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Studie : Fed verliert zusehend an Einfluss auf die Märkte

  • Aktualisiert am

Bild: Thomson Datastream, UniCredit Research

Die wieder verstärkt kursierende Angst vor einer schwachen Weltkonjunktur und Deflation setzen derzeit wieder einmal die Aktienkurse unter Druck. Der Ruf nach weiteren Hilfsmaßnahmen der amerikanischen Notenbank wird deshalb lauter.

          Doch die Hoffnungen auf eine Stützung der Aktienmärkte durch neue Konjunkturhilfen der amerikanischen Notenbank könnten ins Leere laufen. Denn die Fed hat gar nicht mehr genügend Einfluss, um eine Konjunkturabkühlung wirksam zu bekämpfen.

          Diese Ansicht vertreten zumindest der Aktienstratege Tammo Greetfeld und der Amerika-Chefvolkswirt Harm Bandholz von UniCredit SpA in einem am Montag veröffentlichten Bericht.

          „Eine pessimistischere Beurteilung der Möglichkeiten der amerikanischen Notenbank, künftig im Falle einer wirtschaftlichen Schwäche gegenzusteuern, wird vermutlich weitreichende Auswirkungen auf das Verhalten von Aktienanlegern haben“, so die Verfasser.

          Der Greenspan-Put funktioniert nicht mehr

          In der Vergangenheit hat die Fed unter ihrem Gouverneur Alan Greenspan wiederholt mit Zinssenkungen die Märkte gestützt. 1995 senkte sie die Zinsen, nachdem Mexiko den Peso abwertete. 1998, im Zuge der Schuldenkrise in Russland und dem Zusammenbruch des Hedgefonds Long-Term Capital Management, machte Greenspan erneut von diesem Instrument Gebrauch.

          Marktteilnehmer sprachen vom „Greenspan Put“, eine Anspielung auf jene Kontrakte, die es Investoren erlauben, ein Wertpapier zu einem bestimmten Preis abzustoßen und sich damit gegen Kursverluste unter diesem Niveau abzusichern.

          Doch seit dem 10. August hat der amerikanische Aktienindex S&P 500 Index nun schon rund 5 Prozent nachgegeben. Und das, obwohl die Fed in diesem Zeitraum erklärt hat, ihre Wertpapierbestände zu halten, um dem Abfluss von Geldern aus den Finanzmärkten entgegen zu wirken. Die Fed setzte am 10. August eine Untergrenze für ihre Wertpapierbestände bei 2,05 Billionen Dollar (1,63 Billionen Dollar). Damit will sie einen Anstieg der Kreditkosten in einer wirtschaftlichen Abschwungphase verhindern.

          Expansive Geldpolitik langsam am Ende ihrer Wirksamkeit

          Eine zunehmende Skepsis der Anleger mit Blick auf die Möglichkeiten der Fed, die Wirtschaft erneut anzukurbeln „würde einem Paradigmenwechsel mit Blick auf den ‘Greenspan Put' gleichkommen“, schrieben die Autoren weiter. Im Gegensatz zu vergangenen Gelegenheiten dürfte die Fed erfolglos versuchen, die Märkte zu stützen, heißt es weiter in der UniCredit-Studie. Dazu passt auch die Erkenntnis, dass Anleihen und Aktien schon seit geraumer Zeit negativ miteinander korrelieren (siehe Grafik).

          „Angesichts bereits tiefer Kapitalmarktzinsen und ungelöster struktureller Probleme glauben wir nämlich, dass Zweifel bestehen hinsichtlich der Wirksamkeit einer noch expansiveren Geldpolitik“, so Greetfeld und Bandholz weiter.

          Die Aktienmärkte in Amerika und in Europa dürften in der zweiten Jahreshälfte bestenfalls „seitwärts“ tendieren, schreibt Greetfeld. Und im Zuge einer lang anhaltenden und breiten Seitäwrtsbewegung sei im zweiten Halbjahr mit neuen Jahrestiefs am amerikanischen Aktienmarkt und beim Euro Stoxx 50 Index zu rechnen.

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