https://www.faz.net/-gv6-3vdc

Südamerika : Argentinien frustriert seine Gläubiger

  • Aktualisiert am

Populistische Politiker spielen in Argentinien den IWF gegen die Weltbank aus. Das fördert nicht gerade das Vertrauen.

          Argentinien hat die am Donnerstag fälligen Kredite an die Weltbank nicht vollständig gezahlt. Präsident Eduardo Duhalde sagte kurz nach der Mitteilung seines Kabinetts-Chefs, dass die am Donnerstag fällige Zahlung von über 800 Millionen Dollar an die Weltbank nicht vollständig geleistet werde: „Argentinien setzt die Verhandlungen (mit dem IWF) fort“ und werde zu seinen Verpflichtungen stehen, wenn das Abkommen mit dem IWF abgesegnet werde. Die Weltbank bestätigte unterdessen, sie habe von Argentinien statt fälliger 805 Millionen Dollar lediglich 79,2 Millionen Dollar erhalten.

          Kabinetts-Chef Alfredo Atanasof hatte zuvor mitgeteilt, Argentinien könne den gesamten fälligen Betrag an die Weltbank wegen der geringen Währungsreserven nicht zahlen, weil dann die Reserven unter die vom IWF empfohlene Mindesthöhe von neun Milliarden Dollar sinken würden. Mit der Zahlung der Zinsen wolle das Land aber die Verhandlungen mit dem IWF aufrechterhalten und einen Zahlungsverzug vermeiden.

          IWF wird hoffentlich Härte zeigen

          Wirtschaftsminister Roberto Lavagna führt derzeit Gespräche mit dem IWF in Washington. Argentinien strebt nach früheren Angaben eine Umschuldung seiner rund 14,5 Milliarden Dollar Schulden bei internationalen Kreditgebern wie dem IWF, der Weltbank und der Inter-Amerikanischen Entwicklungsbank an. Es gibt jedoch immer noch strittige Punkte. Der IWF fordert unter anderem Steuererhöhungen sowie eine deutliche Anhebung der Energiepreise, um die meist ausländischen Besitzer der Energiekonzerne zufrieden zu stellen.

          Nach Einschätzung von Analysten sind die Chancen eines Abkommens zwischen Argentinien und dem IWF gering. Analyst Michael Gavin sagte: „Ich glaube, dass der IWF die Gespräche einstellen wird". Es werde damit die Aufgabe der nächsten argentinischen Regierung sein, die Sache in Ordnung zu bringen.

          Populisten wollen den „Schwarzen Peter“ abschieben

          Es ist zu offensichtlich, welche Strategie die aktuell politisch bestimmenden Figuren des Landes fahren wollen. Sie spielen eine internationale Organisation gegen die andere aus. Das dürfte dazu dienen, das bei der Bevölkerung sowieso schon schlechte Ansehen von IWF und Weltbank weiter zu schädigen. Die geraten damit immer mehr in die Rolle des Sündenbocks.

          Für den neutralen Beobachter dagegen stellt sich die Lage völlig anders dar. Denn verantwortlich für das ökonomische Desaster des Landes sind in erster Linie populistische Politiker, die das Land mit einer unverantwortlich unsoliden Politik falscher Versprechungen in den Bankrott getrieben haben. Und selbst jetzt, wo die Konsequenzen so offensichtlich sind, sind sie zu feige, dazu zu stehen. Sondern sie spielen das fiese, populistische Spiel weiter, um sich bei kommenden Wahlen gut verkaufen zu können.

          Verheerende Strategie schädigt angeschlagenes Vertrauen zusätzlich

          Langfristig ist das allerdings verheerend. Denn wer wird bei diesem Verhalten jemals wieder soviel Vertrauen aufbringen, um diesem Land auch nur einen halben Cent zu leihen? Die Reaktion der Finanzmärkte jedenfalls ist eindeutig. Der Merval-Aktienindex gab am Donnerstag, als der Dow Jones 1,71 Prozent und die Nasdaq satte 3,7 Prozent zulegte, 3,25 Prozent auf 442 Zähler nach. Die 12 3/8-Anleihe mit Verfall im Jahr 2012 hat in den vergangenen drei Sitzungen rund drei Prozent nachgegeben.Dies sei nach der Ankündigung eine ganz logische Reaktion des Marktes gewesen, sagte Miguel Daneri von Boston Securities.

          Wer sich auch immer bei Anleihen von hohen Renditen locken lassen mag, er sollte sich fragen, ob es auf Grund dieser fatalen Entwicklung unbedingt Argentinien sein muss. Sicherlich gibt es interessantere Alternativen mit einem besseren Chance-Risiko-Verhältnis.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klopp beim FC Liverpool : Kurz vor der Königsweihe

          Jürgen Klopp hat mit Liverpool die Champions League gewonnen, die Fans aber sehnen seit beinahe dreißig Jahren die Meisterschaft herbei. Sie wollen nicht mehr warten.
          Peter Schaar ist Vorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz

          Ein Datenschützer im Gespräch : „Es ist ein Spiel mit dem Feuer“

          Kameras an öffentlichen Plätzen gehören nicht nur in China zum alltäglichen Bild. Aber führt Massenüberwachung wirklich zu größerer Sicherheit für den Einzelnen? Ein Gespräch mit dem Datenschutzfachmann Peter Schaar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.