https://www.faz.net/-gv6-tqay

Strategie : Perus Börse lässt alle hinter sich

  • Aktualisiert am

Peru setzt auf organischen Kaffee Bild: REUTERS

Die Wirtschafts- und Kreditkrise zieht weiterhin ihre Kreise. Die Börsen lassen sich davon jedoch schon seit Wochen nicht mehr beeindrucken. Die beste Entwicklung verzeichnete die Börse in Peru: Plus 85 Prozent seit Jahresbeginn.

          2 Min.

          Die Wirtschafts- und Kreditkrise zieht weiterhin ihre Kreise. Die Börsen lassen sich davon jedoch schon seit Wochen nicht mehr beeindrucken. Viele Aktienanleger wetten trotz aller nur denkbaren Gegenargumente aufgrund der gigantischen geld- und fiskalpolitischen Impulse beinahe weltweit auf eine wirtschaftliche Erholung.

          Das führte zusammen mit technischen Impulsen dazu, dass sich die Aktienmärkte in den vergangenen Wochen von ihren Tiefs erholen, zum Teil deutlich nach oben laufen sowie massive Kursgewinne verbuchen konnten. Die beste Entwicklung verzeichnete in den vergangenen fünf Monaten die Börse in Peru. Der Peru Lima General Index verzeichnete in den vergangenen Wochen in lokaler Währung einen Kursgewinn von 77 Prozent. Da gleichzeitig die Währung des südamerikanischen Landes leicht gegen den Euro aufwertete, konnten europäische Anleger zumindest theoretisch einen Wertzuwachs von knapp 85 Prozent realisieren.

          Kursgewinne von bis zu 85 Prozent in Peru

          Der mit einer Kapitalisierung von knapp 59 Milliarden Dollar relativ kleine Markt entwickelte sich in der betrachteten Periode deutlich besser als die boomenden Börsen in Russland, China, Brasilien und Indien, die währungsbereinigt seit Jahresbeginn jeweils rund 60 Prozent beziehungsweise 54 und 48 Prozent zulegten. Während die Märkte in China und Indien primär von der starken Liquiditätsversorgung und ambitionierten Wachstumserwartungen auf hohe Bewertungsniveaus getrieben werden, zeigen die teurer gewordenen Energie- und Rohstoffpreise in Russland, Brasilien und nicht zuletzt auch in Peru ihre Wirkung. Immerhin verfügen diese Staaten über entsprechende Vorkommen. Sie sollten vom allgemeinen Wirtschaftsaufschwung und der hoch bleibenden Nachfrage profitieren, so die Hoffnungen der optimistischen Anleger.

          Bild: FAZ.NET

          Tatsächlich konnten in Peru in den vergangenen Monaten die Papiere des Öl- und Gasunternehmens Maple Energy, der Zuckerverarbeiter Empresa Agroindustrial Pomalca und Empresa Agroindustrial Tuman, sowie der Minenunternehmen Volcan Compania Minera und Compania Minera de San Ignacio De Morococha und der Refineria la Pampilla zwischen 274 und 160 Prozent zulegen. Allerdings sind einzelne dieser Werte gemessen an den abgelieferten Gewinnen inzwischen schon wieder sehr teuer geworden, während der Markt an sich im Durchschnitt noch akzeptabel bewertet ist.

          Das Land selbst entwickelt sich vergleichsweise robust. Das Wirtschaftswachstum ist im vergangenen Jahr in der zweiten Jahreshälfte zwar eingebrochen, allerdings blieben die Wachstumsraten positiv. Im März lag das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im Vergleich mit der Vorjahresperiode bei 3,05 Prozent. Führten hohe Energie- und Rohstoffpreise in den vergangenen Jahren zu einem Leistungsbilanzüberschuss, so brach dieser aufgrund der Krise zunächst massiv weg - konnte sich aber inzwischen wieder etwas erholen. Im Unterschied zu vielen anderen Staaten ist Peru nur gering verschuldet. Das Verhältnis zwischen Schulden und Sozialprodukt lag Ende Dezember bei 27 Prozent, während das Budget im vergangenen Jahr ausgeglichen war.

          Viele Exporte Perus gehen in die Vereinigten Staaten und nach China

          Die Geldanlage in Peru gleicht im Kern einer Wette auf die wirtschaftliche Erholung in den Vereinigten Staaten und die robuste Entwicklung in China. Denn rund 20 Prozent der Exporte gehen in die Vereinigten Staaten, während mehr als 13 Prozent nach China gehen und knapp zehn Prozent nach Kanada. Die meisten Importwaren kommen aus den Vereinigten Staaten, China, Brasilien, Ekuador, Argentinien, Chile und Kolumbien.

          Insgesamt mag die Börse Perus weiterhin gewisse Reize auf wirtschaftsoptimistische Anleger ausüben. Allerdings ist es nicht einfach, dort zu investieren. Neben wenigen Staatsanleihen gibt es nur wenige Aktien wie die der Banco de Credito Del Peru, der Southern Peru Copper Corpration, der Telefonica Del Peru oder der Telefonica Movil. Peru und ein Zertifikat von ABN Amro (Isin DE000AA0PEU5), die in Europa handelbar sind. Das Zertifikat jedoch zeigt die typischen Schwächen solcher Konstrukte: Es hinkt der Entwicklung des Marktes im Aufschwung deutlich hinterher.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Franziska Giffey: Möchte die Berliner mit dem Thema Innere Sicherheit überzeugen.

          Parteitag der Berliner SPD : Giffey will es wissen

          Auf dem ersten hybriden Parteitag der Berliner SPD wirbt die Bundesfamilienministerin für ihre Führungsrolle in der Hauptstadt. Zu ihrer Doktorarbeit sagt sie nichts. Nun kommt es darauf an, wie stark ihre Partei sie machen will.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.