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Aktie im Blick : Der Außenwerber hat gute Chancen im Digitalgeschäft

Eine leuchtende Ströer LED-Werbefläche am Bahnsteig der S-Bahn-Station Hauptwache in Frankfurt. Bild: Frank Röth

Unruhige Zeiten hat der Kölner Werbekonzern Ströer am Aktienmarkt hinter sich. Der Aktie wird von Analysten wieder mehr zugetraut. Die Kursprognosen sind interessant.

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          Unruhige Zeiten hat der Kölner Werbekonzern Ströer am Aktienmarkt hinter sich. Vorwürfe des Hedgefonds Muddy Waters bescherten dem M-Dax-Wert im vergangenen Jahr einen deutlichen Kursrückgang. Der Leerverkäufer hatte die Bilanzierung von Ströer und vor allem die Wachstumsraten in Frage gestellt. Seit dem Zwischentief im Dezember bei 34 Euro konnte sich die Aktie bis Ende Mai kräftig auf rund 58 Euro erholen. Zuletzt gab das Papier aber wieder auf 53 Euro nach und ist damit deutlich vom Rekordhoch von 64,49 Euro im November 2015 entfernt.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Aus einer Aufstellung von Bloomberg wird deutlich, dass der Aktie mehr zugetraut wird. Von den befragten Analysten raten 14 zum Kauf, zwei weitere empfehlen, den Wert im Depot zu halten. Die Kursziele reichen dabei bis zu 72 Euro, der Durchschnitt beträgt rund 62 Euro. Die nach der Kritik von Muddy Waters zeitweise vorherrschende Skepsis sei mittlerweile verflogen, da das Management kontinuierlich solide Geschäftszahlen vorgelegt habe, sagt Sascha Berresch, Analyst bei Hauck & Aufhäuser. Aktuell sei Ströer mit einem vergleichbaren Multiplikator (bezogen auf das operative Ergebnis Ebitda) bewertet wie der französische Konkurrent JC Decaux. Gemessen an den langfristigen Perspektiven sieht Berresch die Aktie mit 64 Euro fair bewertet.

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          Durch den Aufbau der Sparte Online-Werbung habe Ströer eine höhere Relevanz bei den für die Werbebuchungen zuständigen Mediaagenturen sowie bei Werbetreibenden direkt gewonnen. Ströer könne den Kunden zudem nun Pakete für die verschiedenen Werbekanäle schnüren. Auch Marcus Silbe, Analyst bei Oddo Seydler, sieht erhebliche Cross-Selling-Potentiale, wobei es seiner Einschätzung nach leichter fallen dürfte, Außenwerbekunden für die Online-Werbung zu gewinnen als umgekehrt. Dass er mit 47 Euro das mit Abstand niedrigste Kursziel ansetzt, begründet Silbe mit der Tatsache, dass der Markt Digitalaktivitäten generell niedriger bewerte als vor zwei Jahren.

          Viele Zukäufe im Digitalgeschäft

          Durch eine hohe zweistellige Zahl von Übernahmen haben sich die Kölner innerhalb von fünf Jahren zum reichweitenstärksten Online-Werbevermarkter in Deutschland entwickelt. Im ersten Quartal steuerte das Digitalgeschäft schon etwas mehr als die Hälfte zum Konzernumsatz bei. Zu den prominentesten Akquisitionen zählt das Online-Portal T-Online von der Deutschen Telekom, das künftig von einem neuen Newsroom in Berlin mit Inhalten bestückt werden soll. Die bisherige Redaktion in Darmstadt wurde geschlossen.

          Zugekauft wurden aber auch eine Reihe weiterer Websites wie Kino.de oder Giga.de. Zudem übernimmt Ströer für andere Anbieter die Vermarktung von Internetauftritten. Monatlich werden über 1000 Websites insgesamt 45 Millionen Internetnutzer erreicht. Damit ist Ströer nach Ansicht von Christoph Bast, Analyst beim Bankhaus Lampe, gut aufgestellt, um vom Wachstumstrend Online-Werbung zu profitieren.

          Als größte Treiber macht die Unternehmensberatung PWC die Werbung auf Mobilfunkgeräten sowie Online-Videos aus, während für die Displaywerbung auf dem Desktop-Computer nur noch ein leichtes Wachstum erwartet wird. Mit seiner Reichweite im Netz schielt Ströer darüber hinaus auf Geschäfte im E-Commerce. So wurden etwa die Online-Apotheke Vitalsana, der Kosmetikvertrieb Asam-Beauty und der Modeanbieter Stylefruits erworben.

          Lokale Werbekunden im Blick

          Auf Digitalisierung setzen die Kölner auch im Geschäft mit der Außenwerbung, mit der sie einst groß geworden sind. Im Aufbau befindet sich ein Netz von 1000 digitalen Werbetafeln an vielbefahrenen Straßen. Bis Jahresende sollen etwa 200 solcher Tafeln stehen, auf denen Werbekunden digitale Anzeigen schalten können. Durch die relativ geringen Kosten gegenüber gedruckter Außenwerbung steige die Attraktivität für Kunden mit kleinen Werbebudgets, schreibt Analyst Bast in einer Studie. Im Blick hat Ströer vor allem lokale Werbekunden wie Möbelhäuser oder Handwerksbetriebe.

          Auf regionale Kunden zielen auch die seit neuestem gezielteren, automatisierten Buchungsmöglichkeiten für die Video-Displays an Bahnhöfen und U-Bahn-Stationen. Während das Stammgeschäft mit der hiesigen Außenwerbung im ersten Quartal ein Plus von 5 Prozent verbuchte, gab es bei den Werbeaktivitäten in der Türkei und Polen Einbußen. Für das Gesamtjahr stellt Vorstandsvorsitzender Udo Müller einen Umsatz von 1,3 (Vorjahr 1,12) Milliarden Euro und ein bereinigtes Ebitda von mehr als 320 (285) Millionen Euro in Aussicht. Für das zweite Quartal rechnet Olivier Moral, Analyst bei HSBC (57 Euro Kursziel), mit einer niedrigeren operativen Gewinnmarge als im Vorjahr. Die Quartalsergebnisse stehen am 10. August an.

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