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Strategie : Warren Buffett setzt auf Nahrungsmittelwerte

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Kraft - die Marke ist kaum zu übersehen Bild: AP

Wertpapiere von Nahrungsmittelunternehmen sind eine robuste Wette für Anleger, sofern die Firmen solide bewirtschaftet werden. Darauf setzt auch Warren Buffett. Er hat seine Beteiligung am Lebensmittelriesen Kraft Foods aufgestockt.

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          Der Boom im Agrarsektor ist angesichts der steigenden Preise an den Terminbörsen aber auch an den Ladentheken nicht mehr zu übersehen. Er dürfte noch eine Weile anhalten, denn steigende Kosten führen bei Anbauern und Verarbeitern dazu, dass sie dazu gezwungen sind, die Preise dauerhaft hoch zu halten, da sie sonst nicht mehr rentabel arbeiten könnten.

          Das dürfte problemlos möglich sein, denn während die Konsumenten bei anderen Produkten verzichten oder ausweichen können, ist eine ausreichende und womöglich auch noch gesunde Ernährung unabdingbar. Aus diesem Grund ist die Nachfrage relativ unelastisch, wie hoch der jeweilige Preis auch sein mag. In diesem Sinne sind Wertpapiere von Nahrungsmittelunternehmen eine relativ sichere Wette für Anleger, sofern die Unternehmen solide bewirtschaftet werden.

          Kraft - bekannte Marken, robuste Branche

          So dürfte es kaum verwundern, dass der bekannte Anleger Warren Buffett mit seiner Investmentholding Berkshire Hathaway seine Beteiligung am Lebensmittelriesen Kraft Foods aufgestockt hat und nun mit einem Anteil von 8,6 Prozent am Aktienkapital der größte Einzelaktionär des zweigrößten Nahrungsmittelkonzerns der Welt wurde. Der Hersteller von Jacobs-Kaffee, Milka-Schokolade und Philadelphia-Frischkäse ist seit März des Jahres 2007 unabhängig. Vorher befand sich der Konzern im Mehrheitsbesitz der Altria Group, zu der auch der Zigarettenriese Philip Morris gehört.

          Institutionelle Anleger halten das Engagement bei Kraft für viel versprechend. Kraft verfüge über ein Portfolio von Kultmarken, das Management sei jedoch lange Zeit vernachlässigt worden, sagte Tom Russo, Partner beim amerikanische Vermögensverwalter Gardner Russo & Gardner der Nachrichtenagentur Bloomberg. Wenn die Marken gut geführt würden - und daran werde gerade gearbeitet - werde sich das beim Ertrag positiv bemerkbar machen, erklärte er weiter.

          Die 132,4 Millionen Kraft-Aktien, die Berkshire am Jahresende hielt, haben derzeit einen Wert von etwa 3,9 Milliarden Dollar oder umgerechnet 2,66 Milliarden Euro. Berkshire hat seine Beteiligung an Kraft im vergangenen Jahr stetig aufgestockt. „Warren Buffett hat seinen Spaß“, erklärte Fondsmanager Frank Betz von Carret Zane Capital Management in New Jersey. „Er schaut sich immer um, aber jetzt kann er Unternehmen, die seinen Maßstäben genügen, zum Schnäppchenpreis kaufen.“

          Aktie ist vernünftig bewertet - solide Ausschüttungsquote

          Der Aktienkurs von Kraft ist in den vergangenen zwölf Monaten trotz der im Trend stetig steigenden Umsätze und einer robusten Gewinnentwicklung etwa 15 Prozent gefallen. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 15,3 und 14,2 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr ist sie vernünftig bewertet und bietet mit 3,7 Prozent eine für amerikanische Verhältnisse relativ hohe Dividendenrendite. Das dürfte Buffett gereizt haben. Vor allem dann, wenn man unterstellt, dass sich das Unternehmen noch effizienter als bisher aufstellen lassen kann.

          Das größte Investment der Berkshire-Holding ist ein Anteil von 8,6 Prozent am Aktienkapital von Coca Cola im Wert von gegenwärtig 11,7 Milliarden Dollar. Auch dieses Unternehmen entwickelt sich schon seit Jahren robust und schüttet einen relativ großen Anteil seiner Erträge in Form von Dividenden aus. Buffett scheint bei seinen Beteiligungen Wert zu legen auf einen soliden Cashflow. Genau der lässt sich auch bei Versicherungsunternehmen mit einem relativ geringen Aufwand erzielen, sofern sie vernünftig verwaltet werden. So dürfte kaum überraschen, dass die Assekuranzunternehmen Geico und General Reinsurance wichtige Einnahmequellen bei Berkshire sind.

          Der Trend zu Agrargütern und Nahrungsmittelunternehmen lässt sich allgemein auch als Inflationsschutz interpretieren. In inflationären Zeiten ist es ratsam, auf jene Unternehmen zu setzen, deren Nachfrage selbst bei steigenden Preisen robust bleibt. Der Blick auf die Performance von Wertpapieren der Nahrungsmittelunternehmen weltweit in den vergangenen Monaten legt diese These nahe. Immerhin wird die Liste angeführt von zwei Werten aus Simbabwe mit Kursgewinnen von bis zu 560.000 Prozent auf Sicht von zwölf Monaten. Der Grund: In diesem afrikanischen Land herrscht Hyperinflation.

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