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Stromversorger : Viel Wind um Iberdrola-Übernahme - Aktie hebt weiter ab

  • Aktualisiert am

Windkraft aus Spanien Bild: REUTERS

Die Hinweise auf einen Übernahmekampf um den Stromkonzern Iberdrola nehmen zu. Eon und die französische EDF sollen sich schon indirekt in der Aktie engagiert haben. Im Spiel ist zudem ein spanischer Baukonzern, der schon Aktionär ist.

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          Iberdrola-Aktien werden immer begehrter. Am Freitag stieg der Kurs weiter, nachdem er am Donnerstag schon deutlich angezogen war. Der Grund: In Spanien verdichten sich die Anzeichen auf ein Kaufangebot für den Versorger Iberdrola.

          Dabei könnte auch die deutsche Eon eine Rolle spielen. Eon soll bereits drei Prozent an Iberdrola in Form von Derivaten halten, während EdF etwa vier Prozent halten soll, heißt es in der Börsenzeitung vom Freitag.

          Der französische Energiekonzern EDF habe der Regierung in Paris gegenüber Interesse am spanischen Markt signalisiert, sagte ein Sprecher des französischen Präsidialamtes am Donnerstag und in diese Richtung berichteten auch die Zeitung am Freitag. Die Regierung in Madrid sei über ein grundsätzliches Interesse von EDF am spanischen Markt informiert worden. Präsident Nicolas Sarkozy habe EDF zu verstehen gegeben, sich beim weiteren Vorgehen mit der spanischen Regierung abzustimmen, sagte der Sprecher weiter, ohne Iberdrola zu nennen.

          Übernahmekampf könnte die Aktie hochtreiben

          Es gibt wohl auch Interesse von der deutschen Eon - neben einem spanischen Baukonzern und dem französischen Staatsversorger. Was ist nur dran an Iberdrola, dass so viele Riesen sich um die Spanier streiten wollen?

          Zunächst ist die Aktie in den vergangenen Jahren ausgezeichnet gelaufen. Doch sie ist trotz eines starken Kursrückgangs in den letzten Wochen immer noch relativ hoch bewertet. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 auf der Basis des laufenden Jahres ist die Aktie wesentlich teurer als der Schnitt des Aktienmarktes. Das rechtfertigen manche durch die guten Aussichten bei Erneuerbaren Energien und die starke Stellung im Markt. Doch durch die Wachstumsaussichten ist es nicht dauerhaft gedeckt.

          Durch einen Übernahmekampf könnte der Kurs jedoch weiter hoch gehen. Dies war ja schon bei ähnlichen Gefechten früher zu beobachten, denn für eine starke Stellung im Markt bezahlen Versorger gelegentlich horrende Preise. Insofern könnte ein Engagement für Anleger also noch Sinn machen. Positiv ist dabei, dass die Dividendenrendite von Iberdrola mit mehr als drei Prozent wieder recht attraktiv geworden ist.

          Börsengang der Windsparte spülte 4,5 Milliarden Euro in die Kasse

          Das Unternehmen ist derzeit Spanien zweitgrößter Stromversorger. Größter Aktionär ist bereits der Baukonzern ACS, dem von Bankern Interesse an einer Übernahme nachgesagt wird - eventuell zusammen mit der EDF. Doch bisher wurde darüber keine Vereinbarung erzielt, erklärte ACS. Iberdrola wäre ein gewaltiger Brocken für beide Interessenten, denn dessen Börsenwert erreicht schon fast 50 Milliarden Euro.

          Ein Teil des Wertes entfällt auf die Tochter Iberdrola Renovables, die erst Ende des vergangenen Jahres an die Börse gebracht worden war - aber nur mit einem Streubesitz von 20 Prozent. Das spülte damals 4,5 Milliarden Euro in die Kassen von Iberdrola. Derzeit ist Iberdrola Renovables an der Börse mit rund 21 Milliarden Euro bewertet.

          Die Franzosen hinken bei Windenergie hinterher

          “EDF könnte seine Position in Großbritannien verdoppeln und von den erneuerbaren Energien profitieren, die Iberdrola besitzt. In diesem Bereich hinken die Franzosen in Europa hinterher“, sagte Victor Peiro, ein Analyst von Caja Madrid Bolsa. Er empfiehlt, die Aktien von Iberdrola zu kaufen.

          Iberdrola ist durch seine Kauftour inzwischen der weltgrößte Eigentümer von Windturbinen. Dieses Geschäft profitiert von Staatshilfen für erneuerbare Energien in Europa und Amerika, weil alle Staaten die Emission von Treibhausgasen verringern wollen. Steigende Preise für die Emissions-Zertifikate, mit denen Kohlendioxid emittiert werden, haben den traditionellen Vorteil von mit Kohle und Öl betriebenen Kraftwerken untergraben.

          Iberdrola-Chef wehrt sich gegen eine Übernahme

          EDF, Europas größter Energieproduzent, und ACS würden Iberdrola wohl aufspalten, berichtete die Financial Times. ACS erklärte am Mittwoch dazu, es gebe keine Vereinbarung mit EdF zur Vorlage eines Gebots. Die Iberdrola-Aktien waren am Mittwoch an der Börse Madrid zunächst vom Handel ausgesetzt und legten dann bis zu sieben Prozent auf zehn Euro zu. Schon in den vergangenen Tagen hatten Gerüchte über eine mögliche Offerte den Kurs getrieben.
          ACS hält direkt und indirekt schon 13 Prozent an Iberdrola.

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