihr Glück versuchen

          Tabakhersteller sitzen häufig auf üppigen Barmittelbeständen - ein wichtiger Faktor in harten Zeiten - sie erfüllen die Bedürfnisse von Menschen, die ihre Nikotinsucht auch in Rezessionen nicht abstellen können oder wollen. Dennoch brachen 2008 die Aktienkurse von Branchenakteuren wie Lorillard (minus 34 Prozent), Reynolds American (minus 39 Prozent) und der Altria Group (minus 35 Prozent) ein. Weniger hart traf es das Tabakunternehmen Philip Morris International, das seit der Abspaltung von Altria im März nur ein Kursminus von 11 Prozent verzeichnete.

          Sogar Kasinos und Sex laufen nicht mehr

          Spielkasinos mussten die meisten Federn lassen, was ein Blick auf die Aktienkursentwicklung der fünf größten börsennotierten Kasino- und Glücksspielbetreiber der Vereinigten Staaten verdeutlicht: Im zurückliegenden Jahr verloren Wynn Resorts 62 Prozent, Las Vegas Sands 94 Prozent, MGM Mirage 84 Prozent, International Game Technology 74 Prozent und Penn National Gaming 64 Prozent. Allesamt glücklose Wetten.

          In der Sexbranche musste der Nachtclubbetreiber Rick's Cabaret im Jahr 2008 einen Kursrückgang von 85 Prozent hinnehmen. Rüstungsunternehmen entwickelten sich dagegen im Allgemeinen besser als der Markt, wenngleich die Aktie von Boeing im vergangenen Jahr die Hälfte ihres Werts einbüßte.

          Noch nicht einmal Schnaps saufen die Leute mehr

          Auch einige Alkoholaktien konnten den Markt schlagen. Die Aktie von Molson Coors gab 2008 lediglich 5,7 Prozent nach, während das Papier von SABMiller um 18 Prozent abrutschte. Der Bierbrauer InBev dagegen verlor allein seit der Übernahme von Anheuser-Busch im November 33 Prozent, während Diageo, der britische Hersteller von Marken wie „Smirnoff“ (Wodka), „Captain Morgan“ (Rum) und anderer Spirituosen, im Jahr 2008 um fast 34 Prozent einbrach.

          Es gibt mehrere Theorien, weshalb sich Laster-Aktien dem Negativtrend diesmal nicht entziehen konnten. Zahlreiche Unternehmen litten unter hohen Schuldenständen, während sich Anleger um die Geschäftsentwicklung von Akteuren mit Engagements in krisengeschüttelten Schwellenländern sorgten.
          Eine Hauptsorge besteht darin, dass die Verbraucher ihren Gürtel diesmal erheblich enger schnallen könnten als in früheren Abschwüngen.

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